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Kommentar Beim Thema digitale Bildung lohnt sich ein Blick nach Israel

In deutschen Unternehmen fehlen Fachkräfte. Um den Mangel zu beheben, könnten sie von Israel lernen: Digitalisierung hat dort nationale Priorität.
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In Israel steht in der Schule neben Chinesische schon früh Programmieren auf dem Stundenplan der Kinder. Quelle: IMAGO
Ein Schüler beim Chinesischunterricht in Tel Aviv

In Israel steht in der Schule neben Chinesische schon früh Programmieren auf dem Stundenplan der Kinder.

(Foto: IMAGO)

Es gehört zum Start-up-Dasein beinahe so dazu wie der obligatorische Kickertisch: die Klage über den Mangel an Fachkräften. Wer mit Start-up-Gründern oder Digitalunternehmern spricht, der hört landauf, landab vom großen Mangel an digitalen Spezialisten – also Softwareentwicklern oder Programmierern. Und während eine große Lösung nicht in Sicht ist, droht bereits wirtschaftlicher Schaden. Es ist höchste Zeit, sich etwas abzuschauen.

Israel etwa hat ein vergleichbares Problem. Auch hier beklagen Unternehmer den Mangel an Talenten. Die Gründe sind allerdings etwas anders gelagert: Das Tech-Know-how des Landes hat Valley-Größen wie Amazon, Apple oder Facebook in den kleinen Staat am Mittelmeer gelockt. Und diese Unternehmen besitzen nicht nur eine gewaltige Strahlkraft als Arbeitgebermarke, sie zahlen auch deutlich besser als kleine Start-ups aus Tel Aviv.

Mit knapp acht Millionen Einwohnern verfügt Israel über einen überschaubaren Pool an Arbeitskräften. Viele verlegen deshalb ihre Entwicklerkapazitäten ins osteuropäische Ausland. Experten im Land warnen: Nachfrage und Angebot bei Tech-Jobs klaffen bereits um etwa 15.000 Köpfe auseinander. Für das rohstoffarme Land ist die Tech-Branche einer der wichtigsten Wirtschaftszweige.

In Deutschland sollte nun wieder die jüngste Studie „Start-up-Unternehmen in Deutschland 2018“ der Unternehmensberatung PwC aufhorchen lassen: So rechnen zwar zwei Drittel der heimischen Start-ups mit einem Umsatzwachstum, allerdings deutlich zurückhaltender als noch im Jahr zuvor.

Grund für die sinkende Euphorie könnte auch der Fachkräftemangel sein, so die Studie: Immerhin 47 Prozent der Gründer weisen den als ihr Hauptproblem aus – angeführt wird die Liste der Mangelberufe von Programmieren, IT-Sicherheitsexperten und Entwicklern. Besonders dramatisch: Eigentlich würden rund 60 Prozent der Unternehmer gerne personell aufstocken.

Und nicht nur für Start-ups ist der Mangel ein Problem. In Zeiten, in denen sich jedes Unternehmen, egal ob Mittelständler oder Dax-Konzern, auf den digitalen Wandel einstellen muss, ist Eile geboten. Niemand glaubt mehr, dass diese Digitalisierung an seinem Unternehmen und Geschäftsmodell vorbeigehen könnte. Entwickler sind mittlerweile so branchenunabhängig gesucht wie Buchhalter. Eine Lösung des Personalmangels ist überfällig.

In Israel lernen Schülerinnen und Schüler früh das Programmieren

Dabei lohnt sich ein Blick nach Israel, wo das Thema längst nationale Priorität hat. Mit tatkräftiger Unterstützung der Universitäten werden überall im Land Kurse angeboten, in denen Schülerinnen und Schülern das Programmieren und digitale Kenntnisse wie etwa im Bereich Cybersicherheit nähergebracht werden sollen.

In Tel Aviv eröffnete die Stadtverwaltung zuletzt den „Sarona Hub“ nahe dem gleichnamigen Areal in der Innenstadt, in dem sich viele Start-ups und Tech-Konzerne niedergelassen haben. In den Räumen treffen sich Schülerinnen und Schüler, um an Projekten und Ideen zu arbeiten. Die jeweiligen Betreiber laden mehrmals die Woche erfolgreiche Gründerinnen und Gründer, aber auch Experten zu Themen wie etwa Softwareentwicklung ein.

Und auch in der höheren Bildung ist der IT-Sachverstand Thema: An manch einer israelischen Universität steht „Cybersecurity“ genauso im Fächerverzeichnis wie Rechts- oder Wirtschaftswissenschaften.

Zudem wird in dem Land noch ein spezielles Defizit in der Digitalisierung adressiert: der eklatante Mangel an Frauen. Selbst in Israel, wo Männer und Frauen gemeinsam in der Armee dienen und wo die Armee als Kaderschmiede zur Ausbildung von Tech-Kräften gilt, herrscht Nachholbedarf. Von den Programmierern sind Schätzungen zufolge gerade einmal 27 Prozent weiblich, in den Cyber-Eliteeinheiten des Militärs dienten gerade einmal zwölf Prozent Frauen.

Auch das soll sich ändern: Mit der Initiative „Cyber Girlz“ wollen private Initiatoren, unterstützt von Schulen und ehemaligen Armeeabsolventinnen, mehr Mädchen an den Rechner bringen. Die Zahl von derzeit rund 2 000 Teilnehmerinnen soll weiter steigen, das Programm auf Schulen überall im Land ausgeweitet werden.

Klar ist: Für Israel ist diese Ausbildung sogar überlebenswichtig – wenn sich der Krieg digitalisiert, braucht man die richtig ausgebildeten Soldaten. So kritisch ist es hierzulande nicht. Dennoch kann das Engagement als Vorbild gelten. Wenn Deutschland auch in Zukunft seine Wirtschaftskraft und Unternehmen ihre Marktführerschaft behalten wollen, braucht es Initiative und ungewöhnliche Wege

Neben Mathe, Geschichte oder Biologie sollte Informatik in den Lehrplan. Darauf allein zu warten, das wäre allerdings riskant. Etablierte Unternehmen wie Start-ups müssen selbst helfen, den Mangel an digitalen Experten zu beheben.

Wenn schon Schülerinnen und Schüler Lust aufs Codieren bekommen, ist es später viel einfacher, sie für digitale Jobs zu gewinnen.

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