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Kommentar Anleger investieren lieber in langweilige Unternehmen mit überzeugenden Geschäftsmodellen

Der tiefe Fall des Bürovermieters WeWork hält eine Lektion für Investoren bereit: Hippe, weltbekannte Marken überstrahlen nicht länger deren Verluste.
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Der Bürovermieter schreibt rote Zahlen und und hat erst kürzlich seinen Börsengang verschoben. Quelle: AFP
Co-Working-Space von WeWork

Der Bürovermieter schreibt rote Zahlen und und hat erst kürzlich seinen Börsengang verschoben.

(Foto: AFP)

Zumindest Hollywood dürfte von dem beispiellosen Absturz von WeWork und seinem Chef Adam Neumann profitieren: Die Geschichte des wahnwitzigen, dem Marihuana und Tequila zuneigenden Gründers, der wahlweise der erste Präsident der Welt oder ihr erster Billionär werden wollte, schreit danach, von Martin Scorsese als Wirtschaftsgroteske verfilmt zu werden. Arbeitstitel: The Wolf of WeWork.

Die Filmrechte an der WeWork-Story werden vermutlich sehr viel schneller verkauft, als WeWorks Investoren ihre Anteile zu Geld machen können. Der Börsengang ist verschoben und Neumann vom Großinvestor Softbank in eine machtlose „Chairman“-Rolle gedrängt. Der Finanzchef und ein Vizepräsident dürfen bei dem hochdefizitären, bislang voll auf Expansion getrimmten Unternehmen nun retten, was zu retten ist.

Doch nicht nur Neumanns Hybris führte zu WeWorks Desaster. Es war Softbank-Gründer Masayoshi Son, der dem New Yorker die Milliarden aus seinem Vision Fund geradezu aufdrängte. Son überzeugte ihn, sein einigermaßen gewöhnliches Immobilienunternehmen als neues Facebook zu denken, das rasant global expandieren müsse, um dann dank Netzwerkeffekten den Markt dominieren zu können.

Dass sich WeWork dafür nicht eignet, ist seit Langem klar: Die Idee, schick renovierte Büros zu vermieten, wird bereits massenhaft kopiert. Und die kurzfristig kündbaren Mietverträge vieler Mieter können in einem globalen Abschwung zu einem zusätzlichen Problem für WeWork werden, die dann auf leeren Immobilien sitzen.

Sons Strategie, mit seinen Investments globale Märkte in gewaltigen Kapitalschlachten zu erobern, geht fast nirgendwo auf: Der Fahrdienstvermittler Uber und die Büro-Messaging-App Slack schafften es zwar an die Börse, seitdem aber bröckelt die Bewertung. Die Zeit, in der ein Unternehmen mit einer hippen weltbekannten Marke tiefrote Zahlen überstrahlen konnte, ist offenbar abgelaufen.

Bedeutet das eine Krise für Tech-Aktien im Allgemeinen? Überhaupt nicht. Nur sind es aktuell eben die langweiligen Unternehmen mit komplexen, aber deshalb schwerer kopierbaren Geschäftsmodellen, in die Anleger ihr Geld investieren wollen. Am Dienstag hat das schwäbische Unternehmen Teamviewer, ein Entwickler von Unternehmenssoftware, den größten europäischen Börsengang des Jahres hingelegt.

Teamviewer wächst schnell, ist dabei aber längst profitabel. Auch die Aktien von Datadog, ein Überwachungsdienst für Cloud-Anwendungen, hat bei der Erstemission vor wenigen Tagen einen großen Sprung nach oben gemacht. Das sind die Storys, die zurzeit Erfolg versprechen. Vielleicht nicht in Hollywood. Aber an der Börse.

Mehr: Der verpatzte Börsenstart des milliardenschweren Start-ups WeWork bringt auch Investmentbanken in die Kritik. Schließlich haben sie dem Unternehmen und dessen Gründer großzügig Kredite gewährt.

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