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Kommentar Beim Impfstoff sollten keine Alleingänge unternommen werden

Der Impfnationalismus ist schädlich für alle anderen. Statt Impfstoff-Hersteller für ihr Handeln zu kritisieren, sollte die EU ihnen jetzt Unterstützung anbieten.
21.01.2021 - 17:37 Uhr Kommentieren
Israel ist einer der Vorreiter beim Impfen - und dem Impfnationalismus. Quelle: AFP
Impfkabinen in Israel

Israel ist einer der Vorreiter beim Impfen - und dem Impfnationalismus.

(Foto: AFP)

Israels umstrittener Premierminister Benjamin Netanjahu feiert sich mit seinen Impferfolgen im Fernsehen selbst. Israel sei das Land mit der höchsten Zahl an Corona-Impfungen, gemessen an der Bevölkerungszahl. Und Netanjahu begründet dies damit, dass er persönlich regelmäßig Albert Bourla, den Pfizer-Chef, anrufe, um sich Dosen des von der Mainzer Firma Biontech mit Pfizer entwickelten Vakzins zu sichern. Bourla, sagte Netanjahu, sei mittlerweile „ein „Riesenfreund des Staates Israel“ und „sehr stolz“ auf seine jüdisch-griechische Abstammung.

Dies sagt zweierlei: Der Impfnationalismus – also dass einzelne Länder sich an anderen vorbei Impfstoffe sichern – ist schädlich für alle anderen. Das hat die EU richtig erkannt und zumindest für Europa so einen nationalen Überbietungswettbewerb zulasten des gesamten Kontinents ausgeschlossen. Denn letztlich kann die Pandemie nur beendet werden, wenn weltweit genügend Menschen geimpft sind. Da ist Impfnationalismus schädlich – sogar für das eigene Land.

Aber die zweite Lehre ist, dass die EU-Kommission und die EU-Gesundheitsminister wie Jens Spahn, die über die europäische Impfstrategie und die Bestellungen der Vakzindosen ja maßgeblich entschieden haben, viel zu zögerlich und risikoscheu waren.

Hilfeleistung für Europa

Und wohl bis heute sind. Denn wo ist die Neubewertung der potenziellen Hersteller neuer Impfstoffe, bei denen auch eingekauft werden könnte? So will Russland gerade seinen Impfstoff „Sputnik V“ in der EU zulassen. Auch in andere Länder kann man schauen, ohne sich einen Zacken aus der Krone zu brechen.

Und warum rufen EU- oder deutsche Vertreter nicht auch regelmäßig beim Pfizer-Chef an, der ein in Mainz entwickeltes Präparat vertreibt? Nicht, um sich an anderen vorbeizudrängeln, aber um die vereinbarte Belieferung Europas sicherzustellen.

Bekannt geworden sind solche Anstrengungen nicht. Nachfragen und auf bestehende Verträge pochen ist wichtig in einer Pandemie. Leichtfertig Unternehmen anprangern und ihnen die Schuld für politische Versäumnisse zuschieben ist es nicht.

Vielmehr sollten die EU und die Mitgliedstaaten ausloten, wo und wie sie Hilfe leisten können für mehr Impfstoffproduktion in Europa. Das ist sogar die Vorstufe dafür, endlich wieder mehr lebensnotwendige Arzneimittel in Europa statt am Ende sehr langer Lieferketten in Asien herstellen zu lassen.

Das Wichtigste aber ist, nach der Rückkehr der USA in die Weltgesundheitsorganisation unter dem neuen Präsidenten Joe Biden jetzt eine ausschließlich an Dringlichkeit und Fakten orientierte globale Impfstrategie festzuzurren. Die dann aber nicht durch nationale Alleingänge hintertrieben wird.

Mehr: Kanzlerin Merkel will Impfangebot für alle bis spätestens Ende September machen

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