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Kommentar Bei der globalen Mindeststeuer darf es kein Lex Amazon geben

Die G7-Länder erwägen, Amazons lukratives AWS-Cloud-Geschäft für die Besteuerung getrennt zu betrachten. Das ist moralisch verständlich, aber juristisch äußerst fraglich.
08.06.2021 - 19:45 Uhr 2 Kommentare
Die Cloud-Tochter des Versandhändlers trägt wesentlich zum Konzernergebnis bei. Quelle: Reuters
Amazon Web Services

Die Cloud-Tochter des Versandhändlers trägt wesentlich zum Konzernergebnis bei.

(Foto: Reuters)

Gerechte Steuern sind ein hehres Ziel. Deshalb ist die Idee der G7-Länder richtig, dass Konzerne ihre Gewinne künftig auch dort versteuern sollen, wo sie ihre Umsätze machen und nicht nur dort, wo sie ihren Firmensitz haben. Das gilt auch für die großen amerikanischen Tech-Konzerne.

Der G7-Vorschlag sieht vor, dass Konzerne mit einer Gewinnmarge von mehr als zehn Prozent ein Fünftel ihrer Profite dort versteuern, wo sie ihre Umsätze machen. Und damit auch der notorische Steuer-Vermeider Amazon unter die neue Regelung fällt, erwägen die G7-Länder laut Medienberichten, Amazons lukratives Cloud-Geschäft von AWS getrennt zu betrachten.

Der Online-Konzern kommt nämlich trotz seines enormen Erfolgs nicht auf die zehn Prozent Gewinnmarge, die als Mindestgrenze gelten soll. Und das, obwohl Amazon mit seiner Cloud-Tochter AWS äußerst profitabel ist: Mit 13,5 Milliarden Dollar steuerte AWS im vergangenen Jahr fast zwei Drittel des operativen Gewinns von Amazon bei. Bei einem Umsatz von 45,4 Milliarden Dollar kommt AWS auf eine operative Rendite von knapp 30 Prozent. 

Da aber der klassische Onlinehandel längst nicht so gute Renditen abwirft und Amazon außerdem massiv in neue Bereiche wie zum Beispiel Gesundheit investiert, lag die Gewinnmarge im vergangenen Jahr insgesamt bei nur sechs Prozent. Der ausländische Fiskus würde also leer ausgehen, ganz egal wie viele Pakete die Trucks mit dem Smiley weltweit ausliefern.

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    Der Kniff mit der getrennten Betrachtung klingt genial. Moralisch ist es durchaus verständlich, dass man Amazon dort zur Kasse bitten will, wo es seine Geschäfte macht. Aber ob das juristisch wirklich durchzusetzen ist, ist fraglich.

    Mit der G-7-Lösung für die Amazon-Besteuerung droht ein bürokratisches Monster

    Bisher wird bei allen Konzernen das versteuert, was unterm Strich herauskommt. Je nach Geschäftslage und Zyklus finanzieren gut laufende Sparten die schwachen oft mit. Das ist Teil der Gesamtstrategie vieler Unternehmen und kann durchaus Sinn machen – gerade wenn es um neue Geschäftsfelder geht, die erst noch wachsen müssen, bevor sie rentabel werden. 

    Auch Amazon hat über lange Jahre seine Gewinne in immer neue Felder investiert und viel ausprobiert, bevor mit AWS eine enorm lukrative Geschäftssparte entstand. Diese Strategie war ein wichtiger Teil des Erfolgsgeheimnis von Amazon und diente nicht nur der Steuer-Vermeidung.

    Die neuen Steuerregeln müssen allgemein gültig sein und können nicht nur für Amazon gelten. Hieße das dann, dass man auch andere Konglomerate getrennt nach Sparten betrachten muss? Wer entscheidet das und wie genau soll man diese definieren? Und was würde das für deutsche Konzerne bedeuten, die international tätig sind ? Es droht ein bürokratisches Monster. Vielleicht wäre es einfacher, die Schwelle von zehn Prozent Gewinnmarge niedriger anzusetzen.

    Mehr: G7-Staaten einigen sich auf globale Mindeststeuer von mindestens 15 Prozent

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Bei der globalen Mindeststeuer darf es kein Lex Amazon geben"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Lachen sich doch schon schlapp. die Sichtbaren Gewinnmargen unter 10% zu drücken ist doch ein Kinderspiel. Lächerliche 15% ab dem ersten Euro und keine Ausnahmen, vielleicht kriegen wir Amazon dann zum Steuerzahlen.

    • Minister haben ja selten Ahnung. Die machen irgendwas „politisches“. Anders ist die Grenze von 10% Gewinnmarge nicht zu erklären. Solche Grenzen sind immer und überall unsinnig, schon deshalb weil die Summe um die es geht vom Multiplikator abhängt. Also nicht niedriger ansetzen sondern weg damit. Mit der 15% Mindeststeuer selbst habe ich Null Problem. Wir zahlen sowieso überall mehr. Was Scholz vermutlich nicht bedacht hat: viele deutsche Unternehmen machen die größten Umsätze nicht in Deutschland. Es wird ihn was kosten. Ich vermute dass das Ding sowieso im Sand stecken bleibt wenn mal genauer hingeschaut wird und andere beteiligt werden müssen.

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