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Kommentar Bankanalysten sind die falschen Propheten

Die Analysten in den Bankentürmen liegen mit ihren Dax-Prognosen beharrlich daneben und schaden sich damit selbst. Das ist fatal für die Aktienkultur.
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Die Analysten der großen Häuser schaden sich mit falschem Optimismus selbst. Quelle: dpa
Frankfurter Banken-Skyline

Die Analysten der großen Häuser schaden sich mit falschem Optimismus selbst.

(Foto: dpa)

Sie tragen wohlklingende Titel – Berufsbezeichnungen wie „Stratege“ oder „Fundamentalanalyst“ sollen seriös und vertrauensvoll wirken. Und das Versprechen an ihre Kunden klingt ebenso redlich: Mithilfe harter Wirtschaftsdaten sagen diese Propheten der Banken die Aktienkurse vorher und geben ihren Kunden damit eine Orientierung im schwer durchschaubaren Dschungel der globalen Finanzmärkte.

So weit das glorreiche Versprechen. Doch die Realität sieht leider anders aus, wie sich zuletzt wieder einmal erwiesen hat: Den Absturz an den Börsen in der zweiten Jahreshälfte haben die Prognostiker nicht kommen sehen. Im Gegenteil: Sie sagten bis kurz davor weiter steigende Kurse voraus.

Willkommen in der Welt der zwanghaften Optimisten. Die Marktexperten vieler Geldhäuser können gar nicht anders, als steigende Kurse vorherzusagen. Fallende Aktienpreise oder gar eine Baisse kommen in ihrer glänzenden Marketingwelt nicht vor.

Warum auch? In dem Jahrzehnt seit der Finanzkrise konnten die Wahrsager der Märkte bequem mit dem Strom schwimmen. In dieser Zeit sind die Kurse fast durchgängig nach oben gegangen, als Daueroptimist konnte man fast nichts falsch machen.

Bis das Jahr 2018 kam – und mit ihm der Absturz an den Börsen. Und da zeigte sich die wahre Qualität der in den Bankentürmen erdachten Vorhersagen. In freudiger Unbekümmertheit sahen die vom Handelsblatt Ende 2017 befragten Analysten und Volkswirte für den Deutschen Aktienindex einen neuen Rekordstand von 14.009 Punkten für das Ende des Jahres voraus.

Damit hätten sie falscher kaum liegen können: Der Dax beendete das Jahr 2018 mit hohen Kursverlusten bei 10.559 Punkten. Die Experten hatten sich um schlappe 27 Prozent verschätzt. 

„Na und?“ könnte man jetzt sagen. Im Rückblick weiß man schließlich immer alles besser. Doch das ist aus drei Gründen zu einfach gedacht.

Erstens gab es vorab erkennbare Warnsignale an den Märkten. Schon im Januar 2018 waren sich Topinvestoren und Ökonomen auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos darin einig, dass die Luft an den Märkten gefährlich dünn geworden ist. Und im Sommer leuchteten die Warnsignale an den Märkten dann dunkelrot: Die smartesten Profiinvestoren nahmen ihr Geld vom Tisch und bunkerten mehr Bargeld.

Trotz dieser gut sichtbaren Vorzeichen sagten die Analysten im Juli für den Dax unbeirrt einen Anstieg von fast acht Prozent auf 13.457 Punkte voraus.

In solchen Zeiten argumentieren die Analysten, der Kursabschwung sei aus den Fundamentaldaten nicht ablesbar gewesen. Schließlich war das Wirtschaftswachstum im ersten Halbjahr 2018 noch solide, die Arbeitslosigkeit sank, und die Unternehmen erzielten Rekordgewinne.

Doch welchen Nutzen hat ein Prognostiker, wenn er immer nur eine tolle Zukunft vorhersagt und nicht rechtzeitig vor Problemen warnt? Das ist wie ein Rauchmelder, der nur dann zuverlässig funktioniert, wenn es nicht brennt.

Fehler mit Methode

Der vermeintliche Blick in die Glaskugel, er entpuppt sich als ein simples Schielen in den Rückspiegel. Dass es auch besser geht, zeigt – und das ist das zweite Argument – ein Blick auf die kleine, aber feine Zunft der Charttechniker.

Sie orientieren sich an den Stimmungslagen der Investoren, an Trenddaten und Kurscharts. Von vielen als Börsenvoodoo für Leichtgläubige verspottet, liegen diese oft außerhalb der großen Bankhäuser und daher unabhängiger agierenden Prognostiker erstaunlich oft richtig. So sagten die vier jedes Jahr vom Handelsblatt befragten Charttechniker für die zweite Jahreshälfte korrekterweise einen steilen Absturz an den Börsen vorher.

Dagegen haben die Fehlprognosen der Fundamentalanalysten Methode. Seit dem Jahr 2000 lagen die Experten laut dem Vermögensverwalter StarCapital mit ihren stets positiven Vorhersagen im Mittel um 18 Prozent daneben. Größere Korrekturen wurden nie vorhergesehen. Selbst im Finanzkrisenjahr 2008 gingen sie von leichten Zuwächsen aus. Stattdessen gab es einen Kursabsturz von 40 Prozent.

„Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?“ Das scheint das Motto vieler Aktienexperten zu sein. Damit sind sie Teil einer perfiden Verkaufsmaschinerie, welche die Privatanleger auch dann noch in die Aktien treiben will, wenn die Profis schon längst die Chips vom Tisch genommen haben.

Bankanalysten sind die falschen Propheten. Ihre Prognosen sind nicht nur überflüssig, sie erweisen auch der hierzulande unterentwickelten Aktienkultur einen Bärendienst.

Zutrauen in die Aktie werden die Deutschen nicht dadurch fassen, dass man sie immer im falschen Moment in den Markt hineintreibt. Und die Banken schaden sich damit langfristig selbst – ein weiteres Beispiel dafür, warum der Kulturwandel immer noch nicht weit genug vorangekommen ist.

Auch für dieses Jahr sagen die Experten übrigens einen prozentual zweistelligen Anstieg des Dax auf 12.053 Punkte vorher. Vielleicht sollten sie sich künftig an Mark Twain orientieren, der folgenden Ratschlag erteilt: „Vorhersagen sollte man unbedingt vermeiden, besonders solche über die Zukunft.“

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