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Kommentar Brandherd in Bolivien: Morales hat sich die Krise selbst eingebrockt

Dem Staat droht eine Existenzkrise, doch ein Machtvakuum kann sich das arme Land nicht erlauben. Neuwahlen müssen Stabilität bringen – für die ganze Region.
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Die kritische politische Lage droht die gesamte Region zu erfassen. Quelle: dpa
Proteste in Bolivien

Die kritische politische Lage droht die gesamte Region zu erfassen.

(Foto: dpa)

Die Vorgänge in Bolivien erinnern an eine vergangene Zeit in Südamerika, als dort noch regelmäßig geputscht wurde. Alleine in Bolivien, dem ärmsten Land der Region, ergriffen die Generäle 45 Mal die Macht seit der Unabhängigkeit 1825. Dennoch sollte man die Flucht des Präsidenten Evo Morales ins mexikanische Asyl auf Druck der Militärs nicht gleich in die Putsch-Schublade stecken - so wie das der britische Labour-Chef Jeremy Corbyn oder die demokratische Abgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez in den USA jetzt machen.

Morales hat sich die schwere Krise selbst eingebrockt. Er beugte mehrfach die Verfassung, um sich jetzt zum vierten Mal wählen zu lassen, obwohl nur zwei Mandate erlaubt sind. Die Bolivianer hatten ihm in einem Plebiszit 2016 klar gesagt, dass sie einen Machtwechsel wollen. Doch dann fälschte Morales vor drei Wochen das Wahlergebnis vom 20. Oktober und erklärte sich zum Präsidenten – wie die Organisation der Amerikanischen Staaten jetzt überraschend klar feststellte.

Die Militärs empfahlen Morales zurückzutreten, weil sie wie die Polizei nicht auf Demonstranten schießen würden. Dass Morales sich nun als Opfer eines Putsches sieht, ist das übliche Narrativ, wenn Linke die Macht verlieren in Lateinamerika.

Wichtig für die Region ist jetzt, dass die Bolivianer mit Neuwahlen schnell das politische Vakuum beenden. Doch es wird schwierig, eine Regierung zu finden, hinter der sich alle versammeln können: Da ist einerseits die weiße Minderheit, die vor allem im tropischen Flachland um Santa Cruz die wirtschaftliche Macht konzentriert.

Auf der anderen Seite steht die indigene Mehrheit der Bevölkerung in den Anden, die politisch dominiert. Morales konnte über seine fast 14 Regierungsjahre hinweg ein Gleichgewicht im Land herstellen. Die hohen Einnahmen für Erdgas, Soja und Erze halfen ihm dabei.

Doch nun hinterlässt er seinem Nachfolgern nicht nur politisch ein Chaos. Die nächste Regierung wird Sparmaßnahmen durchsetzen müssen, der Haushalt ist schwer im Defizit, die Leistungsbilanz ebenfalls. Das macht ihre Aufgabe nicht einfacher. Es scheint, als könnte in Südamerika ein weiterer Brandherd entstehen, der lange brauchen wird, bis er gelöscht werden kann.

Mehr: Die lateinamerikanische Wirtschaft ist vom globalen Hoffnungsträger zum Risikofaktor geworden. Das schwache Wachstum fördert politische Instabilität.

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