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Kommentar Business Angels in die Labore – die Start-up-Szene muss umdenken

Deutschlands Gründerszene muss endlich aus ihrem Ökosystem ausbrechen. Sonst könnten im schlimmsten Fall echte Innovationen ausgebremst werden.
11.03.2020 - 16:05 Uhr Kommentieren
Business Angels müssen umdenken. Quelle: imago/Ikon Images
Start-ups vor dem Wandel

Business Angels müssen umdenken.

(Foto: imago/Ikon Images)

Ein Start-up zu gründen war in Deutschland noch nie so einfach wie heute. Die Ankündigungen immer neuer Investmentfonds sind nur der beste Beleg dafür. Viel wichtiger sind die Entwicklungen dahinter: Erstens ist ein Bewusstsein entstanden für die Chancen von neuen Technologien und Geschäftsmodellen. Zweitens glauben immer mehr Menschen hierzulande, dass Deutschland viel Potenzial dafür hat. Das ist von fundamentaler Bedeutung für die Gründer.

Eine neue Studie lenkt erstmals den Blick auf die früheste Phase des deutschen Gründungsgeschehens: Was passiert, bevor Wagniskapitalgeber Gründer entdecken? Welche Ideen führen an welchen Orten überhaupt zu Gründungen? Und in welchen Segmenten erreichen neue Firmen schließlich eine Reife, die sie für Kunden einerseits und Kapitalgeber andererseits interessant macht?

Vieles hängt von den sogenannten Business Angels ab, legt die Studie von Startupdetector und dem Institut für Innovation und Technik nahe. Gemeint sind Geldgeber, die zusammen oder allein einige Zehntausend Euro investieren, weil sie an eine Idee oder ein Gründerteam glauben. Sie sind die aktivsten Investoren in der Frühphase.

Und das Ausmaß des Engagements ist ermutigend: Rund 2200 Mal haben sich solche Angels allein in der zweiten Jahreshälfte 2019 finanziell an Start-ups beteiligt. Deutschland das Land der Risikovermeider? Mitnichten.

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    Natürlich kann das nur ein Anfang sein auf dem Weg in eine neue Gründerzeit. Es gibt noch sehr viel mehr potenzielle Investoren in Deutschland, die ihr Vermögen in Start-ups und Innovationen investieren könnten. Aber man muss auch die Ausgangssituation betrachten: Den Aufbruch in die Internetwirtschaft hat Deutschland verschlafen. Als die Brüder Oliver, Marc und Alexander Samwer Anfang des Jahrtausends Deutschlands erste Internetfirmen gründeten, galten sie noch als Exoten.

    Wer nicht ins System kommt, hat kaum Chancen

    In den folgenden zwanzig Jahren hat sich enorm viel getan – auch dank der Samwers. Sie haben die Start-up-Fabrik Rocket Internet gegründet und ihre Erfahrungen und das Geld aus ihren eigenen Firmen anderen Gründern zur Verfügung gestellt. So haben sie einen deutschen Geldzirkel der Innovation in Gang gebracht, an dem sich andere beteiligen konnten. Heute sind unter den Angels viele erfolgreiche Gründer, die ihr Geld in das neu entstandene Start-up-Ökosystem zurückgeben.

    Dieser Investitionsrücklauf ist zugleich großartig, aber auch ein großes Problem. Denn das Ökosystem ernährt sich weitgehend selbst. Für Gründer heißt das: Ihre Erfolgsaussichten hängen stark von persönlichen Beziehungen ab. Wer niemanden kennt, der jemanden kennt, der in Start-ups investiert, kann weder für sich selbst vorsprechen, noch hat er einen Fürsprecher in der Szene. Wer nicht ins System reinkommt, hat kaum Chancen, seine Ideen finanziert zu bekommen.

    Aber auch für die Business Angels ist das von Nachteil. Ihnen werden oft nur Ideen vorgetragen, die in ihrem eigenen Umfeld geboren werden und von denen andere glauben, dass sie zu ihnen passen. Das ist für die Angels mindestens ärgerlich, weil ihnen aussichtsreiche Investments gar nicht erst vorgestellt werden. Für die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt ist das sogar dramatisch.

    Im Ergebnis reproduziert sich die Start-up-Szene nämlich immer wieder selbst. Onlinehändler fördern Plattformtechnologien. Vergleichsportalbetreiber finanzieren Werbelösungen. Aber die wirklich neuen Ideen entstehen außerhalb dieser Start-up-Kreise. Spannende Technologien, die nur von wenigen hochspezialisierten Forschern vorangetrieben werden und die nur sehr schwer zu erklären sind, erreichen sehr wahrscheinlich niemals den Kreis potenzieller Förderer und Start-up-Experten.

    München wird zur Keimzelle neuer Ideen

    Deshalb ist es gerade jetzt wichtig, den Kreislauf zu durchbrechen. Deutschland hat nämlich insbesondere in der Industrie ein großes Potenzial, spannende Technologien hervorzubringen. Da kennen sich viele Business Angels nicht aus. Sie müssen sich also ein Grundverständnis für die Bedürfnisse der Industrieunternehmen bei der Digitalisierung erarbeiten. Auf der anderen Seite müssen auch Ingenieure außerhalb ihrer Betriebe über ihre Ideen sprechen und sich an Business-Angel-Netzwerke wenden. Der Schlüssel des Erfolgs wird in der Vernetzung beider Welten liegen.

    Die Verbindung könnten Forschungsinstitute und Hochschulen herstellen. Aus gutem Grund entpuppt sich München zunehmend zu einer Keimzelle besonders innovativer Start-ups. Viele von ihnen entstehen im Umfeld des Gründerzentrums UnternehmerTUM an der Technischen Universität.

    Dort werden Gründer von Unternehmern, Wissenschaftlern und Managern unterstützt – von der Produktentwicklung bis zur Finanzierung. Auch Angestellte, die Interesse an einer Ausgründung haben, müssen sich solchen Initiativen anschließen. Dann hat Deutschland beste Voraussetzungen für eine neue Gründerzeit.

    Mehr: So wichtig sind Business Angels für die deutsche Start-up-Szene

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