Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Bayers Übernahme von Ask Bio ist eine rationale Wette auf die Zukunft

Der Einstieg in die Gentherapie birgt Potenzial. Doch der Einkauf fertiger Verfahren käme teuer – der jetzige Deal könnte zum guten Kompromiss werden.
27.10.2020 - 14:58 Uhr 1 Kommentar
Bayer tätigt den Zukauf im Rahmen seiner aktuellen Möglichkeiten. Es ist eine Wette, die sich lohnen könnte. Quelle: dpa
Forschung bei Asklepios BioPharmaceutical (AskBio)

Bayer tätigt den Zukauf im Rahmen seiner aktuellen Möglichkeiten. Es ist eine Wette, die sich lohnen könnte.

(Foto: dpa)

Mitten in der Coronakrise wagt Bayer eine seiner bisher größten Akquisitionen im Pharmabereich. Mit der bis zu vier Milliarden Dollar teuren Übernahme von Ask Bio demonstriert der Leverkusener Konzern, dass er sowohl bereit als auch in der Lage ist, in die Weiterentwicklung dieser Sparte zu investieren. Und in mancher Hinsicht zeigt sich der Deal als geschickter Schachzug.

Im Grunde erwirbt Bayer für einen vergleichbar bescheidenen Betrag eine komplette Forschungs- und Entwicklungsplattform im Bereich der Gentherapie. Die Wissenschaftler von Ask Bio gehören zu den Pionieren auf dem Gebiet.

Sie haben wichtige Grundlagen für etliche der bereits zugelassenen Behandlungen geliefert und bringen vier Jahrzehnte an Erfahrung sowie das wohl umfangreichste Patent-Portfolio in dem Bereich mit. Bayer avanciert auf einen Schlag zu einem der führenden Akteure in der Gentherapie.

Indes sollte man die Grenzen und Unsicherheiten des Engagements nicht übersehen. Zum einen wird der Zukauf Bayer kaum vor der drohenden Umsatzdelle bewahren, die in wenigen Jahren mit dem Patentablauf beim Bestseller Xarelto droht. Die konkreten Produktkandidaten der US-Neuerwerbung befinden sich noch durchweg in einer frühen klinischen Entwicklungsphase. Zum anderen birgt das Arbeitsgebiet große Unwägbarkeiten, was die langfristigen Perspektiven angeht.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Im Prinzip versucht Bayer aus der Not eine Tugend zu machen. Der Konzern muss zeigen, dass er seine Pharmasparte nicht vernachlässigt. Er kann sich derweil angesichts einer Verschuldung von mehr als 30 Milliarden Euro aus der Monsanto-Übernahme und des hohen Cash-Bedarfs für die Vergleiche in den Glyphosat-Verfahren große Sprünge schlichtweg nicht leisten. Für Biotechfirmen mit marktreifen, und damit halbwegs kalkulierbaren Produkten müsste man hohe ein- oder schon zweistellige Milliardenbeträge auf den Tisch legen. Bayer ist insofern gezwungen, strategisch höhere Risiken einzugehen.

    Grafik

    Diese sind auf dem Feld der Zell- und Gentherapien nach wie vor erheblich. Wie sicher sind die Therapien im Langfristeinsatz, wie dauerhaft ist ihre Wirkung? Können sie über die Behandlung seltener monogenetischer Erbkrankheiten hinaus wirklich eine Rolle spielen?

    Zudem steht das Konzept in einem intensiven Technologiewettbewerb, etwa mit neuartigen Antikörper-Konzepten oder der aufstrebenden mRNA-Technik, die ähnliche Effekte auf eleganterem Weg anstrebt und zurzeit in der Impfstoffentwicklung für Aufsehen sorgt.

    Big-Pharma-Konzerne wie Roche oder Novartis haben genügend Ressourcen, um ihre Technologiewetten breit zu streuen. Für Bayer wäre das viel zu teuer. Insofern ist es für den Konzern rational, wenn auch nicht ohne Risiko, wenigstens auf einer Hochzeit mitzutanzen.

    Mehr: Das steckt hinter der Milliarden-Hoffnung Gentherapie.

    Startseite
    Mehr zu: Kommentar - Bayers Übernahme von Ask Bio ist eine rationale Wette auf die Zukunft
    1 Kommentar zu "Kommentar: Bayers Übernahme von Ask Bio ist eine rationale Wette auf die Zukunft"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Baumann hat doch schon einmal gewettet - leider nicht mit seinem eigenen Geld, sondern mit dem der Bayer-Aktionäre und der Belegschaft. Wenn diese Übernahme auch nur annähernd so "erfolgreich" wie der Kauf von Monsanto wird, wäre es der letzte Sargnagel, um die einstmals vor Kraft strotzende Bayer AG endgültig zu erlegen und dann zu zerschlagen. Wenn ich die Worte Baumann und "rationale Wette" im Zusammenhang lese, wird mir (ja, ich bin seit 20 Jahren Aktionär von Bayer) schlecht.
      Bezeichnend auch, dass sich Bayer - im Gegensatz zu Roche oder Novartis - eben nur noch "Wetten" erlauben kann, ob des Mühlsteins namens Monsanto um den Hals. "Rational" wäre schon damals ein größerer Zukauf im Bereich Pharma gewesen, oder meinetwegen auch der Blick zu Syngenta.
      Das ungute Gefühl bleibt, dass auch diese Wette schiefgehen wird - bis zu vier Millarden sind extrem viel Geld für einen Konzern, der eigentlich keine Reserven mehr aufweist und den die Klageindustrie in den USA gerade bis auf die Knochen abnagt...
      Auf der Hauptversammlung, auf der Baumann die Entlastung verweigert wurde (und nach der er weiter auf seinem Sessel klebt, weil das AktG es zulässt), wurde ihm auch vorgeschlagen, er solle doch lieber Bienenzüchter werden... Als Aktionär der Bayer AG kann ich mich in Anbetracht des Kursverlaufs (Aktienkurs auf dem Niveau von vor 20 Jahren) und der miserablen Perspektive des Geschäfts (jaja, ich weiß, Corona ist schuld und die Wechselkurse) dem nur anschließen. ,.. Dies um so mehr, ob der hanebüchenen Ausreden von Herrn Baumann, der ernsthaft behauptet, "keinen Stockfehler" bei der Übernahme von Monsanto begangen zu haben und noch immer von hohen moralsichen Standards der (ehemaligen) Geschäftsführung von Monsanto faselt. Die Rahmenbedingungen des Standorts D sind schlecht, aber "Manager" vom Schlage Baumanns sorgen dafür, dass die Lichter endgültig ausgehen - und das dank D&O Versicherung sowie "Business Judgement Rule" ganz ohne persönliches Risiko.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%