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Kommentar Anleger müssen bescheidener werden

Mit Aktien und auch mit Anleihen haben Anleger in diesem Jahr zweistellige Renditen eingefahren. Doch diese Zeiten sind vorbei – und zwar für längere Zeit.
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Die Aktien- und Anleihekurse sind zuletzt weltweit deutlich gestiegen. Doch so wird es nicht weitergehen. Quelle: imago/Ikon Images
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Die Aktien- und Anleihekurse sind zuletzt weltweit deutlich gestiegen. Doch so wird es nicht weitergehen.

(Foto: imago/Ikon Images)

Geht doch. Die Wirtschaft wächst zwar weltweit jährlich nur um drei Prozent – so wenig wie seit zehn Jahren nicht. Gleichzeitig schrumpfen die Gewinne der Unternehmen. Und trotzdem haben Investoren mit Aktien in diesem Jahr hohe Gewinne eingefahren: Der weltweite Aktienindex MSCI hat seit Januar inklusive Dividendenausschüttungen ein Viertel zugelegt, ebenso der Dax.

Noch besser: Auch Anleiheanleger können sich freuen. Allein Staatsbonds aus dem Euro-Raum brachten es auf Erträge von fast neun Prozent, italienische Staatspapiere sogar auf elf Prozent. Mit der Geldanlage konnte man so im zu Ende gehenden Jahr wenig falsch machen.

Doch so wird es nicht weitergehen. Anleger müssen sich wohl nicht nur 2020, sondern auch in den folgenden Jahren mit niedrigeren Gewinnen zufriedengeben. Das gilt vor allem für Anleihen, aber auch für Aktien.

Bei Anleihen erschließt sich das auf den ersten Blick. Der durchschnittliche Zinskupon der zum großen Teil noch aus besseren Zeiten stammenden Euro-Staatsanleihen ist auf 2,5 Prozent gesunken. Und die Zinsausschüttungen werden künftig noch sparsamer ausfallen.

Italien zum Beispiel hat gerade eine neue zehnjährige Anleihe begeben, die pro Jahr nur noch 1,35 Prozent Zinsen abwirft. Neue deutsche Bundesanleihen haben Zinsscheine von null Prozent– selbst bei einer langen Laufzeit von 30 Jahren.

Die hohen Erträge haben Anleiheinvestoren deshalb nicht über die Zinseinnahmen, sondern über die Kursgewinne eingefahren. Doch inzwischen sind die Kurse so hoch, dass die Fantasie für weitere deutliche Kurssteigerungen fehlt.

Die Kurse vieler Anleihen kletterten zuletzt so deutlich über den Rückzahlungswert von 100 Prozent, dass 60 Prozent aller ausstehenden Euro-Staatsanleihen im Minus rentieren. Das bedeutet: Anleger, die die Papiere jetzt kaufen und bis zur Fälligkeit halten, bekommen weniger Geld zurück, als sie angelegt haben.

Dass die Anleihekurse so deutlich gestiegen sind, liegt vor allem an den Notenbanken. Sie haben die Zinsen weiter gesenkt und ihre Anleihekaufprogramme in der ein oder anderen Form wieder aufgenommen. Doch das Instrumentarium der Notenbanken ist nach zehn Jahren mehr oder weniger ununterbrochener Lockerung weitgehend erschöpft. Mit neuen Paketen könnten die Zentralbanker die Märkte nicht mehr überraschen.

Notenbanker fallen als Treiber aus

Die Notenbanken waren aber nicht nur an den Anleihe-, sondern auch an den Aktienmärkten der entscheidende Faktor. Die immer niedrigeren Zinsen treiben Investoren zunehmend in Aktien, deren Kurspotenzial – anders als bei Anleihen – zumindest theoretisch unbegrenzt ist. Noch dazu machen Dividendenrenditen, die deutlich über den Minizinsen liegen, Aktien zum Hingucker.

Allerdings werden die Notenbanken mit ihrer lockeren Geldpolitik die Märkte zwar stützen, aber nicht mehr zusätzlich befeuern. Investoren an den Aktienmärkten werden sich deshalb wieder auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Das heißt: Die Aktienmärkte werden ohne die Impulse der Notenbanken nur im Rahmen der Unternehmensgewinne steigen.

Doch das Potenzial für deutlich steigende Gewinne der Unternehmen und damit der Aktien ist begrenzt. Ein Grund dafür ist, dass der Höhepunkt der Globalisierung überschritten ist. Das liegt zum einen am von US-Präsident Donald Trump angezettelten Handelsstreit. Und der wird noch lange andauern, selbst wenn die USA und China sich im nächsten Monat auf ein erstes Abkommen einigen und die gegenseitigen Strafzölle nicht weiter erhöhen.

Allerdings geht es längst nicht mehr um Zölle, sondern um die technologische Vorherrschaft. Hinzu kommt, dass in Sachen Globalisierung schlicht schon viel passiert ist: Die weltweiten Produktionsketten sind aufgebaut. Die großen Globalisierungsgewinne können die Unternehmen damit nicht mehr einfahren.

Außerdem wird der Wandel hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft die Unternehmen viel Geld kosten und von daher zumindest in den nächsten Jahren an ihren Margen zehren. Auch der demografische Wandel hin zu einer älteren Bevölkerung bremst die Wirtschaft – und damit die Gewinne vieler Unternehmen.

Daraus folgt: Ein neuer wirtschaftlicher Höhenflug wird noch lange auf sich warten lassen, auch wenn die zwischenzeitliche Talsohle der Konjunktur voraussichtlich bald überwunden ist. Von daher rechnen Strategen für 2020 und auch für die nächsten Jahre an den Aktienmärkten im Schnitt nur mit jährlichen Gewinnen im mittleren einstelligen Bereich. Die durchschnittlichen Erträge von zwölf Prozent, die sich seit 2009 an den weltweiten Aktienmärkten im Schnitt pro Jahr erzielen ließen, sind wohl vorbei.

Das klingt nicht verlockend für Privatanleger, die sich gerade in Deutschland vor der Aktienanlage scheuen. Doch wer im Niedrigzinsumfeld überhaupt noch langfristig Erträge erzielen will, kommt um Aktien nicht herum.

Mehr: Langfrist-Ausblick von US-Vermögensverwalter: Anleihen haben ausgedient.

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1 Kommentar zu "Kommentar : Anleger müssen bescheidener werden"

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  • Hier liegt offensichtlich eine (gewollte ?) Verwechslung vor.

    Nicht die ANLEGER müssen bescheidener werden, sondern die BANKEN und KREDITINSTITUTE.

    Lassen wir doch mal ein Kreditinstitut in die Pleite gehen; und was dann?