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Kommentar Bahn und Nahverkehr brauchen die Milliarden, um wieder attraktiv zu werden

Corona könnte die Mobilität verändern. Kommen die Kunden zurück? Das ist nicht nur eine Frage von Vertrauen in die Hygiene bei Bussen und Bahnen.
15.09.2020 - 18:58 Uhr 1 Kommentar
Es geht um mehr als nur um die Corona-Hygiene in den Bahnen. Quelle: dpa
Leerer ICE

Es geht um mehr als nur um die Corona-Hygiene in den Bahnen.

(Foto: dpa)

Am Mittwoch tagt der Bahn-Aufsichtsrat. Ein wichtiger Punkt fehlt auf der Tagesordnung. Sind Busse und Bahnen nach Corona weiterhin gefeierte Retter des Klimas und Garanten für eine Verkehrswende? Zweifel sind angebracht.

Die Pandemie dürfte das Mobilitätsverhalten nachhaltig ändern – zum Nachteil aller öffentlichen Verkehrsunternehmen, nicht nur der Deutschen Bahn. Das Thema ist brisant, denn es geht auch um die Frage, ob die milliardenschwere staatliche Finanzierung weiterhin gerechtfertigt ist.

Aufsichtsratssitzungen pflegen eine offizielle und eine inoffizielle Agenda zu haben. Für die offizielle gibt es Vorlagen, Prognosen, Abstimmungspapiere. Die inoffizielle bestimmt oft das Leben. Bei der Deutschen Bahn werden das Meldungen über Maskenverweigerer in Zügen sein. Bislang sind es nur wenige, kein betriebswirtschaftlich relevantes Problem, wie etwa die marode Gütereisenbahn, deren Sanierung ebenfalls auf der Tagesordnung steht.

Da sollte sich das Bahn-Management nicht täuschen. Denn es geht nicht um ein paar Corona-Ignoranten. Es geht um die Frage, ob die Kunden zurückkehren.

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Standort erkennen

    Der Vorstand neigt dazu, die Relevanz der Verweigerer von Mund- und Nasenbedeckung in ICEs herunterzuspielen. Absolute Ausnahme heißt es. Auch Nahverkehrsunternehmen der Städte und Gemeinden halten den Ball in diesen Tagen lieber flach. Botschaft: Busse und Bahnen sind sicher. Um das zu belegen, werden schon Gutachten angefertigt, wie jüngst das der Berliner Charité für die Deutsche Bahn.

    Hinter der Maske verändert sich die Mobilität

    Wer möchte schon Meldungen lesen wie „Krawall um Maskenpflicht zwingt ICE-Sprinter zum Nothalt“. Auch hat keines der Bahnunternehmen Interesse daran, den Mund-Nase-Schutz womöglich in seine Betriebsordnung aufnehmen zu müssen. Etwa, weil es ein Massenproblem wird. Dann nämlich wären das Zugpersonal der Deutschen Bahn und die Busfahrer der Stadtwerke für die Einhaltung zuständig. Eine Horrorvorstellung für Kommunalbahnen wie für die Staatseisenbahn. Also besser keinen Staatsakt aus diesem Thema machen.

    Es geht aber um mehr als eben nur um die Corona-Hygiene in den Bahnen. Denn was bedeutet die Corona-Pandemie eigentlich für die Zukunft des öffentlichen Verkehrs? Nach heutiger Lage der Dinge nichts Gutes.

    Viele Arbeitnehmer werden auch künftig weiterhin im Homeoffice arbeiten. Zumindest teilweise. Unternehmen wie Mitarbeiter haben im Coronazwang die Vorzüge dieses Arbeitens entdeckt. Und die werden sie nicht mehr aufgeben wollen.

    Das gilt erst recht für Geschäftsreisen. Videocalls sparen nicht nur viel Zeit, sondern auch viele Reisespesen. Das ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nach Corona nicht zu unterschätzen. Und: Viele Reisende weichen derzeit auf den Pkw aus. Die Erfahrung lehrt, verlorene Kunden für Busse und Bahnen zurückzugewinnen ist ein immens schwieriger Akt.

    So steht zu erwarten, dass wir in drei, vier Jahren auf keinen Fall einfach dort weitermachen können, wo wir im Frühjahr 2020 aufgehört haben. Die Pandemie wird das Mobilitätsverhalten der Menschen nachhaltig verändern. Noch ist unklar, wie. Nur, eine Rückkehr zum Gestern wird es auf keinen Fall geben.

    Karikatur

    Die vergangenen Jahre waren für die Deutsche Bahn und Hunderte regionaler Verkehrsbetriebe von zwei positiven Trends geprägt: Massenandrang und Milliardenfinanzierung. Allein der öffentliche Nahverkehr wurde zuletzt jährlich über zehn Milliarden Mal genutzt.

    Kommunale Verkehrsunternehmen beklagten schon, zur Rushhour geht gar nichts mehr. Wegen Überfüllung geschlossen. Und die Deutsche Bahn beförderte im Fernverkehr zuletzt 150 Millionen Kunden. Tendenz nicht nur jährlich stark steigend. Auch das Ziel, die Fahrgastzahlen in den ICEs zu verdoppeln, war zwar ehrgeizig, aber nicht unrealistisch. Bislang.

    Milliarden für den öffentlichen Verkehr

    Spätestens seit der Klimadebatte floss auch das Geld reichlich. Modernisierung und Ausbau des öffentlichen Verkehrs, vor allem des umweltfreundlichen Schienenverkehrs, ist seitdem gesellschaftlicher und politischer Konsens. So subventioniert der Bund den Regionalverkehr auf der Schiene jährlich mit neun Milliarden Euro. Die Deutsche Bahn bekommt bis 2030 insgesamt 62 Milliarden Euro für die Erhaltung und Sanierung des Schienennetzes. Dazu kommen Millionen für Digitalisierung und Sonderprojekte.

    Solche Summen schaffen Rechtfertigungszwang. Denn weitere Milliarden – 2,5 für den Nahverkehr und 5,5 für die Deutsche Bahn – sind bewilligt. Sie sollen die Corona-bedingten Finanzierungslöcher stopfen. Und danach? Danach werden die Geldgeber, Bund, Länder und Gemeinden, die Frage stellen, ist dieser massive Ausbau der öffentlichen Verkehrsangebote eigentlich noch gerechtfertigt? Brauchen wir so viele neue ICEs, von denen die Staatsbahn gerade erst 30 weitere für eine Milliarde Euro nachbestellt hat. Brauchen wir wirklich Tausende neuer Stadtbusse?

    Die Antwort lautet Ja. Die Kunden werden nur zurückkommen, wenn sie moderne und attraktive Verkehrsmittel vorfinden. Aber es wird schwer werden, die Politik und damit die Geldgeber davon zu überzeugen.

    Mehr: „Kein erhöhtes Risiko“: Deutsche Bahn wirbt mit Corona-Studie um Vertrauen

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    1 Kommentar zu "Kommentar: Bahn und Nahverkehr brauchen die Milliarden, um wieder attraktiv zu werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Habe heute versucht eine Schüler- Gruppenreise bei der Bahn anzufragen und eigentlich auch zu buchen. 4x bin ich nach 17einhalb Minuten aus der "DB Klassenfahrten & Gruppenreisen Hotline: +49 (0)721-9385386" geflogen. "Servicecenter" am Bahnhof Hamburg Dammtor sieht sich außer Stande bei Gruppenreisen weiter zu helfen und verweist auf die "Hotline".
      Online finde ich einfach nicht die beworbenen (Corona-Zeiten) Sparpreise, zumal ich mir bei einer Gruppenreise mit 20 Schülern Hoffnung auf einen Rabatt gemacht habe. Online wird als "Sparpreis" 1360,-- EUR one way für gut 400 Km angezeigt.
      Dieses Unternehmen ist einfach ein Albtraum in Punkto Kundenservice. Geld reicht wohl kaum, um das zu ändern.

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