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Kommentar Auf dem Streaming-Markt tobt ein Kampf nach dem Vorbild von „Game of Thrones“

Noch verteidigt Netflix seine dominante Position, doch die Machtverhältnisse verschieben sich. Es zeichnet sich ein Kampf ab, den keiner gewinnen kann.
Update: 17.04.2019 - 03:50 Uhr Kommentieren
„Game of Thrones“ auf dem Streaming-Markt – Ein Kommentar Quelle: AP
Cersei Lannister aus „Game of Thrones“

Die Serie gilt als eine der vielschichtigsten TV-Produktionen der Geschichte.

(Foto: AP)

An manchen Tagen fällt die Wahl denkbar einfach. Seit dem Start der finalen Staffel der HBO-Serie „Games of Thrones“ reservieren amerikanische Serien-Junkies den Sonntagabend für Eismenschen, Drachen und fliegendes Gedärm. Ansonsten wird es langsam ziemlich unübersichtlich. Netflix, Hulu oder Amazon senden schon heute mehr Film-, Video- oder TV-Inhalte als jeder streamen kann. Künftig kommen Disney, Apple und AT&T hinzu.

Wettbewerb ist etwas für Verlierer, lautet der markige Spruch von Investor Peter Thiel. Seiner Ansicht nach strebt ein erfolgreiches Unternehmen stets eine monopolartige Position an und reibt sich nicht im aufwendigen Kampf mit Rivalen auf. Noch verteidigt das 22 Jahre alte Netflix seine dominante Position. Doch die Machtverhältnisse verschieben sich. Auf dem Streaming-Markt tobt ein Kampf ganz nach Vorbild des Königs-Dramas „Game of Thrones“.

Die Anbieter bekriegen sich bis aufs Blut so wie die Helden in der mittelalterlichen Serie. Doch gewinnen kann den Kampf um die Aufmerksamkeit des Nutzers keiner. Jede Plattform konkurriert mit jeder, um die besten Inhalte oder die besten Preise. Hier wird mit der rechten Hand bezahlt, dort mit Milliarden Dollar. Jeder gegen Jeden. Doch der Markt fragmentiert sich, wird für Nutzer immer unübersichtlicher. Das kann nicht im Sinne der Anbieter sein.

Ein Trend zeigt sich deutlich in den jüngsten Quartalszahlen aus Los Gatos. Netflix-CEO Reed Hastings gewann zwar gewann 9,6 Millionen neue Abos hinzu, mehr als die Wall Street erwartete, und unterhält nun 148,9 Millionen zahlende Kunden weltweit. Doch die Prognose für die Zukunft fällt schwach aus. Statt sechs Millionen rechnet er für die kommenden drei Monate nur noch mit fünf Millionen Netflix-Neulingen, im Heimatmarkt sollen nur 300.000 Menschen hinzukommen, die Hälfte dessen, womit Analysten laut Bloomberg gerechnet hatten.

Die Aktie gab um bis zu neun Prozent nach, pendelte sich zum Handelsschluss bei Minus ein Prozent ein. Die Wall Street fürchtet, dass Netflix so leichterhand von Konkurrenz überrannt wird, wie die Mauer von den Eismenschen in „Game of Thrones“. Die Pläne der Rivalen stehen noch ganz am Anfang, strotzen jedoch vor Ehrgeiz. Disney will mit seinem Services zwischen 60 und 90 Millionen Abonnenten in den nächsten fünf Jahren erreichen. Apple rollt den neuen Video-Dienst an 1,4 Milliarden Besitzer von iPhone und Co. aus.

Hastings macht gute Stimmung. „Wir glauben, dass wir alle weiter wachsen werden, wenn jeder von uns mehr in Inhalte investiert und unseren Service verbessert“, ließ er wissen. Klar, immer noch sind bemerkenswert viele Menschen nicht vom linearen Fernsehen ins Internet -TV gewechselt. Netflix bestreitet gerade einmal zehn Prozent des Fernsehkonsums in den USA. Da ist noch jede Menge Luft nach oben oder Platz für die Konkurrenz.

Eine weitere Rolle für die schwache Netflix-Prognose dürften die jüngste Preiserhöhungen von 13 bis 18 Prozent spielen. Die Steigerung soll die milliardenschweren Investitionen finanzieren, die Netflix in eigene Inhalte steckt. 2019 soll die Summe auf nie dagewesene 15 Milliarden Dollar steigen. Nach wie vor beruht Netflix’ Geschäftsmodell auf Abos. Werbeeinblendungen lehnt Hastings bislang rigoros ab. Doch möglicherweise kommt er bald nicht drum herum. Die Kämpfer der Gegenseite starten mit Kampfpreisen in den Markt.

Disney+ startet ab November für 6,99 Dollar und kostet damit weniger als Netflix, das zwischen 8,99 und 15,99 Dollar berechnet. HBO verlangt 14,99 Dollar. Der Urwald der Angebote verdichtet sich zusehends. Amazon nimmt Kunden 8,99 Dollar ab. Hinzu kommen Hulu (7,99 Dollar), Showtime (10,99 Dollar), CBS All Access (5,99 Dollar) oder Youtube TV (40 Dollar). Sicher, Konkurrenz belebt das Geschäft. Doch wer zahlt für all das? Wie viele Streaming-Anbieter braucht der Nutzer überhaupt?

Programmatische Unterschiede zeichnen sich zwar ab. Disney und Apple setzen auf eher familien- und kinderfreundliche Inhalte, wie sie zur jeweiligen Marke passen. Netflix und Amazon berieseln Fans mit düsteren, abseitigen Serien à la „Breaking Bad“. HBO setzt auf Produktionen mit Star-Besetzung wie „Big Little Lies“ mit Nicole Kidman. Doch was Dauerglotzer künftig wo finden, wird immer unklarer. Disney entzog Netflix die Sende-Lizenz für die berühmten Marvel-Comics und natürlich die Disney-Filme. Der Krankenhaus-Klassiker „Grey’s Anatomy“ könnte ebenso folgen wie die Sitcom „Friends“ aus dem Besitz von CBS. Muttergesellschaft Comcast plant ebenfalls einen eigenen Service.

Wer blickt da noch durch? Wo findet der Nutzer künftig was? Die einzige Idee präsentierte bislang Apple, das Streaming-Angebote künftig im Bündel verkauft. Bei Apple TV Plus bekommt der Streamer neben Apples Videos auch Inhalte von HBO und CBS. Was der Dienst kostet oder was die beteiligten TV-Sender verdienen, ist allerdings unklar. Von Amazon gibt es ein ähnliches Angebot. Aber ein solcher Kiosk für Streaming-Angebote ist dringend erforderlich im wachsenden Dickicht der Streaming-Märkte. Möglicherweise stehen weitere Übernahmen im Streaming-Markt an.

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