Kommentar Altmaiers Fantasie-Zahlen schüren Angst

Der Umweltminister beziffert die Kosten der Energiewende mit einer Billion Euro bis 2040. Diese Zahl ist aus der Luft gegriffen. Die Angst der Bürger wird sie trotzdem vergrößern und von dem eigentlichen Problem ablenken.
26 Kommentare
Nicht nur der Ausbau der Windenergie kostet. Quelle: dpa

Nicht nur der Ausbau der Windenergie kostet.

(Foto: dpa)

Mehr als eine Billion Euro könnte die Energiewende bis Ende der 30er Jahre kosten, sagte Bundesumweltminister Peter Altmaier der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Unser Umweltminister ist offenbar ein Meister der Zahlen. Er schafft es, den Investitionsbedarf des Umbaus der Energieversorgung eines Industrielandes zu beziffern, der einzigartig in der Geschichte der Welt ist – und dann auch noch über die nächsten 30 Jahre. Solch ein Kunststück trauen sich nicht einmal Unternehmen, deren Kostenkalkulation weit weniger komplex sein dürfte als die für den Umbau der Stromversorgung der größten Industrienation Europas.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.

Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.

Die Intention des Umweltministers dahinter ist klar – er will für seine „Strompreisbremse“ trommeln. Mit solchen Fantasie-Zahlen macht er den Bürgern, die sich gerade einmal von der Erhöhung der EEG-Umlage erholt haben, wieder Angst. Was kommt da noch alles auf uns zu, werden sich viele fragen. Doch der Umweltminister hat ja bereits eine Lösung: Einfach die Vergütung für die erneuerbaren Energien kappen.

Der Vorschlag von Altmaier ist so populistisch wie durchschaubar. Er will damit auf Stimmenfang für die anstehende Bundestagswahl gehen und sich als Kostenbremser profilieren. Er beruhigt damit vielleicht die Gemüter all jener, die Angst haben, dass sie ihren Strom bald nicht mehr bezahlen können. Doch was die Energiewende wirklich braucht, ist eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz.

Die Anschubfinanzierung war erfolgreich, es wurden so viele Solaranlagen gebaut, dass die erhoffte Lernkurve beschritten wurde. Heute kosten Solarmodule nur ein Bruchteil dessen, was sie noch vor zehn Jahren gekostet haben, auch im Bereich der Windparks gibt es bereits Fortschritte in der Technik.

Doch der Ausbau von Wind- und Solarkraft erfolgte nicht danach, was künftig für einen sicheren Energiemix gebraucht wird. Das wäre an sich noch nicht schlimm, jedoch hinkt der Ausbau der Speichertechnologien hinterher. Den Strom ins Ausland oder in andere Regionen zu transportieren ist ebenfalls knifflig, denn die Netze sind zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ausreichend aufgerüstet.

Und so haben wir heute oft den Fall, dass zu bestimmten Zeiten Strom produziert wird, den niemand nutzen will. Das ist das eigentliche Problem mit dem derzeitigen Gesetz zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Die Anlagenbetreiber müssen sich nicht darum scheren, ob ihr Strom auch benötigt wird – er wird ihnen im jeden Fall abgekauft.

Das muss sich ändern. Es muss Anreize geben, damit sich Anlagenbetreiber auch Gedanken darum machen, was mit ihrem Strom geschieht. Doch jetzt aus dem EEG ein Flickwerk zu machen, indem man die garantierte Vergütung einfach einfriert, wie es Altmaier vorschlägt, ist falsch. Sein populistischer Vorstoß wird seiner CDU bestimmt ein paar mehr Stimmen bringen. Die Unsicherheit unter den Investoren und Anlagenbetreibern wird er jedoch massiv erhöhen.   

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Altmaiers Fantasie-Zahlen schüren Angst

26 Kommentare zu "Kommentar: Altmaiers Fantasie-Zahlen schüren Angst"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das EEG ist mit Abstand das unsozialste Gesetz, das je erschafen wurde - eine Umverteilung von unten nach oben mit gigantischen Ausmaßen. Deswegen gehört das EEG ganz einfach abgeschafft.
    Und warum soll beim EEG Unrecht sein, was beim Abschalten der Kernkraftwerke per defintionem rechtmäßig war.

  • Das EEG ist mit Abstand das unsozialste Gesetz, das je erschafen wurde - eine Umverteilung von unten nach oben mit gigantischen Ausmaßen. Deswegen gehört das EEG ganz einfach abgeschafft.
    Und warum soll beim EEG Unrecht sein, was beim Abschalten der Kernkraftwerke per defintionem rechtmäßig war.

  • Eine Frage an all die Anti-Erneuerbare-Energien Kommentatoren: glauben Sie denn wirklich ernsthaft, dass die Beendigung der Energiewende die Strompreise stabilisieren wird? Genau das Gegenteil wird passieren!
    Wo sind die Gegenvorschläge, wie wollen Sie verhindern, dass die Verknappung von Öl, Gas und übrigens auch Uran die Erzeugungspreise nach oben treiben wird?
    Warum wehren Sie sich so dagegen, dass die Energieerzeugung immer dezentraler und damit weniger abhängig von einigen wenigen Großkonzernen wird?

    Die Energiewende muss und wird kommen, denn sie ist vor allem eine ökonomische Notwendigkeit.

  • Liebe Frau Heide, ich bin einigermaßen entsetzt: Jetzt blasen sie ins gleiche Horn wie die Grünen und kanzeln den Umweltminister als Märchenonkel und Populisten ab. Einige Rechnungen kann man sicher nicht aufmachen aber den größten Teil sehr wohl. Die nächsten 20 Jahre sind 20 Mrd pro Jahr fällig, und zwar in jedem Fall!. Das macht allein schon 400 Mrd. nur für die Umlage, wenn ab heute gar nichts mehr zugebaut wird. Netzkosten nicht exakt bezifferbar, für 360 Mrd die so wichtige Wärmedämmung des Bestandes sind eher zu niedrig gegriffen das wird mit Sicherheit sehr teuer. Wenn es weniger als eine Billion wird haben wir Glück gehabt!
    Diese Gesundbeter an Instituten die die Kosten jahrelang kleingeredet haben, die sollte man zur Verantwortung ziehen.

  • Wenn man dies nüchtern betrachtet, so soll diese Billion in knapp 30 Jahren anfallen. Das bedeutet gut 30 Mrd. € pro Jahr.

    Heute liegen die Subventionen für wertlosen und umweltschädlichen Strom "Erneuerbarer Energien" bei 25 Mrd. € Die Planungen hatten zig-1000 MW Meereswindmühlen und erhebliche zusätzliche Kapazitäten an Solarstrom vorgesehen. Das bedeutet eine jährliche Belastung von 60 - 80 Mrd. €. bzw. auf 30 Jahre bezogen gut 2 Billionen €.

    Die Journalistin kann nicht rechnen und ich habe es auch nicht gleich gemerkt.

    Vandale

  • Von Herrn Altmaier will ich nur noch hören, welche konkreten Pläne er zur Umsetzung der Energiewende ausgearbeitet hat, in welchen Regionen welche Form der Energieerzeugung zu wie viel Prozent geplant ist und welche Aktionen zur Energie-Speicherung bis wann angestoßen werden. Alle anderen Sprüche kann er doch mittlerweile einer Parkuhr erzählen. Wer ohne vorherige Planung über Kosten spricht, könnte genau so präzise im Kaffeesatz lesen.

    Wenn er nach all der Zeit keine vernünftige Planung zu bieten hat, soll er gefälligst zurücktreten. Das ständige Gedöns um die Kosten mit den spekulativen Zahlen eines Märchenonkels zeigt überdeutlich, dass Herr Altmaier sein Bestes tut, um die Energiewende zu verhindern. Es wird Zeit, dass ein kompetenter Umwelt-Minister das Ruder übernimmt, bei dem der Wille zur Umsetzung wenigstens deutlich erkennbar ist.

    Atomstrom ist von Beginn an mit Steuergeldern subventioniert worden. Kein einziges AKW wäre gebaut, kein Atommüll-Fass in der Asse versenkt worden ohne Zuschüsse des Staates in Milliardenhöhe. Die wahren Kosten lassen sich kaum ermitteln - anhand meiner Recherchen wurde sogar ein großer Anteil der horrenden Kosten im Militärhaushalt "versteckt".

    Und bei Erneuerbaren Energien sollen nun die kleinen Verbraucher die Rechnung alleine übernehmen? Für Pleitestaaten werden schmerzfrei Billionen locker gemacht, ohne Wimpern-Zucken werden Banken mit unvorstellbaren Milliarden-Beträgen gerettet - und ausgerechnet für Energie, die ja bekanntlich die Lebensader eines Landes ist, soll kein Cent für nachhaltige Investitionen übrig sein? Diesen Fragen werden sich unsere Politiker endlich stellen müssen.

    Die paar Kernphysiker, welche hier so emsig schreiben, sollten übrigens endlich umschulen oder sich irgendwo neue Mitbürger suchen. Die Mehrheit in "good old germany" hat sich nämlich gegen die hochriskante und unbeherrschbare Kernkraft-Technik entschieden - einen Volksentscheid sehe ich gelassen entgegen.

  • Unsere abgeschriebenen Kernkraftwerke liefern CO2-neutralen Strom für 1,6 Cent/kWh (TU München). Die Energieversorger hatten während der Laufzeitverlängerungsdiskussion angeboten (also lange vor der Null-Tote-Katastrophe Fukushima), den Reibach mit den Stromkunden teilen zu wollen. Die Bundeskanzlerin wollte das Geld aber lieber in der Staatskasse sehen und nannte es "Brennelementesteuer".

  • Meine erste Schätzung vor 18 Monaten lag bei mindestens 800 Mrd. Siemens England schätzt 1600 Mrd. Altmaier liegt mit seinen 1000 Mrd wohl ganz gut. Am Schluss dürfte es das zwei- bis dreifache sein. Fantasiezahlen sind das sicher nicht. Das ist eine grobe Schätzung.

  • Nun ja ,Altmaiers Schätzungen mögen Fantasiezahlen sein.Aus vielfacher Erfahrung wissen wir,daß Projekte von Politiker und Beamten betrieben das Doppelte,Dreifache oder auch 5 fache -z.B. Elbphilharmonie- der veranschlagten Beträge kosten.
    So können wir getrost davon ausgehen,daß Altmaiers Schätzung zu niedrig liegt.2 Billionen ist wahrscheinlich realistischer.
    Soweit aus den bescheidenen Informationen hervorgeht ,hat Altmaier nur den Status quo hochgerechnet.Also ca 25% Erneuerbare.Wovon man noch 5% Wasserkraft abrechnen muß,die war immer schon da.
    Das Ziel ist aber -zumindest hat man uns das vorgegaukelt- 40 oder gar 80%.
    Nachdem bereits bei 25% Erneuerbaren erhebliche Netzprobleme auftreten und z.B. Gaskraftwerke vorgehalten werden müssen,die erhebliche Mehrkosten verursachen,die dazugerechnet werden müssen,kann man sicher sein daß mit der vorhandenen Ausrüstung die AKWs bis 2022 nicht ersetzt werden können.
    Auch zusätzliche Stromtrassen helfen da überhaupt nicht.Wo soll der Strom herkommen,wenn die Sonne nicht scheint,der Wind nicht weht?Wo soll der Strom ,den niemand braucht, hinfließen,wenn die Sonne scheint?
    Die zusätzlichen Stromtrassen sind ein echter Schildbürgerstreich.Außer Spesen nichts gewesen.
    Man frägt sich schon sehr wie Sarrazin zu der Erkenntnis über die überlegenen geistigen Kräfte der Deutschen gekommen ist?
    Daß die Energie(W)ende so nicht realisierbar ist ,konnte man schon vor 10 Jahren voraussagen.Es ist jetzt bestätigt worden.
    Die Energie(W)ende ist ein Projekt von Irren für Irre.
    Eurer Redakteurin Heide muß man das Zeugnis:
    "Nichtgenügend setzen!" ausstellen.

  • 1 Billion Euro kostet bis 2014 der Ausstieg vom Atomstrom ... hmh ... 80 % davon tragen die privaten Haushalte ... STOPP Mal ... dass heißt jetzt bei 80 Millionen Bundesbürger zahlt jeder Deutsche 25 Jahre lang Monat für Monat über 30 Euro ... das ist ja mehr als ich jetzt zahle ... komisch, ich finde, dass die Zahl zu wenig ist. Schließlich kommen da noch die Entsorgungskosten der AKW dazu. Also wozu für die eigene Rente sparen, die Altmaier-Rente kommt bestimmt ...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%