Kommentar Auch Apple wird sich an Kontrollverluste gewöhnen müssen

In der Klageschrift gegen einen Ex-Mitarbeiter hat Apple unfreiwillig Informationen über ein geheimes Projekt preisgegeben. Für den Fortschritt ist das gut.
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Schluss mit der Geheimniskrämerei. Quelle: AP
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Schluss mit der Geheimniskrämerei.

(Foto: AP)

Kaum ein Konzern im Silicon Valley gibt sich so zugeknöpft wie Apple. Über neue Produkte des iPhone-Herstellers soll die Öffentlichkeit erst dann erfahren, wenn sie mit viel Pomp auf der Bühne präsentiert werden.

Doch nun unterlief Xiaolong Zhang, ein ehemaliger Mitarbeiter des geheimen Auto-Teams „Projekt Titan“ von Apple, die Strategie. Er heuerte beim chinesischen Konzern X-Motors an. Apple beschuldigt ihn, dem Konkurrenten Informationen über seine Forschung am selbstfahrenden Auto zugespielt zu haben.

In der Klageschrift gegen Zhang gibt Apple unfreiwillig Informationen über „Titan“ preis: 2700 der insgesamt 135.000 Apple-Mitarbeiter haben Zugang zur Datenbank des Projekts, sind also unmittelbar mit der Entwicklung der selbstfahrenden Autos betraut. „Titan“ fällt damit größer aus als gedacht.

Schnellere Innovationen

Das geheimniskrämerische Apple wird sich an derartige Kontrollverluste allerdings gewöhnen müssen. Der unfreiwillige Informationsaustausch zwischen Konkurrenten ist im Silicon Valley keine Seltenheit – gerade bei so komplexen und mit so viel Ehrgeiz vorangetriebenen Ideen wie dem autonomen Fahren. Er trägt dazu bei, dass an der Westküste Innovationen schneller entstehen, weil Wissen geteilt wird.

Talentierte Angestellte wechseln den Arbeitgeber im Durchschnitt nach zwei bis drei Jahren. Konzerne kaufen mit dem neuen Angestellten den Innovationsvorsprung des Rivalen ein. Gerichtsverfahren führen oft nicht zum Ziel, sondern sorgen eher für schlechte Presse.

Die Alphabet-Tochter Waymo verklagte Uber, nachdem der Ex-Mitarbeiter Anthony Levandowski dorthin gewechselt war. Tesla ging gegen das Start-up Aurora nach dem Abgang von Sterling Anderson vor, der das Programm „Autopilot“ zum autonomen Fahren geleitet hatte.

Urteile ergingen bis jetzt nicht. Wie auch? Die Chefs können von ihren Angestellten schlecht verlangen, beim Arbeitsplatzwechsel alles über das Projekt zu vergessen, an dem sie akribisch gearbeitet hatten. Die Gedanken sind frei.

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