Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar AMS beweist mit der Osram-Übernahme unternehmerischen Wagemut

Mit beeindruckender Konsequenz hat AMS die Kontrolle bei Osram übernommen. Der Schritt zeugt von strategischer Weitsicht, birgt aber große Risiken.
02.12.2020 - 12:27 Uhr Kommentieren
Das Traditionsunternehmen verliert seine Unabhängigkeit. Quelle: dpa
Osram-Werk in Berlin

Das Traditionsunternehmen verliert seine Unabhängigkeit.

(Foto: dpa)

München Der Abgang von Osram-Chef Olaf Berlien und Chefkontrolleur Peter Bauer symbolisiert das Ende der Unabhängigkeit des Traditionskonzerns. Der österreichische Sensorikspezialist AMS hat die vollständige Kontrolle übernommen. Osram wird zur Leuchtenabteilung der Österreicher degradiert.

Es bleibt beeindruckend, mit welcher Konsequenz AMS den Vier-Milliarden-Euro-Deal durchgezogen hat. Trotz Corona und Krise in der Automobilindustrie, die der wichtigste Abnehmer von Osram-Produkten ist, schluckte der kleinere Konzern den größeren. Dies war auch möglich, weil Osram in der Branchenkonsolidierung der Mut oder der strategische Weitblick fehlte, rechtzeitig selbst aktiv zu werden.

So ist die Osram-Übernahme durch AMS ein Zeugnis für unternehmerischen Wagemut. Ob sich das Vier-Milliarden-Euro-Investment aber auszahlt, wird man erst in einigen Jahren sehen. Denn bei aller industriellen Logik: Die Risiken des Deals sind groß.

Die guten Geschäfte mit Apple führten bei AMS zu hohen Wachstumsraten – und somit einer hohen Bewertung. Damit nutzten die Österreicher aber eine Stärke, um eine Schwäche zu eliminieren: eben die hohe Abhängigkeit vom Großkunden Apple.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Intel hat das gerade zu spüren bekommen, als sich Apple entschied, Chips für die Mac-Computer künftig selbst zu bauen, statt sich weiter beim Weltmarktführer Intel zu bedienen. AMS und Osram sind eine breiter aufgestellte Kombination, die funktionieren kann.

    Ein wenig Wehmut sei erlaubt, wenn ein Konzern wie Osram seine Unabhängigkeit verliert. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass der Lichtspezialist in seiner mehr als 110-jährigen Geschichte nur selten unabhängig war. Dennoch wird der Spielraum im AMS-Verbund deutlich kleiner sein als zu Siemens-Zeiten. So wird zum Beispiel AMS-Finanzvorstand Ingo Bank, immerhin zuvor einige Jahre bei Osram, das Lichtunternehmen künftig in einer Doppelfunktion führen.

    Fehler darf sich AMS nicht erlauben, es gibt viele Risiken. Der neue Konzern startet mit einer hohen Verschuldung, die sich in Krisenzeiten rächen kann.

    Nach der Übernahme wird der Vorstandsvorsitzende der Ex-Siemens-Tochter das Unternehmen verlassen.
    Osram-CEO Olaf Berlien

    Nach der Übernahme wird der Vorstandsvorsitzende der Ex-Siemens-Tochter das Unternehmen verlassen.

    Vor allem verändert sich der Charakter des AMS-Konzerns – das ist ja auch gewollt. Die Wachstumsraten werden niedriger werden, Osram wird die Margen verwässern. Zudem stehen schwierige Portfolioentscheidungen an.

    AMS muss beweisen, dass es den Kulturwandel auch in den eigenen Reihen bewältigen kann. Die Österreicher, die vergleichsweise wenig kommunizieren, sind vielen Osramiten, wie sich die stolzen Mitarbeiter selbst nennen, noch immer suspekt. Der Zusammenschluss wird aber nur gelingen, wenn die neuen Herrscher in München akzeptiert werden – und alle an einem Strang ziehen.

    Mehr: Osram-Chef Berlien bedauert, dass er AMS nicht selbst übernommen hat

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - AMS beweist mit der Osram-Übernahme unternehmerischen Wagemut
    0 Kommentare zu "Kommentar: AMS beweist mit der Osram-Übernahme unternehmerischen Wagemut"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%