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Kommentar Anleger sollten mit dem Aktienkauf noch warten

Konzerne überraschen ihre Aktionäre mit Hiobsbotschaften, und Konjunktur-Indikatoren fallen negativ aus. Daher ist es für einen Einstieg an der Börse noch zu früh.
1 Kommentar
Aktienkurse beginnen immer dann zu steigen, wenn die Konjunktur ihren Tiefpunkt erreicht – so geschehen im Frühjahr 2003 und dann noch einmal im Frühjahr 2009. Quelle: picture alliance / Monkey Busine
Bulle und Bär als Symbol für steigende und fallende Börsen

Aktienkurse beginnen immer dann zu steigen, wenn die Konjunktur ihren Tiefpunkt erreicht – so geschehen im Frühjahr 2003 und dann noch einmal im Frühjahr 2009.

(Foto: picture alliance / Monkey Busine)

Binnen eines Jahres hat der Dax 18 Prozent verloren, seit seinem Hoch im Januar 2018 20 Prozent. Einzelwerte wie Covestro, Continental und Heidelberg Cement, also außerordentlich exportstarke Industriewerte, traf es um mehr als 40 Prozent. Ganz zu schweigen von der Deutschen Bank, die mehr als die Hälfte an Wert verloren hat.

Anfangs mutete dies nur als Korrektur an, weil die neue Abgasprüftechnik die Neuzulassungen bei Pkws verzögerte und das vergangene lange kalte Frühjahr mit vielen Grippekranken für schlechte Tage in der Wirtschaft sorgte. Nun aber erleben wir eine Talfahrt, die sich immer rasanter fortsetzt.

Wer hätte gedacht, dass Deutschland womöglich schon 2018 in die Rezession gerutscht ist oder zumindest nahe dran war? Das signalisieren zumindest das im dritten Quartal um 0,2 Prozent gesunkene Bruttoinlandsprodukt und die schwache Industrieproduktion samt Neuaufträgen in den Jahresschlussmonaten.

Daran gemessen erscheint der 20-prozentige Börsenrutsch sogar noch moderat. In früheren Rezessionen ging es auch schon mal um 40 und mehr Prozent runter. Da ist also noch viel Luft nach unten, zumal sich der Dax zwischen 2009 und 2018 fast vervierfacht hatte.

Andererseits: Aktienkurse beginnen immer dann zu steigen, wenn die Konjunktur ihren Tiefpunkt erreicht – so geschehen im Frühjahr 2003 unmittelbar vor Ausbruch des Golfkriegs und dann noch einmal im Frühjahr 2009, als Deutschland in seine schwerste Rezession der Nachkriegsgeschichte rutschte.

Es stellt sich die Frage, wann dieser Punkt in der aktuellen Phase erreicht ist. Die Jahresanfangsrally mit einem um drei Prozent gestiegenen Dax schürte Hoffnungen, dass der milde und im Binnenmarkt gar nicht spürbare Abschwung der Realwirtschaft schon im ersten Halbjahr 2019 wieder Geschichte sein würde. Anleger hatten vorübergehend Mut gefasst. Doch der verlässt sie seit einigen Tagen wieder – und das aus gutem Grund.

Denn in jeder Baisse sind Zwischenerholungen wie die in den ersten Januartagen nicht nur möglich, sondern sogar die Regel. Das macht ausgedehnte Börsenabschwünge im Gegensatz zu kurzzeitigen heftigen Korrekturen, in denen die Kurse ohne Unterlass fallen und anschließend ebenso schnell wieder steigen, so tückisch. In der dreijährigen Baisse bis 2003 gab es Phasen von bis zu sechs Monaten, in denen die Kurse um 30 und mehr Prozent stiegen, ehe es erneut und noch kräftiger und tiefer bergab ging.

Aktuell erscheinen die Risiken immer noch größer als die Chancen. Aus drei Gründen:

  1. In China schwächelt die Konjunktur stärker und nachhaltiger als in früheren Dellephasen. Apple, Samsung und vor allem die großen Autobauer wie VW sprechen längst von einem Abschwung in China. Niemand glaubt mehr den offiziellen, von der kommunistischen Einheitspartei herausgegebenen Wachstumsraten von fünf und mehr Prozent.

    Die Geldmenge wächst derzeit in China nur noch mit einer Rate von 1,5 Prozent – so wenig wie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht. Konsumenten haben nicht mehr genügend zusätzliches, täglich verfügbares Geld, um Autos oder iPhones zu kaufen. Deshalb warnte Apple folgerichtig vor sinkenden Umsätzen, ganz besonders in dem asiatischen Boomland.

  2. Zeitgleich endet in den USA die von Präsident Donald Trump angefachte Sonderkonjunktur; massive Steuereinsparungen ließen bei den Unternehmen vier Quartale lang die Gewinne kräftig steigen, weil sich die Konzerne mit dem Vorjahr, als sie noch mehr Steuern zahlen mussten, verglichen haben. Dieser Effekt läuft nun aus. Das drückt die Kurse.

  3. Dazu noch ist der Konjunkturboom vorbei. Erst stießen die Unternehmen an Produktionsgrenzen und fanden im Zuge der Vollbeschäftigung in der größten Volkswirtschaft kaum noch geeignete Fachkräfte. Jetzt sinken die Aufträge angesichts weltweit schwächerer Nachfrage – mit ausgelöst durch den von Trump entfachten Handelskonflikt. Viele erfolgsverwöhnte Hightech-Konzerne werden in den kommenden Wochen über empfindliche, zweistellige Gewinneinbußen berichten. Das dürfte die Stimmung weiter drücken.

Schließlich belastet neben dem Zollstreit, der vor allem die Erträge der Autobauer drückt, der schwache Welthandel mit rasant fallenden Weltmarktpreisen die Unternehmen, so, wie es Infineon angesichts der geringeren Nachfrage nach Halbleitern oder BASF und Covestro in der Chemie ihren Aktionären in Ertragswarnungen bereits mitgeteilt haben.

Solange beinahe täglich neue Unternehmen Hiobsbotschaften zu verkünden haben und gleichzeitig die Firmen ihre Erwartungen Monat für Monat als schlechter einschätzen, wie es der rasant fallende Ifo-Index signalisiert, erscheint ein Einstieg an den Börsen noch zu früh. Tröstlich bleibt, dass die Preise für Aktien immer weiter fallen. Günstig sind sie dann, wenn die Gewinnaussichten sich nicht weiter verschlechtern, sondern wieder nach oben drehen.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Anleger sollten mit dem Aktienkauf noch warten"

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  • Nun ja. Heißt es nicht 'Kaufen, wenn die Kanonen donnern?' und das bezieht sich ja wohl auch auf Handelskriege. Inwiefern es sich bei dem vermeintlichen Abschwung um eine 'politische Börse' handelt mag ich nicht abschließend beurteilen, aber spätestens bei 'Waffenstillstand' werden die Kurse wieder anziehen. Das sich anschließende 'Politische Börsenwetter' wird dem ein oder anderen dann auch eine hübschere Prognose entlocken. Bei Unterzeichnung des Friedensvertrags ziehen die Gewinne auch wieder an. Wenn dann der Kurs nur noch nicht zu nah an der Sonne wäre, dache sich Ikarus.

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