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Kommentar Apple, Google und Uber leisten sich teure Träumereien

Auf der Suche nach bahnbrechenden Innovationen gibt es keine Erfolgsgarantien. Das müssen nun auch die amerikanischen Tech-Riesen schmerzhaft lernen.
03.11.2019 - 15:16 Uhr Kommentieren
Selbstfahrende Autos sind für Google bislang ein Verlustgeschäft. Quelle: AP
Alphabet-Tochter Waymo

Selbstfahrende Autos sind für Google bislang ein Verlustgeschäft.

(Foto: AP)

Als der Techkonzern Alphabet vor wenigen Tagen seine Quartalszahlen vorlegte, war die Aufregung wieder einmal groß. Es ging um die so genannten Moonshots, also die technologischen Träumereien der Google-Mutterabseits des Kerngeschäfts. In Projekte wie das selbstfahrende Auto, das Besiegen von Krankheiten und die Suche nach der ewigen Jugend steckt das Unternehmen jede Menge Geld, ohne dass es sich bisher bezahlt macht.

In Zahlen ausgedrückt: 155 Millionen Dollar Umsatz brachten die Nebengeschäfte, zugleich fuhren sie aber operative Verluste von annähernd einer Milliarde Dollar ein. Nur weil Alphabet im Kerngeschäft mit der Suchmaschine Google ungebrochen hohe Milliardengewinne einfährt, wurde der Konzern an der Börse letztlich nicht mit einem Absturz, sondern nur mit einer Kursdelle bestraft.

Nicht nur bei Google stellt sich die Frage, ob die Investments in neue Geschäfte wirklich zum Erfolg zu bringen sind oder ob es einfach nur teure Tech-Träumereien bleiben. Alle großen Konzerne im Silicon Valley investieren Milliardenbeträge in ihre Weiterentwicklung. Klar ist: Sie sind auf Innovationen angewiesen, auf den nächsten großen technologischen Sprung. Keiner von ihnen verfügt dabei aber über ein belastbares Erfolgsrezept. So banal es klingt: Anleger bleibt in dieser Phase nur die Frage, ob sie dem Management zutrauen, die große Träume auch Realität werden zu lassen.

Die Investoren von Uber haben dazu am Montagabend wieder Gelegenheit, wenn die Fahrdienst-Plattform aus dem Silicon Valley Zahlen für das dritte Quartal vorlegt. Der Taxischreck gibt weiter fleißig Geld für utopische Abenteuer aus. 2018 flossen sagenhafte 1,5 Milliarden Dollar insgesamt in Forschung und Entwicklung, rund 500 Millionen Dollar ging in Technologien für fliegende Autos und komplett selbstfahrende Taxis.

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    Die Frage ist vollkommen offen, ob dies wirklich jemals umzusetzen ist oder ob die Investitionen sich als eine riesige Luftbuchung herausstellen. Uber schreibt nicht zuletzt wegen solcher Forschungsausgaben jedes Jahr tiefrote Zahlen, im zweiten Quartal 2019 waren es 5,1 Milliarden Dollar Verlust. Für den Mobilitätsdienst sind die Investments in selbstfahrende Autos allerdings fast überlebensnotwendig: Denn gelingt einem Konkurrenten ein Durchbruch, wäre das Uber-Geschäftsmodell obsolet.

    Der Mobilitätsanbieter wird seine großen Investments allerdings nicht ewig so weitertreiben können: Es ist absehbar, dass er unter dem Druck der Börse seine Investments in Innovation fokussieren muss.

    Google ist in einer grundsätzlich vergleichbaren Situation. Allerdings ist die Alphabet-Holding eines der transparentesten Unternehmen im Silicon Valley, was die Investitionen in die Zukunft angeht. Dazu wurde Alphabet gezwungen, weil eines Tages so viel Geld in schwarze Löcher der Nebengeschäfte weggesogen wurde, dass das Management reagieren musste. Analysten und Anleger waren nicht mehr bereit, sich damit zufriedenzugeben, dass das Geld eben weg sei.

    Amazon bleibt konsequent beim Kerngeschäft

    Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page errichteten eine Holding rund um ihre Cash Cow Google. Produktbezogene Entwicklungen wie Cloud-Computing, Quantencomputer oder Künstliche Intelligenz blieben bei Google, weil sie die Zukunft der Such- und Medienmaschine mitentscheiden werden. Alles andere wurde ausgegliedert.

    Der entscheidende Unterschied zu Uber ist: Alphabet kann sich die Träumereien leisten, denn unterm Strich bleibt dank Google noch ein Nettogewinn von über sieben Milliarden Dollar im dritten Quartal übrig. Solange Investoren erkennen, dass das eigentliche Geschäft kerngesund ist, werden sie die teuren Tech-Träumereien nicht über Gebühr kritisieren.

    Die Mutter aller Verschwiegenheit ist dagegen Apple. Das Unternehmen liefert ein Paradebeispiel dafür ab, dass man auf der Suche nach dem nächsten Kick alles für sich behalten und trotzdem gigantischen Erfolg haben kann. Transparenz gibt es hier nur bei den Fensterscheiben, ansonsten bleiben Zukunftsprojekte Geheimsache, bis sie offiziell als fertig angekündigt oder eingestampft werden.

    Amazon wiederum geht eigene Wege. Statt in Moonshots fließt bei dem Online-Händler das Geld ganz überwiegend ins Kerngeschäft, sei es der Kauf der Lebensmittelkette Whole Foods oder der Aufbau eines Versanddienstes für Arzneimittel. All dies ist für Amazon schon teuer genug. Doch hat Amazon zugleich beweisen, dass aus Ideen außerhalb des Kerns erfolgreiche Geschäfte entstehen können.

    So macht der Konzern heute milliardenhohe Umsätze mit Cloud-Computing – entstanden ist dieses wachstumsstarke Segment aus der Idee eine Ingenieurs, ungenutzte Kapazitäten in den gigantischen Rechenzentren anderen zur Verfügung zu stellen.

    Klar ist: Es gibt kein Geheimrezept für den richtigen Umgang mit Innovationen. Der Vergleich der großen amerikanischen Technologieunternehmen zeigt aber, was die Firmen leisten müssen: Sie müssen ausreichend Geld in ein funktionierendes Kerngeschäft stecken, damit das jeweilige Erfolgsmodell - sei es die Suchmaschine oder die iPhone-Welt - bestehen bleibt. Gelingt dies, können und dürfen sie die Träume von der nächsten großen Technologieführerschaft vorantreiben.

    Mehr: Alphabet profitiert von Googles wachsendem Werbegeschäft. Eine Schwäche beim Gewinn sorgt jedoch für Verunsicherung – und für Kursverluste.

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