Kommentar Ceconomys Zukunftsstrategie ist ein Wettlauf gegen die Zeit

Das Geschäft von Europas größtem Elektronikhändler schrumpft. Kann sich die Dachgesellschaft von Media Markt und Saturn das gewaltige Filialnetz noch leisten?
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Seit dem 14. September können Kunden in ausgewählten Filialen auch mit dem Handy bezahlen – das innovative Angebot soll langen Schlangen entgegenwirken. Quelle: dpa
Elektrohandelskette Saturn

Seit dem 14. September können Kunden in ausgewählten Filialen auch mit dem Handy bezahlen – das innovative Angebot soll langen Schlangen entgegenwirken.

(Foto: dpa)

Anstehen war gestern: Seit Freitag dürfen die Kunden bei Saturn im Münchner Einkaufszentrum PEP mit dem Handy bezahlen. Die Schlangen an den Kassen des Elektronikmarktes können die Konsumenten damit umgehen. Ein innovatives Angebot, keine Frage. Aber es ist erst einmal ein Test, niemand weiß, ob die Leute das Verfahren annehmen.

So wie in der bayerischen Metropole experimentiert Pieter Haas überall in seinen Läden mit ungewöhnlichen, modernen Dienstleistungen. Der Chef von Ceconomy, der Dachgesellschaft der Elektronikketten Media Markt und Saturn, weiß ganz genau: Er muss dringend Anreize schaffen, um die Käufer wieder in seine Geschäfte zu locken.

Das braucht jedoch Zeit. Der Manager kommt derweil immer mehr unter Druck. Ungeachtet einer ganzen Reihe vielversprechender, neuer Services schrumpft das Geschäft. Am Dienstagabend musste der Niederländer die Prognose für das laufende Geschäftsjahr zurücknehmen. Der Gewinn werde unter dem Vorjahr liegen, warnte Haas.

Völlig zu Recht fragen sich die Investoren, ob Europas größter Elektronikhändler überhaupt noch eine Zukunft hat. Seit Jahresbeginn hat das Unternehmen an der Börse fast die Hälfte an Wert verloren.

Die Gruppe betreibt rund 1.000 Filialen und beschäftigt in 15 Ländern 65.000 Mitarbeiter. Ein gewaltiger Aufwand, der sich kaum lohnt. Die operative Marge lag im vergangenen Geschäftsjahr bei gut drei Prozent und sollte in drei bis fünf Jahren auf fünf Prozent steigen, so lautet das bisherige Versprechen. Angesichts des schwachen Geschäftsverlaufs wackelt dieser Zeitplan, wie das Unternehmen jetzt einräumte.

Will Ceconomy eigenständig überleben, dann ist Haas gezwungen, schneller zu handeln als bisher. Die Kosten müssen runter. Gleichzeitig muss der Umsatz zügig wachsen. Wichtig zudem: Der Konzern sollte sich weiter fokussieren. Von den defizitären Läden in Russland hat sich Haas getrennt. Er sollte sich auch aus Schweden verabschieden, wenn es keine Aussicht auf rasche Besserung gibt. Die Entwicklung in der Türkei ist genau im Blick zu behalten.

Am Mittwoch hat Haas den nächsten Service der Zukunft vorgestellt: eine voll automatisierte Paketstation, an der sämtliche Lieferdienste ihre Päckchen lagern können. Kunden können dort auch ihr Handy vor Öffnung der Filiale nebenan zur Reparatur abgeben und es abends jederzeit abholen. Die erste Station wird jetzt in der Zentrale in Ingolstadt getestet. Solche Initiativen sind unerlässlich.

Bislang sieht es freilich so aus, als würden viele Leute lieber bei Amazon einkaufen, egal, was Haas ausprobiert. Setzt sich der Trend fort, wird er sein riesiges Filialnetz nicht mehr lange halten können.

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