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Kommentar Alstom und Bombardier sind auch zusammen nicht schlagkräftig

Wenn Bombardier durch Alstom übernommen wird, könnte man der Konkurrenz aus China dennoch nicht die Stirn bieten. Nicht Größe, sondern technischer Vorsprung zählt.
17.02.2020 - 16:46 Uhr Kommentieren
Eine Übernahme durch Alstom verbessert die Wettbewerbssituation nicht. Quelle: dpa
Bombardier in Görlitz

Eine Übernahme durch Alstom verbessert die Wettbewerbssituation nicht.

(Foto: dpa)

Der französische Bahntechnikhersteller Alstom hat seine Absicht erklärt, die Eisenbahnsparte des kanadischen Konkurrenten Bombardier kaufen zu wollen. Damit könnten die Franzosen, gemessen am Umsatz, zum führenden Produzenten für Eisenbahnausrüstung in der westlichen Welt aufsteigen. Die Börsen feiern schon mal die mögliche Offerte über rund sechs Milliarden Euro, selbst Alstom-Investoren sind freudig erregt. Es fragt sich nur, warum eigentlich.

Das alles erinnert sehr an die Pläne des deutschen Wettbewerbers Siemens, seine Mobility-Tochter mit Alstom zu fusionieren. Dieses Projekt ist bekanntlich vor einem Jahr am Veto der EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager gescheitert. Vestager wollte die überragende Marktmacht des Duos Siemens/Alstom nicht akzeptieren. Auch wenn die Firmen noch so sehr vor dem chinesischen Drachen warnten, der ihre Geschäfte in Europa bedrohe. China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC) beeindruckte Vestager trotz der gigantischen Größe in keiner Weise. Denn: In Europa spielt CRRC keine große Rolle – bislang nicht.

Ob der eher fiktive Angreifer aus dem Fernen Osten auch beim zweiten Anlauf Alstoms zur Konsolidierung der Branche die treibende Kraft ist? Das Argument, Europa müsse einen schlagkräftigen Gegner zum chinesischen Zuggiganten aufbauen, hätte jedenfalls weiterhin Gültigkeit. CRRC lässt nicht locker, in Europa Fuß zu fassen. Und eines Tages, das ist sicher, wird den Chinesen das auch gelingen. So ließe sich wenigstens eine Kaufofferte Alstoms für Bombardier Transportation erklären.

Die Entscheidung Vestagers, dem Zusammenschluss Siemens/Alstom ihre Zustimmung zu versagen, ist bis heute heftig umstritten. Und im Lichte der nunmehr geplanten Übernahme Bombardiers betrachtet, ist sie sogar falsch. Das aber vor allem aus Sicht von Alstom.

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    Siemens wäre eindeutig der bessere Partner gewesen, um einen europäischen Eisenbahnchampion zu formen, der es mit CRRC hätte aufnehmen können. Tempi passati, diese Gelegenheit ist vertan. Stattdessen rettet Alstom jetzt Bombardier aus großer Not. Aber die Franzosen tun sich damit keinen Gefallen. Bombardier Transportation ist ein Sanierungsfall. Das belegen nicht nur die jüngsten Verluste in der Sparte, sondern auch die pausenlosen Restrukturierungsprogramme. Dazu kommt der Verschleiß an Führungspersonal. Fünf Chefs in zehn Jahren sollten Alstom eine Warnung sein.

    In Deutschland läuft Bombardier ein wenig unter dem Radar der öffentlichen Wahrnehmung, obwohl der kanadische Konzern die Zugsparte nach Berlin verlegt hatte, um nahe am größten europäischen Kunden zu sein. Das ist die Deutsche Bahn. Und nicht nur die ist ziemlich unzufrieden mit der Qualität im Hause Bombardier. Liefertermine werden nicht eingehalten. Die Kinderkrankheiten neuer Züge sind ausgeprägter als bei anderen Herstellern.

    Digitalisierung wird entscheidend

    Kauft Alstom Bombardier, werden die Franzosen mächtig aufräumen müssen unter den Standorten. Davon haben beide Konzerne Dutzende in Europa. Trotz klimabedingter Renaissance der Eisenbahn dürften es nach wie vor zu viele sein. Da wundert es nicht, wenn die IG Metall schon jetzt Alarm schlägt. Die gemeinsame Konzernsprache Französisch reicht als Skalierungseffekt eben nicht aus.

    Der dritte große europäische Anbieter, Siemens Mobility, muss sich daher nicht fürchten. Alstom wird mit den Integrationsarbeiten im neuen Konzern auf Jahre beschäftigt sein, so dass die eigentlichen Ziele der Übernahme, nämlich Größe und damit Produktionskostenvorteile zu schaffen, vorerst nicht zum Tragen kommen. Der Deal mag gut sein für Bombardier. Aber für Alstom?

    CRRC, da sollten sich alle westlichen Hersteller nichts vormachen, ist mit Masse ohnehin nicht zu schlagen. Die Fabriken der Chinesen spucken jedes Jahr hunderte Hochgeschwindigkeitszüge aus und tausende Güter- und Personenwaggons. Da werden die drei großen Bahntechniklieferanten des Westens Alstom, Bombardier und Siemens nicht mithalten können. Egal in welcher Kombination.

    Was wirklich zählt im Eisenbahngeschäft ist technischer Vorsprung, etwa in der Digitalisierung des Schienenverkehrs. Das aber ist nur bedingt eine Frage der Größe. Auch ist die gesamte Branche noch viel zu sehr wie eine Manufaktur geprägt. Jeder Zug ein Einzelstück. Das kann sich nicht gut rechnen.

    Die Größe dürfte Alstom-Bombardier ohnehin zum Verhängnis werden, sollte Kommissarin Vestager keinen totalen Meinungswandel vollzogen haben. Siemens-Alstom war an den Hochgeschwindigkeitszügen und der Signaltechnik gescheitert, Alstom-Bombardier wird es so mit den Regionalzügen ergehen. Neunzig Prozent Marktanteil in Frankreich, fast fünfzig Prozent in Europa, daran wird kein EU-Wettbewerbshüter vorbeisehen können. Margrethe Vestager könnte womöglich eine Ehe verhindern, der ohnehin keine gute Zukunft bevorsteht.

    Mehr: Kanadas Industrie-Ikone Bombardier ist nur noch ein Schatten ihrer selbst

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