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Kommentar Ankündigungen reichen nicht: Die Deutsche Bank muss jetzt dringend handeln

Auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank deutet Vorstandschef Christian Sewing einen radikalen Umbau der Investmentbank an. Jetzt muss er dringend liefern.
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Achleitner: „Der Deutschen Bank geht es ähnlich wie Eintracht Frankfurt“

Christian Sewing hat verstanden. Das ist die Botschaft des Vorstandschefs auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank. Nach einem Jahr im Amt, in dem der Aktienkurs auf ein Rekordtief gefallen ist und die Großaktionäre den zu zaghaften Umbau des Geldhauses kritisiert haben, sendet er ein klares Signal an die leidgeprüften Anleger: „Wir sind zu harten Einschnitten bereit.“

Es war höchste Zeit dafür. Mit den eher zögerlichen Schritten, mit denen Sewing ebenso wie seine Vorgänger in den vergangenen Jahren der Deutschen Bank neues Leben einhauchen wollten, ist das Institut längst nicht mehr zu retten. Die Lage ist dramatisch, die Zeit zu handeln knapp: Das Misstrauen der Aktionäre ist derart groß, dass sie die Vermögenswerte mit lediglich einem Fünftel des Wertes einstufen, der in der Bilanz steht.

Ein Vertrauensverlust, der sich auch in den hohen Refinanzierungskosten der Bank spiegelt. Und ein großes Problem für die defizitäre Investmentbank, die dadurch beständig an Wettbewerbsfähigkeit verliert und dabei immer noch viel zu hohe Kosten produziert.

Kein Wunder, dass die meisten Großaktionäre auf eine radikale Reform der dauerkränkelnden Handelssparte drängen. Sewing hat diese Botschaft verstanden: Auf dem Aktionärstreffen deutet er einen drastischen Umbau der schon lange überdimensionierten Kapitalmarktsparte an.

Rund 15 Prozent des gesamten Geschäfts der Bank will er „noch einmal genauer ansehen und entsprechend handeln“, kündigt er an. Die einzelnen Segmente der Investmentbank hätten nur noch dann eine Berechtigung, wenn sie den anderen Geschäftsbereichen dienen oder sie an sich profitabel sind.

Andeutungen, denen sehr rasch Taten folgen müssen. Nicht durch weitere kleine Babyschritte, sondern durch einen Big Bang. Die Deutsche Bank braucht einen radikalen Befreiungsschlag und der kann nur heißen: Raus aus den vielen unprofitablen Bereichen der Investmentbank wie dem Aktienhandel sowie vielen Teilen des aufgeblähten Anleihe- und Derivatehandels.

Ein radikaler Umbau wird viel Geld kosten

Und auf der anderen Seite eine Konzentration auf die Bereiche des Kapitalmarktgeschäfts, die das Geldhaus benötigt, um sich als Unternehmerbank wieder auf ihre Wurzeln auszurichten: Dazu gehören vor allem die Transaktionsbank, die Beratungssparte für Übernahmen und Unternehmensfinanzierung und der sehr erfolgreiche Devisenhandel. Eine Rückbesinnung auf die Wurzeln der vor fast 150 Jahren gegründeten Bank – nicht aus Nostalgie, sondern aus purer betriebswirtschaftlicher Notwendigkeit und aus schierem Überlebenswillen.

Ein solch radikaler Umbau wird viel Geld kosten. Doch wenn Sewing – und danach sieht es aus – einen überzeugenden und realistischen Plan vorlegen wird, dann dürfte er dafür sicherlich auch neue Großinvestoren gewinnen. Schließlich hat die Bank durchaus das Potenzial, nach einem weiteren Großumbau endlich wieder ein solides Geschäftsmodell und eine dominante Stellung in Europa vorzuweisen: mit einem stabilen und nicht spektakulär, aber ausreichend profitablen Privatkundengeschäft. Mit einem Vermögensverwaltungsgeschäft, das große Wachstumschancen hat. Und mit einer Kapitalmarktsparte, die sich klar an den Bedürfnissen der Großunternehmen und des Mittelstands ausrichtet. 

Es ist sowohl für Sewing, als auch für die Deutsche Bank selbst die wohl einzige und letzte Chance. Sewing muss sie nutzen, und zwar sehr schnell.

Mehr zum Thema: Baustelle Deutsche Bank – Warum der Frust der Aktionäre so tief sitzt. Die Zahlen des Geldhauses im Bilanzcheck.

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