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Kommentar Arbeitgeber sind plötzlich auch für den Azubi-Mindestlohn – ein kluger Schachzug

Die Arbeitgeber haben mit dem DGB einen Mindestlohn für Auszubildende vereinbart. Allerdings kommen die Lohnerhöhungen für die Lehrlinge nur langsam.
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Der Mindestlohn für Azubis soll bis 2023 auf 620 Euro ansteigen. Quelle: dpa
Auszubildender

Der Mindestlohn für Azubis soll bis 2023 auf 620 Euro ansteigen.

(Foto: dpa)

BerlinEs klingt sehr überraschend: Arbeitgeber und DGB haben sich auf einen Azubi-Mindestlohn geeinigt. Der soll 2020 im ersten Lehrjahr 515 Euro betragen und dann bis 2023 auf 620 Euro klettern. Hatten die Arbeitgeber nicht vehement gegen den von der GroKo angekündigten Mindestlohn für Lehrlinge gewettert? Dass das den Staat nichts angehe und Betriebe von der Ausbildung abgeschreckt würden?

Ja. Dennoch hat die Wende Sinn. Es galt aus Arbeitgebersicht, ein Gesetz mit allzu großen Zumutungen zu verhindern. Zudem ist nun eine langsame Erhöhung über mehrere Jahre geplant – das erleichtert Unternehmen, die mehr zahlen müssen, die Gewöhnung.

Zudem haben BDA und DGB erreicht – vorausgesetzt, die Ministerin folgt ihnen –, dass der Azubi-Mindestlohn nicht an die politisch gesteuerte, erratische Bafög-Entwicklung gekoppelt wird, sondern an die Tarifentwicklung. Die Einigung sieht außerdem einen Vorrang für Tarifvereinbarungen vor – in Krisenbranchen wäre also auch eine Unterschreitung des Azubi-Mindestlohns legal.

All das macht es trotz ordnungspolitischer Bedenken zu einem erträglichen Paket. Die Einsicht, dass mehr Geld für Lehrlinge angesichts sinkender Attraktivität der dualen Ausbildung, Zehntausender unbesetzter Lehrstellen und des Fachkräftemangels vielleicht sogar segensreich wirkt, war ohnehin schon deutlich gewachsen. Wer genug Nachwuchs will, der bei Bedarf auch fern der Heimat in die Lehre geht, muss auch mit mehr Geld locken.

Nur darauf zu bauen, dass der Staat die Ausbildungsbeihilfe aufstockt, geht nicht. Die große Masse der Arbeitgeber ist ohnehin nicht betroffen, weil sie schon heute mehr zahlt. Treffen wird es einige Zweige des Handwerks. Trösten können sie sich mit der Wettbewerbsneutralität: Wenn alle Gastronomen, Metzger oder Friseure ihren Azubis etwas mehr zahlen müssen, lässt sich das auch eher auf die Preise umlegen.

Die Ministerin ist jedenfalls gut beraten, dem Vorschlag zu folgen.

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