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Kommentar Bei Corona-Lockerungen muss gelten: Vorrang für die Schulen!

Vor dem Corona-Gipfel werben die Wirtschaftsverbände für eine schnelle Öffnung der Geschäfte. Doch Vorrang sollte der Präsenzunterricht haben – die langfristigen Schäden wären sonst immens.
09.02.2021 - 08:57 Uhr 3 Kommentare
Immer mehr App-Hersteller entwickeln Programme, um die Konzentration bei Kindern zu fördern. Quelle: obs
Apps für die mentale Gesundheit

Immer mehr App-Hersteller entwickeln Programme, um die Konzentration bei Kindern zu fördern.

(Foto: obs)

Liest man die Stellungnahmen der Wirtschaftsverbände vor dem Corona-Gipfel am morgigen Mittwoch, erscheint es rätselhaft, dass es überhaupt jemals zu einer zweiten Welle der Pandemie kommen konnte. Nahezu jede Branche rühmt sich ihrer lückenlosen Schutzkonzepte.

Nahezu jede Branche behauptet, auch vor dem Lockdown vom Herbst kaum zum Infektionsgeschehen beigetragen zu haben. Nahezu jede Branche verweist auf die gewaltigen wirtschaftlichen Folgeschäden, die bei einer weiteren Schließung unvermeidlich seien.

Keine dieser Behauptungen ist falsch. Was auch daran liegt, dass wir in Deutschland ein Jahr nach dem Ausbruch der Pandemie dramatisch wenig über die wahren Infektionstreiber wissen.

Klar, in Pflegeheimen und bei Massenveranstaltungen in geschlossenen Räumen verbreitet sich das Virus rapide. Aber darüber hinaus? Gibt es kaum mehr als Mutmaßungen.

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    Dass die Infektionszahlen trotz des seit Januar geltenden Lockdowns nur qualvoll langsam sinken, deutet darauf hin: Viele Verbreitungswege liegen und lagen außerhalb der nun geschlossenen Geschäfte, Restaurants, Schulen und Freizeiteinrichtungen.

    Die Politik stellt das vor ein Dilemma. Die zweite Infektionswelle in Deutschland ist bei Weitem nicht überwunden. Die zunehmenden Virusmutationen machen die Pandemielage noch schwerer berechenbar. Und die Impfungen gehen viel zu langsam voran.

    Zeit für ein mutiges Werturteil der Politiker

    Gleichzeitig wächst der Druck aus der Wirtschaft, den Lockdown endlich zu lockern. Nach welchen Kriterien sollten die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten am Mittwoch über Öffnungen entscheiden?

    Präsenzunterricht vor Ladenöffnungen: Denn der Schulausfall hat milliardenschwer Folgeschäden. Quelle: Kostas Koufogiorgos für Handelsblatt
    Karikatur
    (Foto: Kostas Koufogiorgos für Handelsblatt)

    Die Naturwissenschaft kann hier wenig helfen, denn auch die Virologen wissen nicht, ob es nun eher die Buchhandlungen oder die Autohäuser waren, die bis zu ihrer Schließung zur Corona-Verbreitung beigetragen haben. Wir müssen daher bis auf Weiteres davon ausgehen: Jede Lockerung des Lockdowns wird tendenziell zu mehr Infektionen führen.

    Die Politiker müssen sich in dieser Lage vom Primat der Virologie ebenso frei machen wie von den lautstarken Lobbyistenstimmen – und ein mutiges Werturteil fällen: Welche der derzeit geschlossenen Bereiche sind gesellschaftlich so wichtig, dass sie trotz eines nicht gänzlich auszuschließenden Infektionsrisikos vorrangig geöffnet werden müssen? Das sind ganz sicher nicht die Autohändler und Textildiscounter – sondern die Schulen.

    Milliardenschwere Schäden ohne Präsenzunterricht

    Jede Woche ohne Präsenzunterricht richtet milliardenschwere Folgeschäden an, gegenüber denen alle anderen ökonomischen Auswirkungen der Coronakrise verblassen. Studien auf Basis der Kurzschuljahre der Sechzigerjahre zeigen: Bereits wenige Monate Schulausfall reichen, um das Lebenseinkommen der betroffenen Kinder um rund fünf Prozent sinken zu lassen. Eine Einbuße, die keineswegs gleichmäßig verteilt sein wird.

    Besonders betroffen sind die Schüler aus den sogenannten bildungsfernen Schichten – all jene, die keine Akademikereltern zu Hause haben, die mit ihnen den versäumten Stoff nachholen. Der sogenannte Digitalunterricht ist leider kein Ersatz. Auch deshalb, weil es die Kultusbehörden versäumt haben, für tatsächlich funktionierende Angebote zu sorgen. 

    Deshalb sollte beim Corona-Gipfel am Mittwoch nur eine Lockdown-Lockerung vorrangig beraten werden: eine unverzügliche Rückkehr zum Präsenzunterricht mit allen menschenmöglichen Schutzmaßnahmen.

    Die Ideen dazu liegen seit Monaten auf dem Tisch, gescheitert sind auch sie bislang am Attentismus der Kultusbürokratie: Anmietung größerer Klassenräume, Unterricht im Schichtsystem, mobile Luftfilter in den Schulgebäuden, regelmäßige Corona-Schnelltests für Schüler und Lehrer. Je nach Verfügbarkeit des Serums auch ein Vorrang für Lehrer bei Corona-Impfungen.

    Öffnungsperspektiven für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister müssen her 

    Doch auch Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleister sollten beim Gipfel am Mittwoch nicht nur vertröstet werden. Ihnen kann die Politik zumindest Öffnungsperspektiven aufzeigen. Vor allem die wachsende Verfügbarkeit von Corona-Schnelltests macht hier vieles möglich: Warum nicht den Besuch von Friseur, Restaurant oder Fitnessstudio an einen negativen Test oder einen Impfnachweis koppeln? Der Schnelltest könnte dann gleich am Empfangstresen angeboten werden.

    Auch die Liste der systemrelevanten Einzelhändler sollte sich die Politik noch einmal anschauen. Dass zum Beispiel öffentliche Leihbüchereien vielerorts geöffnet haben, private Buchhandlungen aber nicht, lässt sich unter dem Gesichtspunkt des Infektionsschutzes schwerlich rechtfertigen.



    Ein Stufensystem, wie es zum Beispiel die Ministerpräsidenten von Thüringen oder Schleswig-Holstein ins Gespräch gebracht haben, könnte ebenfalls helfen, den Unternehmen Planungssicherheit zu geben.

    Solch klare Grenzen, ab welchem Infektionsgeschehen welche Betriebe mit welchen Auflagen öffnen dürfen, würden zudem einen verbreiteten Vorwurf an die Politik ausräumen: dass die Regierungen nach politischen Opportunitäten mehr oder weniger willkürlich über das Schicksal ganzer Branchen entscheiden – mitsamt den Tausenden Existenzen, die von ihnen abhängen.

    Mehr: Druck auf Bund und Länder vor Spitzentreffen wächst

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    3 Kommentare zu "Kommentar: Bei Corona-Lockerungen muss gelten: Vorrang für die Schulen!"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • @ B. St.
      Also beim Thema Homeschooling kann ich nur den Kopf schütteln. Ihre Kinder besuchen wahrscheinlich ein Gymnasium. Denn aus meinem privaten Umfeld habe ich andere Erfahrungsberichte gehört und gesehen! Vor allem Grund- und Hauptschulen haben ein MASSIVES Problem beim Homeschooling. Ich habe von Freunden und Bekannten Geschichten gehört, wie während dem normalen Unterricht Jugendliche Shisha rauchen oder Bier trinken. Die Lehrer können dem nichts entgegensetzen und die Schüler machen sich über sie lustig. Außerdem habe ich Screenshots gesehen, wie Schüler sogenannte "Filter Add-ons" installieren um den Lehrer virtuell anders anzuzeigen. Oder wie während dem Unterricht auf einem anderen Tap oder Zweitgerät Computerspiele (hauptsächlich Fortnite) gespielt werden.

      Ich beneide aktuell keinen Lehrer um seinen Job.


      Meiner Meinung nach sollte die Politik die Zeit nutzen um den Bildungsplan im allgemeinen zu überarbeiten. Es sollten für alle Bundesländer die gleichen Anforderungen gelten. Jeder sollte am Ende die gleiche Abschlussprüfung bzw. Abitur schreiben. Bildungsunterschiede zwischen Nord und Süd führen zu Effizienzverlusten.

      Bildung ist keine Länder Sache. Wir brauchen keine 16 Bildungsminister, die alle ihren eigenen Stempel auf das System drücken wollen!

      Deutsch, Mathe, Englisch muss verpflichtend sein.
      Programmiersprachen müssen als zweite oder zumindest als dritte Fremdsprache anerkannt werden.
      Jedes Kind muss blind mit 10 Fingern an der Tastatur schreiben können.
      Es brauch ein Fach, welches den Umgang mit dem Internet erklärt inklusive Prävention, Mobbing etc.
      Wenn Gedichtinterpretationen und schriftliche Rechenwege als Allgemein Wissen zählen, dann müssen wirtschaftliche Grundlagen ebenfalls unterrichtet werden.

    • Schulen zu öffnen halte ich für keine gute Idee - aus meiner Sicht infizieren sich gerade jüngere Schüler gerne beim Toben und Spielen. Kleine Kinder haben es zudem eh nicht so mit der Hygiene und spucken und triefen aus der Nase. Infizierte Kinder tragen das Virus dann in die Familie - dort wird es gerne weiter verteilt. Im öffentlichen Verkehr, in Schulen, bei größeren Familienfesten und Gesangsfeiern wie Gottesdiensten sehe ich das größte Verteilungspotential für Viren.

      Wenn Homeschooling funktioniert und die "bildungsfernen" Schüler gut unterstützt werden, so spricht nichts dagegen. Zwar sollen Kinder spielen dürfen, doch kann auch die Gefährdungslage sich bezüglich der Alterklassen ändern. Insofern sollte mit allen Möglichkeiten dem Virus Einhalt geboten werden.

      Dass die Regierung bei Masken, Tests und jetzt auch beim Impfen so schmählich versagt, ärgert alle, nicht nur die Schüler. Was ist mit der Digitalisierung?????

    • Sehr geehrter Herr Rickens,

      meinen Sie das erst? Haben Sie die Zeit von September bis Weihnachten 2020 in den Schulen mitbekommen? Falls ja, dann auf einem anderen Planeten als ich und meine Kinder. Die Kinder tragen Masken im Unterricht (finde ich RICHTIG), sitzen aber direkt neben einander. In der Pause tun die Kinder was Kinder tun: toben, spielen, wild sein, quatschen, alles nur theoretisch mit Maske, da die Kinder daran verständlicherweise keinen Gedanken verschwenden. Die Kinder müssen Sport machen ohne Maske und ohne Abstand, auf dem Weg dahin aber zwingend eine Maske tragen (?). Der Schulbus ist voller als zu "normeln" Zeiten, da das Busunternehmen nur die Hälfte der Fahrer schickt um eine Reserve zu haben, wenn jemand "positiv" wird. Es ist einfach unmöglich Abstände an den Schulen einzuhalten, da dafür kein Platz da ist. Wo sollen denn angemietete Räume und deren Ausstattung herkommen? Seit Jahrzehnten werden die Schulen kaputt gespart und "schnipp" haben wir alles was wir brauchen gleich mehrfach? Wo leben Sie? Die Luftfilter bringen erwiesermaßen nicht viel. Schnelltests für Kinder und Lehrer? Jeder weiß, dass diese Test auch richtig angewandt eine hohe Fehlerqoute haben. Wer soll diese Tests denn machen?
      Ihr Kommentar ist ein Kommentar und damit Ihre Ihnen zustehende Meinung. Diese trieft aber nur so von Populismus. Jede verpasste Schulwoche kostet Einkommen? 1.: Zweifelhaft 2:Es wird keine Schulwoche verpasst. Im Wechselunterreicht wird die gleiche Menge Stoff verpasst wie im Homescooling. Lasst die Schulen zu, Homescooling funktioniert mittlerweile gut.
      Mit einem haben Sie Recht: Es findet leider eine Zweiteilung statt in Kinder bildungsnaher und -ferner Eltern. Das ist sehrbedauerlich, im Regelfall aber in unserem schlechten Bildungssystem auch im Präsenzunterricht nicht zu ändern. Das gilt es nun leider zu akzeptieren und nicht alle Kinder durch Gleichmachen um jeden Preis drunter leider zu lassen.
      Eine Antwort würde mich sehr freuen!

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