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Kommentar Boeing 737 Max kann wieder abheben, aber keiner will den Jet haben

Das 737-Max-Desaster von Boeing ist ein Lehrstück darüber, was passiert, wenn Unternehmen das Aktionärsinteresse über langfristiges Denken stellen.
18.11.2020 - 17:12 Uhr Kommentieren
Das Modell darf zwar wieder abheben, aber das Vertrauen ist weg. Quelle: AFP
Inspektion einer 737 Max

Das Modell darf zwar wieder abheben, aber das Vertrauen ist weg.

(Foto: AFP)

Zwanzig Monate nach dem Flugverbot wegen zweier tödlicher Abstürze darf die neue Boeing 737 Max wieder abheben. Doch jetzt will sie keiner mehr kaufen. Nun rächt sich das kurzfristige Denken der Vergangenheit: Weil Boeing in den vergangenen Jahren die Zufriedenheit der Aktionäre über die Investitionen in neue Modelle und in die Sicherheit gestellt hat, fehlt auch für die Zeit nach der Pandemie ein überzeugendes Modell.

Mitten in der Coronakrise sind neue Flugzeuge ohnehin kaum gefragt. Aber selbst wenn Airlines neue Maschinen ordern: Warum sollten sie ausgerechnet ein Modell nehmen, das schon zweimal abgestürzt ist und nur durch neue Software stabil gehalten wird?

Es ist angesichts des Coronavirus schon so schwer genug, Passagiere davon zu überzeugen, in einen Flieger zu steigen. Wenn sich die Kunden dann auch noch Sorgen machen müssen, ob der Computer den Anstiegswinkel richtig berechnet und gegensteuert, dann bleiben sie lieber gleich am Boden.

Die Probleme reichen über Jahre zurück: Weil die Konkurrenz des Airbus A320 Neo drohte, hat Boeing lieber seinen Bestseller 737 aufgerüstet, als ein neues Modell zu entwickeln, was länger gedauert hätte. Doch die größeren Motoren brachten Probleme mit sich, die letztlich zu den Abstürzen führten.

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    Wie im Nachhinein bekannt wurde, hat Boeing dabei bereits in der Entwicklung an der Sicherheit gespart – und auch bei der Schulung der Piloten von Kunden wie Lion Air. Dabei hat es Boeing verpasst, ein komplett neues Schmalrumpf-Modell zu entwickeln, das mit dem A320 Neo konkurrieren könnte.

    Boeing muss jetzt für die Fehlentscheidungen büßen

    Das alles geschah, um den kurzfristigen Gewinn möglichst hoch zu halten und die Aktionäre zufriedenzustellen. Die konnten sich über hohe Dividenden und Aktienrückkäufe freuen. Nach einer Studie des Aktienrückkauf-Experten Bill Lazonick hat Boeing zwischen 2009 und 2018 insgesamt 121 Prozent seiner Gewinne in den Kauf eigener Aktien gesteckt. Solche Finanzmarkttransaktionen dienen allein den Aktionären und Managern, nicht dem Unternehmen.

    Heute muss Boeing für seine falschen Prioritäten büßen: Der Konzern schätzt die Kosten für das 737-Max-Debakel auf insgesamt 20 Milliarden Dollar. Darin sind die schätzungsweise zwei Milliarden Dollar für die Familien der Opfer noch nicht enthalten. Das ist mehr als doppelt so viel, wie Boeing in seinem absoluten Rekordjahr 2018 verdient hat.

    Als die einflussreiche Organisation „Business Roundtable“ im August 2019 eine bemerkenswerte Abkehr vom bisherigen Verständnis des Shareholder-Value verkündete, fehlte unter den 181 Unterschriften die des damaligen Boeing-CEOs Dennis Muilenburg. Es bleibt zu hoffen, dass der seit dem Jahreswechsel regierende David Calhoun anders denkt.

    Mehr: Erlaubnis der US-Flugaufsicht: Boeing 737 Max darf wieder starten

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