Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Auch geförderte Firmen dürfen ihre eigenen Preise setzen – das nennt sich Marktwirtschaft

Dem deutschen Pharmakonzern Biontech wird im Impfstreit Geldgier vorgeworfen. Rufe nach einer Regulierung werden laut. Doch das wäre ein schlimmes Signal an Start-ups und Erfinder.
19.02.2021 - 15:48 Uhr Kommentieren
Die mRNA-Impfstoffe von Biontech werden nicht nur von Experten als eine bahnbrechende Innovation bewertet. Quelle: Reuters
Biontech-Impfstoff

Die mRNA-Impfstoffe von Biontech werden nicht nur von Experten als eine bahnbrechende Innovation bewertet.

(Foto: Reuters)

Im Impfstreit sind ausgerechnet die Gründer von Biontech in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Der Vorwurf: Sie seien – gemeinsam mit dem großen Partner Pfizer – zu geldgierig gewesen und hätten für ihren Impfstoff viel zu viel Geld von der EU verlangt.

Ein Ärztevertreter brandmarkte die gut 50 Euro, die das Unternehmen anfangs gefordert haben soll, als „unseriös“. Eine Sozialdemokratin ging noch weiter und sprach nicht nur von „Mondpreisen“, sondern forderte auch eine Regulierung der Impfstoffhersteller, wenn diese zuvor mit Steuergeld gefördert wurden. Das ist nicht nur populistischer Unsinn. Solche Positionen sind auch gefährlich.

Die neue mRNA-Technik wird von Experten als eine bahnbrechende Innovation bewertet – womöglich ist sie eine der wichtigsten Erfindungen der vergangenen Jahre.

Und das nicht nur, weil die mRNA-Impfstoffe einen sehr guten Schutz bieten, der den Schutz traditioneller Impfstoffe deutlich übersteigt. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese neuartigen Impfstoffe innerhalb weniger Wochen an mutierte Viren angepasst werden können. Zudem könnte das mRNA-Prinzip revolutionäre Fortschritte auch bei der Bekämpfung vieler anderer Krankheiten, etwa bei Krebs, möglich machen.

Wie gerne wäre Deutschland noch „die Apotheke der Welt“. Wie zähflüssig läuft hier häufig der Transfer aus der Wissenschaft in die Wirtschaft. Dass Biontech ein Gegenbeispiel liefert, ist ein Grund zu jubilieren.

Gefördert wurde Biontech in der Tat schon mit einem zweistelligen Millionenbetrag vom Bund, als sich das Gründerpaar Uğur Şahin und Özlem Türeci noch der Krebsbekämpfung widmete. Als es Anfang 2020 blitzschnell mit der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs auf Basis der gleichen Technik begann, floss ein niedriger dreistelliger Millionen-Betrag.

Förderung von Start-ups ist zentrale Aufgabe der Forschungspolitik

Im internationalen Vergleich sind solche Summen eher niedlich: Alle großen Konkurrenten erhielten für die Corona-Impfstoffentwicklung jeweils ein bis zwei Milliarden Euro von den jeweiligen Staaten.

Aussichtsreiche Start-ups zu fördern ist eine der zentralen Aufgaben der Forschungspolitik. Das wurde in Deutschland lange Zeit vernachlässigt.

Zuletzt hat der Bund hier im Rahmen des Zukunftspakets zwei Milliarden Euro zusätzlich bereitgestellt. Das ist ein Sprung nach vorn, aber noch lange nicht genug. Denn der Mangel an Risikokapital ist gerade in Deutschland ein entscheidender Flaschenhals bei den Innovationen.

Wer nun die wenigen Projekte, die mit staatlicher Förderung einen großen Erfolg gelandet haben, gleich wieder an die Staatsleine legen will, hat das Prinzip nicht verstanden: Förderung von Start-ups soll diesen über die Start-Schwierigkeiten hinweghelfen – bis sie es allein schaffen. Wenn das Unternehmen erfolgreich ist, wird der Staat nicht mehr gebraucht und muss sich zurückziehen.

Wenn Innovatoren einkalkulieren müssten, dass der Staat im Gegenzug zur Starthilfe auf Dauer bei unternehmerischen Entscheidungen reinreden darf, würde das jede Kreativität abwürgen.

Forschungsförderung darf also nicht einhergehen mit Einfluss auf die Unternehmenspolitik – so verlockend das gerade in solchen Krisensituationen wie der Pandemie wäre. Das gilt natürlich auch für Preisverhandlungen: Wenn Biontech in den Verhandlungen mit der EU anfangs tatsächlich mehr als dreimal so viel für den Impfstoff verlangt hat, als es nun bekommt, dann ist das völlig in Ordnung. Das nennt sich Marktwirtschaft.

Und zu dieser gehört auch, dass der Staat – in diesem Fall die EU-Kommission – versuchen muss, die Kosten zu drücken. Das hat ja offenbar auch geklappt.

Ganz abgesehen davon hätte sich der Einkauf des Impfstoffs sogar zu einem höheren Preis gelohnt. Zumindest dann, wenn man sowohl die ökonomischen Milliardenschäden durch die Pandemie als auch das nicht in Euro messbare Leid der Patienten und Opfer dagegenhält.

Mehr: Die Varianten des Virus zwingen die Impfstoffhersteller zu einem hohen Tempo: Sie wollen sehr schnell passende Covid-Vakzine entwickeln.

Startseite
Mehr zu: Kommentar - Auch geförderte Firmen dürfen ihre eigenen Preise setzen – das nennt sich Marktwirtschaft
0 Kommentare zu "Kommentar: Auch geförderte Firmen dürfen ihre eigenen Preise setzen – das nennt sich Marktwirtschaft"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%