Kommentar: Amazon-Chef Andy Jassy fehlt die Vision von Jeff Bezos
Seit der Manager den Posten des Vorstandsvorsitzenden Anfang Juli vergangenen Jahres übernommen hat, ist der Börsenwert von Amazon um die Hälfte geschrumpft.
Foto: APNew York. Die Berichte über bevorstehende Entlassungen bei Amazon kommen nicht unerwartet, aber sie zeigen: Andy Jassy ist nicht der große Stratege, wie sein Vorgänger Jeff Bezos es ohne Zweifel war. Jassy hat zwar die Cloud-Sparte AWS groß gemacht. Aber es fehlt ihm an der großen Vision für den Gesamtkonzern.
Amazon war der große Profiteur der Pandemie. Doch Jassy hat diesen Erfolg fortgeschrieben und noch viel zu viel investiert, als längst klar war, dass die Dynamik nachlassen würde. Seit Jassy den Posten des Vorstandsvorsitzenden Anfang Juli vergangenen Jahres übernommen hat, ist der Börsenwert um die Hälfte auf jetzt eine Billion Dollar geschrumpft.
Als Jassy den Chefposten übernahm, boomte das Versandgeschäft noch wegen der Pandemie. Deshalb hat Amazon in neue Lagerhallen und Transportflotten investiert. Das Management ging davon aus, dass die Menschen sich so an die bequemen Lieferungen mit dem Smiley gewöhnen, dass sie nie wieder in die physischen Läden zurückwollen.
Marktanteile von Cloud-Tochter AWS schrumpfen
Doch es kam anders: Mit dem Ende der Lockdowns kehrten die Menschen in die Läden zurück, und Jassy saß auf frisch gebauten Logistikzentren. Die hohen Kosten dafür haben sogar das sonst so starke US-Geschäft ins Minus gezogen. Zuletzt wuchs auch die lukrative Cloud-Sparte AWS nicht mehr so stark – also jene Sparte, die sonst stets alle Verluste im klassischen Versandhandel ausgleichen konnte.