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Kommentar BMW, Daimler, VW, Lufthansa – Die Zahl niedrig bewerteter Unternehmen wächst stetig

Der schwächelnde Dax drückt die Stimmung an der Börse. Und es bleibt wohl eine Illusion, dass der deutsche Leitindex schon bald wieder steigen wird.
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Die Schieflage des Deutschen Aktienindex macht die Unternehmen immer preiswerter. Quelle: AFP
Dax

Die Schieflage des Deutschen Aktienindex macht die Unternehmen immer preiswerter.

(Foto: AFP)

Wer vor knapp zwei Jahren auf den Dax setzte, hat bis heute nichts gewonnen. Seit Jahresbeginn verlor Deutschlands wichtigster Börsenindex mit den Aktien der 30 größten börsennotierten Unternehmen zehn Prozent. Auffällig ist, dass viele hochglobalisierte Industriekonzerne mit Umsatzanteilen im Ausland von 80 Prozent und mehr besonders unter Druck stehen.

Der Zulieferer Continental, der Pharmaproduzent Bayer und der Baustoffriese Heidelberg Cement verloren binnen eines Jahres rund ein Drittel an Wert. Diese und die meisten anderen Unternehmen verdienen aber prächtig. Rund die Hälfte der Dax-Konzerne dürfte 2018 so viel wie noch nie verdienen. Die Kurse fallen dennoch.

Ein Grund ist der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Handelskonflikt. Viele Investoren argwöhnen, dass die Konzerne, die jahrelang enorm von der Globalisierung profitiert haben, mit ihren weltweit verzweigten Lieferketten besonders unter den neuen Zöllen und Gegenzöllen leiden werden. Die Sorgen mögen berechtigt sein, nur zeigen die bisherigen Bilanzen diese Schwächen allenfalls in homöopathischen Dosen.

Wenn in den letzten zehn Wochen des Jahres keine dramatischen Ereignisse den Welthandel lahmlegen, dann werden die 30 Dax-Konzerne ihren im Vorjahr um mehr als 50 Prozent auf gut 95 Milliarden Euro gesteigerten Rekord-Nettogewinn knapp wiederholen. Das ist kein schlechtes Ergebnis.

Doch der Dax notiert auf demselben Niveau wie vor zwei Jahren, als die 30 Unternehmen nicht 95, sondern weniger als 60 Milliarden Euro verdienten. Diese Schieflage macht die Unternehmen immer preiswerter. Covestro beispielsweise verdient sechsmal so viel wie noch vor drei Jahren, wird seinen Rekordgewinn aus dem Vorjahr mit großer Wahrscheinlichkeit übertreffen und hat auch in diesem Jahr seine Prognose erhöht. Doch die Aktie des Spezialchemiekonzerns hat seit dem Spätwinter 35 Prozent verloren. Wer heute die Bayer-Ausgliederung kaufen würde, müsste für sie nur den sechseinhalbfachen Jahres-Nettogewinn bezahlen. So preiswert ist weltweit kein Chemieunternehmen ähnlicher Größe.

Die Zahl niedrig bewerteter Unternehmen wächst stetig, wie auch BASF, Bayer, BMW, Daimler, VW und die Lufthansa zeigen. Der Dax mit seinen 30 Konzernen ist inzwischen so preiswert wie seit mehr als sechs Jahren nicht mehr. Und das trotz einiger Ausreißer nach oben, wozu Adidas, Beiersdorf und vor allem Wirecard zählen.

Unter allen großen Börsenindizes in Amerika, Asien und Europa sind nur die Aktien in Großbritannien und Italien noch etwas günstiger als die Titel aus dem Dax. Aus gutem Grund: Anleger wittern einen Konjunkturabschwung angesichts des bevorstehenden Austritts aus der Europäischen Union (Großbritannien) oder ein Wiederaufflammen der Schulden- und Finanzkrise (Italien).

Von solchen Szenarien ist Deutschland weit entfernt. Und doch bleibt es wohl eine Illusion, dass der Dax nur aus einer irren Laune der Investoren heraus so niedrig bewertet ist – und schon bald wieder steigen wird. Aus zwei Gründen: Anleger spekulieren nicht auf die Gegenwart sprudelnder Rekordgewinne, sondern auf die Zukunft mit möglicherweise weniger hohen Erträgen angesichts des weltweit wachsenden Protektionismus mit Zöllen und Handelskonflikten. Die Globalisierung gerät erstmals seit Beginn ihres Siegeszuges in den 80ern des vorigen Jahrhunderts ins Stocken. Die daraus entstehenden Unsicherheiten lasten heute auf den Kursen.

Darüber hinaus gilt die simple Börsenregel, wonach die Aktienkurse hierzulande von den Launen der Wall Street abhängig sind. Denn mangels deutscher Aktionäre haben vor allem internationale Investoren ihr Geld in den Dax-Konzernen angelegt. Sie ziehen es gewöhnlich dann ab, wenn in ihrem Heimatmarkt – das ist oft der amerikanische – die Aktienkurse fallen und so den Liquiditätsbedarf erhöhen.

Solch ein Szenario ist nach zehn Jahren Börsenboom in den USA sehr real. Erstens, weil hier die Aktienkurse schneller gestiegen sind als die Firmengewinne. Das macht US-Aktien teuer und damit anfällig. Zweitens, weil die Renditen für amerikanische Staatsanleihen seit dem Ende der Politik des billigen Geldes steigen. Dieser Effekt setzt eine Verlagerung der Anlegergelder in Bewegung: hin zu den lukrativeren Anleihemärkten, weg von den US-Börsen. Sobald die Wall Street deshalb in den Sinkflug übergeht, wird auch der Dax (weiter-)fallen. Da helfen dann auch keine unterbewerteten Aktien.

Ganz umsonst ist der Hinweis auf den preiswerten Dax aber nicht. Langfristig setzen sich Aktien guter Unternehmen immer durch. Vor allem zu Beginn eines neuen Aufschwungs, wenn Anleger auf der Suche nach lukrativen und längerfristigen Anlagen sind. In solch einer Phase – das zeigten eindrucksvoll die Aufschwünge nach 2003 und 2009 – entwickeln sich unterbewertete Börsenindizes und deren preiswerte Aktien besonders gut. Und davon gibt es im Dax jetzt eine reiche Auswahl.

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  • Keine schlechte Betrachtung von Ulf Sommer! Für meinen Geschmack hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.

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