Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Banken lassen bei neuen Darlehen Vorsicht walten – zu Recht

Die Wachstumsrate im Kreditgeschäft mit Mittelständlern sinkt. Das dürfte es für Banken noch schwieriger machen, mit dem Zinsumfeld klarzukommen.
Kommentieren
Lange haben Banken ihr Heil im Kreditwachstum gesucht. Quelle: Reuters
Bankentürme von Frankfurt

Lange haben Banken ihr Heil im Kreditwachstum gesucht.

(Foto: Reuters)

Deutsche Banken haben derzeit die Wahl zwischen Pest und Cholera: Parken sie ihre üppigen Einlagenüberschüsse bei der Europäischen Zentralbank, verlieren sie aufgrund der Negativzinsen auf Bankguthaben bares Geld. Weiten sie ihre Darlehensvergabe aber aus, holen sie sich womöglich genau die Risiken in die Bücher, die sich im Abschwung in faule Kredite verwandeln.

Lange haben sich viele Banken dennoch dazu entschieden, ihr Heil im Kreditwachstum zu suchen, um ihre Erträge trotz der schwindsüchtigen Margen in diesem Geschäft wenigstens zu stabilisieren. Das war angesichts der enormen Konkurrenz mit Wettbewerbern aus dem In- und Ausland schon schwierig genug.

Über viele Quartale hinweg konnten Unternehmen den Kreditinstituten immer laxere Konditionen abringen. Das sichert den Banken zwar auf kurze Zeit Kreditgeschäft, kann bei einer Abkühlung der Konjunktur aber zum Bumerang werden.

Doch nun droht den Instituten Ungemach auf der Nachfrageseite. Nach einem ungewöhnlich ausgeprägten Boomjahr beginnen im Kreditgeschäft mit Mittelständlern die Wachstumsraten wieder zu sinken. Das zeigt der aktuelle KfW-Kreditmarktausblick. Ursache dafür ist die zunehmende Unsicherheit über die Konjunkturentwicklung, die die Investitionsbereitschaft zügelt.

Das dürfte es den Kreditinstituten noch schwerer machen, mit dem Zinsumfeld klarzukommen. Die Strategie, immer dünnere Margen durch Mengenwachstum auszugleichen, dürfte sich dadurch noch seltener rechnen. So eine Strategie ist auch gefährlicher denn je.

Schließlich schwächt sich die Konjunktur derzeit deutlicher ab als von vielen vermutet. Die Gefahr, dass sich auf mittlere Sicht die Risiken für die munter verteilten Kredite spürbar erhöhen, ist also gestiegen. Das schlägt allmählich auch auf die Kreditvergabepraxis durch: Erstmals seit Monaten sind die Margen im Kreditgeschäft – minimal – gestiegen.

Auch die Bereitschaft der Institute, die Kreditschutzklauseln für die Kunden immer weiter aufzuweichen, scheint nachzulassen. Sollte sich diese Tendenz fortsetzen, wäre das eine gute Nachricht. Denn wenn sich die Banken in konjunkturell guten Zeiten zu viele schlechte Risiken in die Bücher holen, müssen sie sich in schwierigen Zeiten genau so verhalten, wie es ihnen der Spötter Mark Twain vorgeworfen hat: „Ein Bankier ist ein Mensch, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint, und ihn sofort zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt.“

So schön günstige Kreditzusagen für Firmen auch sein mögen, entscheidend ist, dass die Banken dabei gesund genug bleiben, um auch an Schlechtwettertagen noch Regenschirme verteilen zu können.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Kommentar - Banken lassen bei neuen Darlehen Vorsicht walten – zu Recht

0 Kommentare zu "Kommentar: Banken lassen bei neuen Darlehen Vorsicht walten – zu Recht"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote