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Kommentar Auf die Winter-Rezession wird ein kräftiger Aufschwung im Frühjahr folgen

Der hoffnungsfrohe Blick Richtung Frühling ändert allerdings nichts daran, dass dieser Winter für Wirtschaft und Gesellschaft der wohl härteste der Nachkriegszeit ist.
14.12.2020 - 17:30 Uhr 2 Kommentare
Quelle: Burkhard Mohr
Karikatur
(Foto: Burkhard Mohr)

Der wichtigste Satz zur Corona-Konjunktur lautet: „Ein Impfstoff ändert alles.“ Das Urheberrecht gehört Gabriel Felbermayr, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Und diese Aussage gilt weiter und lässt hoffen, dem verschärften Weihnachts-Lockdown zum Trotz.

Die Impfungen mit dem Biontech-Impfstoff haben in den generell risikofreudigeren angelsächsischen Ländern Großbritannien, Kanada und den USA mit Notfallzulassungen begonnen. Spätestens im Januar werden sie auch in der EU per regulärer Genehmigung folgen. Weitere Impfstoffe werden schnell auf den Markt kommen, wie täglich neue Ankündigungen von Unternehmen zeigen.

Die Hoffnung ist damit sehr realistisch, dass es bis zum nächsten Herbst gelingen kann, die Pandemie zu beenden. Dieses strahlend helle Licht am Ende des zugegeben noch langen Konjunkturtunnels sollte kein Unternehmer übersehen, indem er oder sie den Blick nur auf den dunklen Tunnelboden richtet, also auf die Gegenwart und die Versäumnisse in der Pandemiebekämpfung im Sommer und Herbst 2020.

Die Erfahrung des Sommers spricht für schnellen Frühjahrsaufschwung

Da Wirtschaft zu mindestens 50 Prozent Psychologie ist, sind Geschäftsaussichten meist viel wichtiger für die Konjunktur als die aktuelle Lage. Und die Aussichten für das Frühjahr sind gut. Dafür sprechen neben dem Impfstoff auch die Erfahrungen des Wiederaufschwungs aus dem Sommer und Frühherbst: Bis zum Ende des dritten Quartals 2020 war die Erholung viel stärker gewesen, als es die meisten Beobachter erwartet hatten: Bis 30. September hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt bereits wieder 96 Prozent des Niveaus von vor Ausbruch der Corona-Pandemie Ende 2019 erreicht.

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    Auch im Oktober, und in der Industrie auch im November, setzte sich der Aufschwung fort, wie die jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen. Im November etwa wurden hierzulande mehr Pkws neu zugelassen als in den Vergleichsmonaten 2018 und 2019. Die Exporte wuchsen auch noch im Oktober, obwohl da bei den wichtigsten EU-Handelspartnern schon wieder Lockdowns begannen. Die Industrieproduktion ist auf Wachstumskurs geblieben.

    Diese Schlaglichter zeigen, dass gerade nach einer tiefen kurzen Rezession wie im ersten Halbjahr 2020 der sogenannte Rückpralleffekt sehr stark sein kann. Im November dürfte der weiche Lockdown diesen Rückprall gestoppt haben.

    Der jetzt auf Einzelhandel und persönliche Dienstleistungen erweiterte Stillstand im Dezember und Januar wird wohl die Rezession im vierten Quartal 2020 und im ersten Quartal 2021 zurückbringen.

    Rezession kehrt kurzzeitig zurück

    Sie wird allerdings nicht so tief ausfallen wie im letzten Frühjahr: Denn es ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit gelungen, die Handelsströme und damit die Lieferketten aufrechtzuerhalten: Die Industrie bekommt überall ihre Vorprodukte, muss also nicht stillstehen.

    Und die Nachfrage nach deutschen Gütern aus China und anderen asiatischen Ländern ist ungebrochen. Diese Länder zeigen auch beispielhaft, wie stark es aufwärtsgehen kann, sobald die Pandemie unter Kontrolle und die Infektionsraten sehr niedrig sind.

    Die Rezession kehrt zurück – sie wird allerdings nicht so tief ausfallen wie im letzten Frühjahr. Quelle: dpa
    Containerhafen

    Die Rezession kehrt zurück – sie wird allerdings nicht so tief ausfallen wie im letzten Frühjahr.

    (Foto: dpa)

    Der härtere Lockdown, der die Infektionszahlen drücken wird, ist mit Blick auf asiatische Erfahrungen daher tatsächlich eine Investition in die Zukunft, wie Ökonomen wie Ifo-Präsident Clemens Fuest betonen. Die Wirtschaft leidet ursächlich am Virus. Je eher der jetzige Lockdown die Infektionswelle bricht, desto schneller kann es wirtschaftlich wieder aufwärtsgehen.

    Der Winter wird dunkel und kalt für die Wirtschaft

    Der hoffnungsfrohe Blick Richtung Frühling ändert allerdings nichts daran, dass dieser Winter für Wirtschaft und Gesellschaft der wohl härteste der Nachkriegszeit ist. Die zweite Rezession bleibt ganz Europa wohl nicht erspart.

    Viele stationäre Einzelhändler, Friseure, Kosmetiksalons, Restaurants, Hotels und Veranstalter sind in ihrer Existenz bedroht, auch wenn der Bund ihnen mit großzügigen Unternehmenshilfen Brücken zum Frühjahrsaufschwung baut. Und ein Lockdown in der ohnehin ruhigen Jahreswechsel-Zeit weniger schadet als vor Heiligabend.

    Die Kritiker, die jetzt einen „Langfristplan“ von Kanzlerin und Ministerpräsidenten einfordern, haben insofern recht, als dass noch immer unklar ist, wie es denn nach dem 10. Januar weitergehen soll.

    Als Erstes ist Ehrlichkeit der Regierenden gegenüber den am härtesten getroffenen Branchen notwendig. Selbst wenn es gelingt, die Ansteckungszahlen bundesweit wieder auf unter 50 Neuinfizierte pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen zu drücken, sind Lockerungen wie im Sommer unrealistisch: Treffen größerer Gruppen in geschlossenen Räumen aufeinander, wäre das der Kickstart für eine dritte Welle.

    Wann also dürfen Schulen und Kitas wieder öffnen? Wie werden Alte und Kranke besser geschützt? Woher kommen ausreichende Tests und wie wird die Corona-Warn-App verbessert? Für die Monate Januar bis März brauchen Wirtschaft und Bürger auf diese Fragen endlich umsetzbare Antworten.  

    Mehr: Deutschland vor dem Impf-Boom

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Auf die Winter-Rezession wird ein kräftiger Aufschwung im Frühjahr folgen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Im Frühjahr sehe ich uns eher noch im Lockdown wenn unsere Politdarsteller so weiter machen. Wenn nicht bis zum Sommer in ausreichender Zahl geimpft werden kann oder die Impfwiligkeit nicht ausreichend groß ist kann evtl. zum Herbst 2021 das ganze Theater wieder von vorne los gehen.

      Mit diesen Durchhalteparolen vom "Licht am Ende des Tunnels" soll sie mal die vielen vernichteten Existenzen überzeugen.

    • Schon wieder einer, der in der Kristallkugel die Zukunft sieht und das Journalismus nennt.

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