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Kommentar Bei der Lufthansa-Rettung wird es nur Verlierer geben

Misstrauische Bürger, gestresste Mitarbeiter, verbitterte Aktionäre: Nach dem Ende des Stabilisierungspakets wird die Lufthansa ein schwächeres Unternehmen sein.
26.05.2020 - 17:08 Uhr Kommentieren
Der Konzern wird lange unter den Lasten des Hilfspakets leiden. Quelle: dpa
Lufthansa-Maschinen am Boden

Der Konzern wird lange unter den Lasten des Hilfspakets leiden.

(Foto: dpa)

Luftfahrt ist emotional. Und sie ist deshalb politisch – schon immer gewesen. Das zeigt sich in der Coronakrise besonders deutlich. Seit Wochen wird über das Rettungspaket für die Deutsche Lufthansa gestritten – erst innerhalb der Großen Koalition und nun zwischen der Bundesregierung und der EU.

Die Zeit, über das neun Milliarden Euro schwere Hilfspaket zu entscheiden, drängt. Die Liquidität der „Hansa“ schwindet von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde. Doch es sieht nicht nach einer schnellen Lösung aus. Die Brüsseler Wettbewerbshüter wollen heftige Auflagen durchsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel wiederum hat den Fall zur Chefsache erklärt und einen harten Kampf angekündigt.

Dabei war das, was nun geschieht, absehbar. So wie die Luftfahrt ist auch die in Europa marktführende Lufthansa hochpolitisch. Und das gleich in mehrfacher Dimension. Eine ist: Die Lufthansa bekommt zu spüren, dass die EU in Sachen Corona-Hilfen die Zügel anzieht. Anfang Mai verschärfte Brüssel die Beihilferegeln. Wer als Staat Eigenkapital zuschießt, muss sich auf Auflagen einstellen – so lautete die klare Botschaft.

Hinzu kommt: Brüssel bereitet das gewaltige Hilfsprogramm, das die deutsche Regierung aufgestellt hat und noch weiter aufstellen will, grundsätzlich Kopfzerbrechen. Dahinter steht die Befürchtung, dass die staatlichen Stützungsaktionen die ökonomische Spaltung innerhalb Europas verstärken werden. Das wird nun auf den Lufthansa-Fall übertragen. Deutschland ist die stärkste Wirtschaftsnation in Europa. Diese will mit einem großen Anteil bei der führenden Airline Europas einsteigen. Für die Wettbewerbshüter ist das eine bedrohliche Kombination.

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    Kredite für Condor und die Komplettverstaatlichung der Alitalia hatte die EU zuvor noch ohne große Einwände durchgewinkt. Das mag der eine oder andere bei der Lufthansa als ungerechte Behandlung empfinden. Doch eine Alitalia ist eine deutlich schwächere Fluggesellschaft. Sie befindet sich seit drei Jahren in Dauerinsolvenz. In Italien haben sich Billiganbieter wie Ryanair und Easyjet zudem einen großen Teil des Marktes geschnappt. Der Wettbewerb ist dort also groß. Und das zählt in Brüssel.

    Dazu gesellt sich eine weitere Dimension: Das milliardenschwere Hilfsprogramm für die Lufthansa reißt in Brüssel alte Wunden auf. Bis heute sieht man die Übernahme großer Teile der Air Berlin durch die Lufthansa skeptisch. Die „enge Abstimmung“ der Lufthansa-Führung mit der Bundesregierung bei der Insolvenz des Rivalen weckte damals Argwohn.

    Für die EU-Kommission muss der wochenlange Poker um die Rettung der Lufthansa ein Déjà-vu sein. Wieder wird hinter den Kulissen gedealt. Wieder entsteht der Eindruck, Teile der Regierung und der Politik kungeln mit der „Hansa“. Der lange Streit mag geholfen haben, einen noch größeren Zugriff des Staates auf die Lufthansa zu verhindern. Hilfreich war er mit Blick auf Brüssel aber nicht.

    Lufthansa erhält Neun-Milliarden-Euro-Unterstützungspaket der Bundesregierung

    Auch deshalb nicht, weil dort zum Teil dieselben Akteure sitzen, die schon den Fall Air Berlin behandelten. Etwa Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Das ist keine gute Voraussetzung für eine rasche Einigung, auch wenn die Beteiligten in Brüssel stets klarmachen, dass sie sich von solchen „Gefühlen“ nicht leiten lassen und rein nach Gesetz entscheiden.

    Am Ende wird es im Fall Deutsche Lufthansa nur Verlierer geben. Muss die Lufthansa Start- und Landerechte und vielleicht auch Flugzeuge an Billigrivalen abgeben, schwächt das den Konzern signifikant. Nicht nur gehen Umsatz und Einnahmen verloren. Der Wettbewerber wird mit niedrigen Preisen auch versuchen, der „Hansa“ die Kunden abspenstig zu machen. Entweder die Lufthansa zieht mit, oder man verzichtet auf Einnahmen.

    Sowieso wird der Konzern lange unter den Lasten des Hilfspakets leiden. Die Verzinsung für den Bund mag marktgerecht sein. Aber die Lufthansa hat in der Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt eine entsprechende Rendite erzielt, um die sich nun ergebende Zinsschuld zu bezahlen und die Hilfen zu tilgen. Also werden Investitionen leiden und wahrscheinlich auch die Mitarbeiter. Nach dem Ende des Stabilisierungspakets wird die „Hansa“ ein schwächeres Unternehmen sein.

    Das wiederum mag aus Sicht der EU-Kommission im Sinne des Wettbewerbs akzeptabel sein. Doch ob es wirklich sinnvoll ist, die Lufthansa zu zwingen, Verkehrsrechte an Billiganbieter abzugeben, ist zumindest fraglich. Aus Sicht des Preiswettbewerbs ist das noch schlüssig, unter Umweltgesichtspunkten aber sicher nicht. Immerhin gibt es in Brüssel hochfliegende Ziele in Sachen Klima, etwa den „Green Deal“.

    Und für die Aktionäre der „Hansa“ wird es bitter. Ihre Anteile werden stark verwässert, es wird vorerst keine Dividende geben, und das Kurspotenzial dürfte angesichts eines geschwächten Unternehmens eher bescheiden sein.

    Im Fall Deutsche Lufthansa hat sich keine Seite mit Ruhm bekleckert.

    Mehr: „Harter Kampf“ – Merkel lehnt Lufthansa-Auflagen aus Brüssel ab

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