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Kommentar Börsen-Anleger wiegen sich in falscher Sicherheit

Anleger sollten sich durch Kursgewinne nicht täuschen lassen: Dem Aktienmarkt stehen harte Zeiten bevor. Das Risiko eines No-Deal-Brexit ist nicht eingepreist.
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Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist in der aktuellen Börsen-Rally bislang nicht eingepreist. Quelle: Reuters
Brexit

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ist in der aktuellen Börsen-Rally bislang nicht eingepreist.

(Foto: Reuters)

Der Sturm Eberhard ist über Deutschland hinweggefegt und hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Dem Aktienmarkt könnte bald Ähnliches blühen. Ein näher rückender ungeordneter Ausstieg der Briten aus der Europäischen Union, ein Hard Brexit, ist bislang weder an den Börsen in Deutschland noch im Rest Europas wirklich eingepreist.

Dass der in Brüssel gefundene Kompromiss über die Grenze der Briten zu Irland ausreicht, um die Märkte auf Dauer zu beruhigen, darf bezweifelt werden. Anleger sollten sich nicht täuschen lassen: Den Aktienmärkten stehen schwere Zeiten bevor – und das nicht nur wegen des Brexits.

Die hohen Kursgewinne an den Börsen gaukeln den Anlegern eine Sicherheit vor, die es nicht gibt. Doch das Gute vorweg: Wer Anfang des Jahres mutig in Aktien sein Geld anlegte, der kann sich für den Rest 2019 zurücklehnen.

In den ersten beiden Monaten wurde ein Gewinn erzielt, für den Anleger normalerweise ein Jahr benötigen. Allerdings müssen sie die prozentual zweistellige Rendite absichern. Das geht etwa über Gewinnmitnahmen oder mithilfe von abgeleiteten Wertpapieren, den Derivaten.

Vor allem wer Anfang des Jahres in US-Aktien investiert hat, darf sich freuen. Der Januar 2019 war gemessen am Index S&P 500 der beste Jahresstart seit 1987. Er folgte direkt auf den schlechtesten Dezember seit 1931. Der Stimmungswechsel folgte einem Richtungswechsel der Geldpolitik der US-Notenbank Fed. Fed-Chef Jerome Powell beruhigte die Börsianer mit der Botschaft: Die Notenbank habe keine Eile, angesichts der globalen Risiken die Zinsen anzuheben.

Gleichzeitig gab es Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und China, um den Handelsstreit aus der Welt zu schaffen. Vorhandene Sorgen wurden vor diesem Hintergrund einfach verdrängt. Zu Unrecht.

Das gilt etwa für die Konjunktur in Europa und speziell für Deutschland. Stimmungsindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex legen nahe, dass die heimische Wirtschaft im ersten Halbjahr weiter stagnieren wird. Nur ein stabiler Konsum und Sonderfaktoren wie ein kräftiger Anstieg in der Autoproduktion können ein leichtes Plus beim Wirtschaftswachstum bringen.

Rezessionsgefahr ist nicht gebannt

Die Gefahr einer Rezession ist damit nicht verdrängt. Die Auftragseingänge sind in den vergangenen zwölf Monaten um rund fünf Prozent gefallen. In der Vergangenheit war das oftmals ein Zeichen für eine schrumpfende Wirtschaft. Die ohnehin schon reduzierten Gewinnerwartungen für die Unternehmen würde das weiter reduzieren, was für fallende Aktienkurse sorgen dürfte.

Viel wird auch von China abhängen. Hier hat die Regierung Maßnahmen angekündigt, die die Wirtschaft stärken sollen. Es geht um niedrigere Steuern, eine lockerere Geldpolitik und Investitionen in die Infrastruktur. Greifen die Maßnahmen tatsächlich, hilft das Deutschland mit seinen starken Exporten nach China. Doch kommt es so weit?

Und da ist auch noch der Handelsstreit. Zwar sah es zuletzt nach einer Lösung aus. Aber machen wir uns nichts vor: US-Präsident Donald Trump ist und bleibt unberechenbar. Ein Scheitern wäre für die Börsen weltweit verheerend.

Ohnehin wird sich Trump die Europäer und speziell die deutsche Autoindustrie nach einer Einigung mit den Chinesen vornehmen. Zwar ist das Thema derzeit in den Hintergrund gerückt. Doch es wird mit Sicherheit erneut hochkochen und zusammen mit dem Brexit seine Spuren an den Börsen in der Form fallender Kurse hinterlassen.

Ein schwieriges Umfeld für Anleger, die sich häufiger auf starke Kursschwankungen einstellen müssen, die bei einzelnen Aktien prozentual zweistellig sein können. Früher waren derartige Ausschläge äußerst selten. Schuld sind die börsennotierten Indexfonds.

EZB-Spielraum ist begrenz

Blackrock und Vanguard halten über die sogenannten ETFs bereits einen Anteil von neun Prozent im Schnitt an den Unternehmen des Deutschen Aktienindex. Das nimmt einerseits Liquidität aus dem Handel und erhöht andererseits die Ausschläge in Reaktion auf neue Nachrichten. Gleichzeitig bleibt der Spielraum der Europäischen Zentralbank begrenzt nach der jüngsten Lockerung, um dem Markt zu helfen. Die Geldpolitik stößt an ihre Grenzen in Europa.

Für Anleger bedeutet das, dass sie verstärkt Alternativen zu Aktien nutzen müssen. Nachdem Anleihen angesichts der Minizinsen keine Option sind, sollte der Blick etwa in Richtung alternativer Investments gehen. Beteiligungsfonds von Private Equity etwa kaufen Unternehmen und bringen sie auf Vordermann.

Die erzielbaren Renditen sind beachtlich. Auch der Einstieg in Hedgefonds, die etwa auf steigende und fallende Wertpapierkurse wetten, ist inzwischen für Kleinanleger möglich. Wer sein Vermögen parken will, um nach einem Kursrutsch an den Börsen wieder einzusteigen, kann ein Tagesgeldkonto wählen.

Und Gold bleibt in stürmischen Zeiten ein sicherer Hafen. Panik jedoch müssen die Anleger vermeiden, wenn die Börsen einbrechen. Dann lieber viel Geduld mitbringen. Die Kurse steigen wieder.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Börsen-Anleger wiegen sich in falscher Sicherheit"

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  • Sehr geehrter Herr Landgraf,

    Sie präsentieren viele Fakten und Überlegungen, denen man vorbehaltlos zustimmen muß. Sehen Sie mir nach, dass ich mich den vielen Einzelheiten von vornherein nicht zuwende weil ich zu dem kriegsentscheidenden Thema kommen möchte.

    Auf sehr lange Sicht gesehen ist eine Aktienanlage wahrscheinlich die mit Abstand ertragreichste Form einer Vermögensanlage. Aber auf sehr lange Sicht gesehen sind wir aber wahrscheinlich alle tot. Nimmt man hingegen einen Zeitraum von nur wenigen Jahren ins Blickfeld, so sind die Wertschwankungen einer Aktienanlage enorm. Sie sind so riesig, dass die meisten Menschen sie überhaupt nicht aushalten können. Wollten sie es dennoch versuchen, würden sie in kurzen Abständen immer wieder in eine Depression verfallen.

    Vor dem Hintergrund dieser Problemlage ist es angemessen, sein Vermögen auf verschiedene Anlageklassen aufzuteilen. Sie selbst kommen darauf mehrfach zu sprechen. Aber mit nur ganz wenigen Pinselstrichen kann selbst ein ganz großer Maler kein Kunstwerk schaffen. Dazu bedarf es sehr viel mehr an Zeit und Mühe.

    Kurz und gut: Der Weg zum Anlageerfolg heißt "asset allocation". Alle Vermögensverwalter wissen dies. Aber die Redakteure Ihres Blattes haben nie davon gehört.