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Kommentar Apples Probleme sind düstere Vorboten für die deutschen Autobauer

Nach Apple könnten auch die deutschen Autobauer das schwache Wachstum in China zu spüren bekommen. Besonders für VW ist die Entwicklung ein Warnsignal.
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Die Zeiten des Turbowachstums in China sind vorbei. Quelle: dpa
Apple-Logo in einem Seitenspiegel

Die Zeiten des Turbowachstums in China sind vorbei.

(Foto: dpa)

China war über viele Jahre der Treiber der Weltwirtschaft. Kein Land der Erde steuerte so viel zum globalen Wachstum bei wie die Volksrepublik. Unternehmen aus den USA, Deutschland und vielen anderen Staaten hofften blind auf einen endlosen wirtschaftlichen Aufstieg Chinas. Doch die Zeiten des Turbowachstums sind vorbei. Das werden viele Firmen bald schmerzhaft lernen müssen.

Den Anfang macht Apple. Der US-Konzern wird sein Umsatzziel verfehlen. Als wichtigsten Grund dafür nannte CEO Tim Cook die Entwicklungen in China. Zwar sind und bleiben die Geräte von Apple beliebt bei vielen Chinesen.

Doch viele von ihnen können oder wollen sich die teuren Geräte einfach nicht mehr leisten. Das Spitzenmodell aus dem iPhone-Sortiment kostet in der Volksrepublik umgerechnet rund 1.635 Euro. Das ist das 1,5-Fache des monatlichen Durchschnittseinkommens in Peking.

Aber vor allem wirkt sich die Stimmung auf das Kaufverhalten vieler Chinesen aus. Aus Südchina kursieren seit Monaten Bilder von jungen Männern, die auf den Straßen auf Gelegenheitsjobs warten. Die Zukunft ist ungewiss. Der Handelskonflikt mit den USA schlägt auf die Exportwirtschaft durch.

Wichtige Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex für das produzierende Gewerbe, die Profite der Industrieunternehmen oder auch die Verkaufszahlen auf dem Immobilienmarkt deuten alle auf eine Abkühlung der Konjunktur in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt hin.

Dabei zeichnet sich bereits ab, welche Branche es als Nächstes treffen könnte: die Autobauer. Zum ersten Mal in mehr als zwei Jahrzehnten dürfte der Absatz auf dem weltgrößten Automarkt zurückgegangen sein.

Die deutsche Wirtschaft ist auf Chinadroge. Über Jahre hat sie die Dosis gesteigert. Jetzt kommt sie nicht mehr davon los.

Allein für den November lag das Minus im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bei fast 14 Prozent. Für den Dezember liegen noch keine Zahlen vor. Doch eigentlich scheint klar, dass der Verkauf von Autos in China im Jahr 2018 geschrumpft sein dürfte.

Das läutet eine Zeitenwende ein. Und es ist ein Warnsignal an die deutschen Autobauer. Was Apple mit seinen schleppenden Absatzzahlen in China passiert ist, könnte auch Volkswagen, Daimler und BMW bevorstehen.

Besonders VW würde den Wandel bald zu spüren bekommen. Die Wolfsburger haben ihre wirtschaftliche Zukunft an China gekettet. Fast jedes zweite Auto verkauft der Hersteller in der Volksrepublik. Damit ist der Autobau zwar Marktführer. Er dürfte das schwieriger werdende Geschäft aber besonders deutlich erleben.

In Wolfsburg versucht die Konzernführung bereits gegenzusteuern. Vorstandschef Herbert Diess übernimmt selbst die Führung über den wichtigsten Markt. Der bisherige Chinavorstand Jochem Heizmann geht im Januar mit 67 Jahren in Rente.

Am Montag reist Diess bereits zur Stabübergabe nach China. Das Geschäft in Fernost wird damit zur absoluten Chefsache.

Das ist auch nötig. Denn das Geschäft in China droht vom Gewinnbringer zum Klumpenrisiko zu werden. Mehr als 40 Prozent ihrer Pkws verkaufen die Wolfsburger bereits an Kunden in der Volksrepublik.

2019 wird das Jahr der Entscheidung für die deutschen Autobauer in China. Denn gleich zwei Bewährungsproben stehen an. Zum einen müssen sie sich gegen den Abwärtstrend behaupten. Zum anderen hat die chinesische Regierung zum Jahreswechsel eine verpflichtende Quote für den Absatz von Elektroautos eingeführt. Verkauft ein Autobauer zu wenig E-Autos oder Hybride, dann drohen Strafen.

Das ist ein gewaltiges Risiko. Denn bislang sind die deutschen Hersteller nicht gut aufgestellt, wenn es um ein attraktives Angebot an guten E-Autos geht.

Ohne China geht es nicht. Das gilt nicht nur für die deutschen Autobauer, sondern fast für die gesamte deutsche Industrie. Neben VW, Daimler und BMW ist China auch etwa für den Spezialchemiekonzern Covestro der größte Absatzmarkt.

Aber auch Dax-Konzerne wie Infineon, Continental oder BASF sind erheblich vom Geschäft in China abhängig. Kaum einer der Großkonzerne ist heute nicht in bedeutendem Maße von China abhängig. Auch der Sportartikelhersteller Adidas richtet sein Geschäft auf China aus. Denn dort erwirtschaftet das Unternehmen einen Großteil seiner Gewinne.

Die deutsche Wirtschaft ist auf Chinadroge. Über Jahre hat sie die Dosis gesteigert. Jetzt kommt sie nicht mehr davon los.

Das rächt sich nun. Die Autobauer dürften die Nächsten sein, die das schwächere Wachstum in China meistern müssen. Die Volksrepublik steht zwar nicht vor einer Krise. Aber schon eine Schwächephase kann ausreichen, um deutsche Firmen mächtig unter Druck zu setzen. Sie haben sich einfach zu abhängig von China gemacht. Das war ein Fehler. Den sollten sie beheben. Weniger China heißt mehr Sicherheit.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Apples Probleme sind düstere Vorboten für die deutschen Autobauer"

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  • Sehe geehrter Herr Scheuer,

    wie war das eigentlich nach der subprime Krise 2008 und der Lehmann-Pleite? Dass die Weltwirtschaft in eine Rezession schlitterte, ist allseits bekannt. Aber verharrte sie dort auch die nächsten 10 Jahre? Oder gab es vielleicht stattdessen einen steilen Wiederanstieg der Konjunktur?

    Ich habe die Historie so in Erinnerung, dass fast alle Regierungen dieser Welt mittels deficit spending Riesensummen in den Wirtschaftslauf gepumpt haben. Und ich habe die Historie so in Erinnerung, dass fast alle Zentralbanken dieser Welt ihre Leitzinsen auf Null gesenkt und die Wirtschaft ihres Landes durch Anleihenkäufe mit Liquidität geflutet haben.

    Aber dass auch China im Bedarfsfall eine aktive Wirtschaftspolitik betreiben könnte, scheint außerhalb Ihrer Gedankenwelt zu liegen. Und vielleicht denken Sie auch einmal darüber nach, dass man sich beim Aufbau jeglicher Kundenbeziehung von seinen Kunden abhängig macht. Wenn Sie diese Abhängigkeit nicht wollen, dürfen Sie keine Kunden beliefern.

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