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Union Jack im Regen

Viele Briten sind genervt, frustriert und wütend.

(Foto: dpa)

Kommentar Beim Brexit droht der GAU

Der bevorstehende Rücktritt der britischen Premierministerin wird das Brexit-Chaos vergrößern. Drei Jahre nach Referendum sind die Briten frustriert.
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Egal, ob am Tresen des lokalen Pubs, im Bus oder an der Supermarktkasse – in Großbritannien trifft man überall auf Bob: einen Briten, der „bored of Brexit“ ist. Drei Jahre nach dem EU-Referendum über den Ausstieg Großbritanniens aus der EU sind die Briten genervt, frustriert und wütend. Nur die britische Premierministerin Theresa May schleppt sich weiter durch das Brexit-Chaos wie ein altes, verwundetes Schlachtross – und das, obwohl sie bereits dazu gezwungen wurde, demnächst ihr Amt aufzugeben.

Anfang Juni will die Noch-Regierungschefin ihren Brexit-Deal ein viertes Mal im Parlament zur Abstimmung vorlegen. Dabei werde sie „einen gewagten Vorstoß“ machen, kündigte sie in einem Gastbeitrag in der „Sunday Times“ an. Sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, die zahlreichen Kritiker und „Bobs“ auf den froschgrünen Sitzreihen des Londoner Parlaments zu überzeugen. Aber um das zu schaffen, braucht Theresa May wohl ein Wunder.

Schließlich hat die Spitze der Opposition alle Gespräche über einen Brexit-Kompromiss in der vergangenen Woche für gescheitert erklärt und beendet. Und auch ihr Bündnispartner DUP sowie Abgeordnete aus ihrer eigenen Partei werden wieder gegen Mays Deal stimmen.

Viele von ihnen warten voller Ungeduld darauf, dass die Premierministerin zurücktritt, in der Hoffnung, dass ihr Nachfolger dem Brexit-Chaos endlich ein Ende bereitet. Aber das wird nicht passieren. Im Gegenteil, es dürfte alles noch schlimmer werden.

Tritt Theresa May zurück, wird innerhalb der Partei über ihren Nachfolger abgestimmt. Es gibt einen klaren Favoriten: Boris Johnson. Mehrere Faktoren sprechen dafür, dass der ehemalige Außenminister auch tatsächlich der nächste Premier werden könnte.

Zum einen brauchen die konservativen Tories einen Brexit-Befürworter an ihrer Spitze. Die neue Brexit-Partei droht bei den Europawahlen stärkste Kraft zu werden, deren Wähler müssen sich die Konservativen zurückholen. Zum anderen ist „BoJo“ bei der Parteibasis populär und im Land bekannt.

Auch wenn Boris Johnson im In- und Ausland mit provokanten Aussagen immer wieder angeeckt und in seiner Fraktion nicht sehr beliebt ist, werden sich die konservativen Abgeordneten mit ihm bessere Chancen bei der nächsten britischen Parlamentswahl ausrechnen. Gut möglich also, dass Theresa May die Bühne frei macht für Brexit-Boris.

Aber ganz gleich, wer nächster Premier wird: Er (oder sie) wird als Erstes nach Brüssel reisen und erklären, alles bisher Vereinbarte neu verhandeln zu wollen – oder Großbritannien werde ohne Deal aus der EU ausscheiden. Wer gehofft hat, dass das Brexit-Chaos bald endet, hat sich getäuscht. Es droht der Brexit-Super-GAU.

Mehr: Theresa May kämpft weiter für ihren Brexit-Deal. Im Juni stimmen die Abgeordneten erneut ab. Labour-Chef Corbyn ist weiterhin skeptisch.

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