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Kommentar Banken sollten die Krise als Chance begreifen

Die Corona-Pandemie zeigt erneut die Kluft zwischen den Geldhäusern in den USA und in Europa. Es ist Zeit, die Strukturen zu ändern.
17.04.2020 - 04:05 Uhr Kommentieren
Mehrere große US-Banken haben in dieser Woche ihre Quartalszahlen vorgelegt. Quelle: dpa
Skyline von Manhattan

Mehrere große US-Banken haben in dieser Woche ihre Quartalszahlen vorgelegt.

(Foto: dpa)

Fast sieben Milliarden Dollar hat JP Morgan im ersten Quartal zusätzlich in die Risikovorsorge geschoben, um sich für Kreditausfälle im Zuge der Coronakrise zu wappnen. Und trotzdem stand noch ein Milliardengewinn zu Buche. Sieben Milliarden Dollar – die Summe ist atemberaubend.

Sie entspricht in etwa dem Rekordergebnis der Deutschen Bank aus dem Jahr 2007, unmittelbar vor dem Höhepunkt der Finanzkrise. An diese Marke sind die Frankfurter nie wieder herangekommen, auch nicht mit wechselnden Chefs und immer neuen Strategien. Stattdessen steckte man die letzten Jahre verlässlich in der Verlustzone fest.

Und nun kommt Corona. Die Pandemie bringt viele Firmen in Existenznot und wird mit einiger Zeitverzögerung auch die Banken treffen. Die Frage ist nur: Können sie das große schwarze Loch im Kreditbuch verkraften? Haben sie genug Reserven? Die Wall-Street-Häuser, so viel dürfte seit dieser Woche klar sein, haben sie. Sie spielen in einer ganz anderen Liga.

Der Befund sollte uns aus zweierlei Gründen zu denken geben. Erstens: Wenn Europas Banken – wie die Deutsche Bank – es schon in den vergangenen Jahren, als die Wirtschaft auf dem Kontinent boomte, nicht geschafft haben, ein nachhaltiges und vor allem konkurrenzfähiges Ergebnisniveau zu erreichen – was bahnt sich dann erst in der aktuellen Krisensituation mit einer absehbar schweren Rezession an? Insbesondere die deutschen Banken haben sich gegen allzu große Kreditausfälle abgesichert, denn der Staat haftet für einen Großteil der Risiken.

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    Aber es sind eben auch keine Reserven da. Positive Ergebniseffekte kamen in der Regel, weil Altlasten in den Bilanzen schrittweise abgebaut wurden und die Risikovorsorge extrem niedrig war.

    Die Herausforderung ernstnehmen

    Die Wall-Street-Häuser dagegen nutzten den Aufschwung seit der Finanzkrise für echtes Neugeschäft mit Privat- und Firmenkunden und für einen Ausbau ihrer Marktanteile im lukrativen Investmentbanking. Sie verdienten ordentlich Geld, das jetzt zur Verfügung steht, wenn die Zeiten wieder schwieriger werden.

    Selbst wenn sie wollte (oder müsste), eine Risikovorsorge von sieben Milliarden Dollar könnte die Deutsche Bank gar nicht auf einen Schlag stemmen. Und was dann?
    Zweitens: Im amerikanischen Bankensektor gab es während der Finanzkrise eine radikale Marktbereinigung. Lehman Brothers ist bekanntermaßen kollabiert, Bear Stearns wurde von JP Morgan geschluckt und Merrill Lynch an die Bank of America angedockt. Entstanden sind Großbanken mit Durchschlagskraft. In Europa hätte es seit 2008 ebenfalls viele gute Gründe gegeben, Geldhäuser im großen Stil zu fusionieren.

    Trotzdem ging die Konsolidierung nur schleppend voran – über die Landesgrenzen hinweg sowieso. Die Europäische Union hat bis heute keinen echten „Champion“ in ihrer Bankenlandschaft hervorgebracht. Nationale Eitelkeiten und Streitigkeiten über Details der europäischen Bankenunion standen dem im Wege. Das könnte sich in der aktuellen Krise rächen.

    Vor allem in den südeuropäischen Ländern waren die Banken bis vor Kurzem immer noch damit beschäftigt, Berge fauler Kredite aus der Finanzkrise abzutragen. Jetzt dürften schon bald die ersten coronabedingten Kreditausfälle hinzukommen. Und nicht in allen Staaten sind die Regierungen so generös wie in Deutschland.

    Man kann nur hoffen, dass die Pandemie und ihre Folgen den Druck zu Zusammenschlüssen noch einmal deutlich erhöhen. Damit die US-Banken nicht stetig größer werden, während Europas Institute krisenbedingt immer weiter schrumpfen, weil sie sich – wieder einmal – Neugeschäft im Wiederaufbau nicht leisten können. Das Wort „gesundschrumpfen“, so gibt es Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner immer wieder gern zu Protokoll, gibt es im Englischen nämlich gar nicht.

    Die Coronakrise könnte für die Banken diesseits des Atlantiks also durchaus eine Chance sein, wenn Europas Banken aus der Not eine Tugend machen und begreifen, dass ein Durchwursteln nicht mehr funktioniert. Es ist Zeit, grundlegend an die Strukturen im Finanzsektor heranzugehen, um die US-Banken nicht noch weiter davonziehen zu lassen. Die Coronakrise könnte zu einem Umdenken führen, warum Europa große, starke und vor allem gesunde Banken braucht.

    Diese Herausforderung anzunehmen ist kein aussichtsloses Unterfangen. Denn auch für JP Morgan und Co. gibt es trotz der imposanten Zahlen für die Vorsorge beträchtliche Risiken in der Coronakrise: Viel mehr Privatleute leben in den Vereinigten Staaten auf Pump und reizen ihr finanzielles Limit maximal aus. Die Kreditausfälle dürften also auf breiter Front auch das Privatkundengeschäft treffen, viel stärker als in Europa.

    Mit großer Sorge werden daher jede Woche die neuesten US-Arbeitslosenzahlen verfolgt, die immer weiter in schwindelerregende Höhen steigen, weil auch die amerikanische Wirtschaft überwiegend stillsteht. Eine milliardenschwere Vorsorge zu treffen ist da nur vernünftig.

    Mehr: Amerikas Banken sind als Retter der US-Wirtschaft nur bedingt einsatzbereit, mein unsere Redakteurin Astrid Dörner.

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