Kommentar Aufseher müssen Bilanztricks der Banken stärker prüfen

Banken nutzen jede Lücke, um ihre Kennzahlen aufzupolieren. Die Vorschriften der Regulierer müssen deshalb auf den Prüfstand gestellt werden.
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Wie kreativ manche Geldinstitute die seit der Finanzkrise beschlossenen Regeln umgehen, alarmiert viele Experten. Quelle: dpa
Riskante Tricksereien

Wie kreativ manche Geldinstitute die seit der Finanzkrise beschlossenen Regeln umgehen, alarmiert viele Experten.

(Foto: dpa)

Zehn Jahre nach der Finanzkrise will die Branche das Thema endlich abhaken: Eine Regulierungspause zu fordern gilt nicht mehr als ehrenrührig. Und in den USA schraubt Präsident Donald Trump die Regeln sogar schon wieder zurück.

Dabei nutzen manche Institute offenbar noch immer jede Chance, um Vorschriften zu umgehen. Aufseher sollten den Wünschen der Banken deshalb nicht voreilig nachkommen – und die bestehenden Regeln permanent auf ihre Wirksamkeit überprüfen.

Gewiss: Nicht alles, was nach der Krise beschlossen wurde, macht das Finanzsystem sicherer. Doch wie kreativ manche Institute die Regeln umgehen, alarmiert – und lässt sich im jüngsten Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich nachlesen.

Deren Experten stießen auf Tricksereien bei der Verschuldungsquote, Leverage-Ratio genannt. Sie stellt das Eigenkapital eines Geldhauses ins Verhältnis zu ihrem Geschäftsvolumen. Die Leverage-Ratio soll verhindern, dass sich die Institute übermäßig verschulden.

Doch große Banken haben offenbar einen kreativen Weg gefunden, um diese Hürde zu umgehen. Möglich macht das ein kleiner, aber feiner Unterschied in der Umsetzung der Basler Bankenregeln: Während amerikanische Institute ihre Leverage-Ratio im quartalsweisen Durchschnitt ausweisen, müssen Institute in Europa und der Schweiz sie nur zu einem Stichtag melden.

Also ziehen sich die Institute rund um diesen Zeitpunkt aus bestimmten Geschäften zurück. Prompt erscheint die Verschuldung niedriger, als sie eigentlich ist. Ganz legal.

Was aber nutzt eine Regel, die nur viermal im Jahr eingehalten wird? Wenn es den viel beschworenen „Geist der Regulierung“ tatsächlich gäbe, er bekäme einen Heulkrampf. Dass die Politik die Regeln nun ändern will, ist zu begrüßen. Die Tricksereien bei der Leverage-Ratio zeigen aber auch, dass sich die Aufseher zehn Jahre nach der Krise nicht zurücklehnen dürfen: Wo sich eine Lücke auftut, wird sie auch genutzt.

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