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Kommentar Auch in der Lirakrise versteckt Erdogan sein Kalkül hinter Taten und Worten

Ausgerechnet in der Währungskrise steckt die große Chance für die türkische Wirtschaft. Erdogan weiß das.
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Währungskrise als Chance? Quelle: action press
Recep Tayyip Erdogan

Währungskrise als Chance?

(Foto: action press)

Eines muss man Recep Tayyip Erdogan lassen. Er weiß ziemlich gut, wie er sich unbeliebt macht. Nazi-Vergleiche, Ausnahmezustand, Machtausbau, für jeden Demokraten ist etwas dabei. Was er wohl noch besser kann: sein Kalkül hinter seinen Taten und Worten zu verstecken. Das zeigt sich bei der Krise der türkischen Lira.

Seit Jahresbeginn hat die Währung zwei Drittel an Wert verloren. Türken mussten zum Jahresbeginn 3,75 Lira bezahlen, um einen Dollar zu erhalten. In dieser Woche sind es 6,40 Lira. Das schmerzt besonders Unternehmer, die Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland beziehen müssen. Vor allem Rohstoffe wie Öl, aber auch Hochtechnologie-Teile werden empfindlich teurer. Doch genau in dieser Krise steckt für die türkische Wirtschaft eine große Chance. Erdogan weiß das.

Für Unternehmer und Verkäufer von Importprodukten ist die Situation gerade nicht angenehm. Sie wissen schlicht nicht, zu welchem Preis sie ihre Regale wieder auffüllen können. Langfristig dürfte sich jeder Einkaufsmanager jedoch fragen, muss ich dieses oder jenes Produkt wirklich importieren?

Erdogan will die Realwirtschaft des Landes stärken. Die Lirakrise ist für ihn eine Chance. Das zeigen aktuelle Daten. So stiegen im Juli dieses Jahres die Exporte türkischer Unternehmen um 11,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Die Importe sanken im selben Zeitraum um knapp 6,7 Prozent.

Die Unternehmen des Landes nutzen die Entwicklung am Währungsmarkt, um sich von teuren Dollarimporten zu verabschieden. Das wird die türkische Wirtschaft langfristig stärken. Auch im wichtigen Tourismussektor, wo analog zur Herkunft der Hotelgäste viele Leistungen in Euro, Dollar oder Pfund abgerechnet werden, klingeln die Kassen, seit die Lira im Verhältnis zu diesen Währungen verloren hat.

Die Türkei ist nicht das erste Land, das auf die Idee kommt, Importe durch heimische Produkte zu ersetzen. China schwächte jahrelang seine eigene Währung, um seine Wirtschaft zu stärken.

So lässt sich auch die Reaktion der türkischen Zentralbank erklären. Sie unternimmt wenig, um die Lira zu stützen. Dafür sorgt sie an anderen Stellschrauben dafür, dass Banken und Unternehmen weiter Kredite aufnehmen können. Solange die Geschäfte der Wirtschaft florieren, müssen sich türkische Geldhäuser vorerst auch keine Sorgen machen.

Investoren und Analysten sehen die Entwicklung zwar sehr kritisch. Konjunkturell ist das Land jedoch weiterhin gut unterwegs. Für Staatspräsident Erdogan, der im Frühjahr 2019 die Kommunalwahlen gewinnen will, ist das entscheidend.

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