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Kommentar CEO Klein besinnt sich auf die SAP-Wurzeln und verfolgt damit die richtige Strategie

Vorstandschef Christian Klein hat seinen ersten Milliardendeal angekündigt – und setzt damit auch einen wichtigen strategischen Akzent, der vielversprechend ist.
28.01.2021 - 17:06 Uhr 1 Kommentar
Quelle: Kostas Koufogiorgos
Karikatur
(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Der Zeitpunkt der zwei Ereignisse mag zufällig sein, symbolträchtig ist er aber allemal. Einerseits löst SAP-Chef Christian Klein Qualtrics mit einem Börsengang aus dem Konzernverbund, andererseits kündigt er mit der Übernahme von Signavio seinen ersten Milliardendeal an.

Die Plattform für Meinungsforschung – der größte Zukauf seines Vorgängers Bill McDermott – zählt der Manager somit nicht mehr zum Kerngeschäft, während die Analyse von Geschäftsprozessen integraler Bestandteil des Portfolios werden soll.

Sollte man die beiden Transaktionen innerhalb weniger Tage auf eine Formel bringen, lautete sie wohl: zurück zum Anfang. Der Manager will SAP wieder als Partner positionieren, mit dem sich Unternehmen für die Zukunft fit machen können.

Ging es früher darum, dem Management mit einer einheitlichen Datengrundlage die Kontrolle bis in die letzte Filiale zu verschaffen, will der Softwarehersteller heute der Partner für die Digitalisierung des Geschäfts sein.

Dafür nimmt Klein das große Ganze in den Blick: Alle Programme, von der Personalverwaltung über die Beschaffung bis zum Controlling, sollen durchgängig zusammenarbeiten, als wären sie aus einem digitalen Guss.

Die Strategie, die der 40-jährige Manager mit dem jungen Vorstand verfolgt, ist richtig: Wenn es SAP gelingt, den rund 35.000 Stammkunden ein Cockpit für die Geschäftsprozesse im 21. Jahrhundert zu verkaufen – schnell und flexibel aus der Cloud –, ist das Wachstumspotenzial immens. Allerdings hat der Softwarekonzern in den vergangenen Jahren bei den Kunden viel Vertrauen verloren. Jetzt kommt es auf eine schnelle Umsetzung und überzeugende Kommunikation an.

Das schwere Erbe von Bill McDermott

Die Börsenbewertung des wertvollsten Dax-Konzerns täuscht darüber hinweg, dass Christian Klein ein schweres Erbe angetreten hat. In den Jahren unter seinem Vorgänger Bill McDermott kaufte der Softwarehersteller Cloud-Spezialisten für Bereiche wie Personalwesen, Beschaffung und Reisemanagement, die das Geschäft unmittelbar stärkten. Die Deals lieferten den Stoff für eine Story, die die Aktionäre gerne hörten.

Mit seiner Fokussierung auf kurzfristiges Wachstum handelte der Amerikaner SAP jedoch einige langfristige Probleme ein. So verzichtete er darauf, die Produkte konsequent zu einem einheitlichen Paket zu integrieren, was traditionell ein wichtiges Verkaufsargument ist. Die Stammkundschaft verschreckte er mit seinem aggressiven Vertrieb. Und bei der Entwicklung des Kernprodukts S/4 Hana ließ er Nachlässigkeiten zu.

Das lässt sich an einer Zahl ablesen: Von den rund 35.000 Unternehmen, die ihre Geschäftsprozesse mit einem System von SAP steuern – Experten sprechen von Enterprise Resource Planning, kurz ERP –, hat rund sechs Jahre nach der Einführung nur knapp die Hälfte den Umstieg auf die neue Version S/4 Hana beschlossen. Die Cloud-Version, die schnellen Zugriff auf Innovationen verspricht, nutzt sogar nur ein Bruchteil der Kundschaft.

SAP steht deswegen unter Handlungsdruck. Der Umstieg sollte bis 2030 abgeschlossen sein, dann lässt der Softwarehersteller die Wartung für die alte Version auslaufen. Da die Projekte komplex sind, wird die Zeit knapp. Zudem gilt es gerade jetzt, in der Coronakrise, sich als Partner für die Digitalisierung zu positionieren.

Gewiss, SAP hat einige Erfolge vorzuweisen. So nutzen etliche Pharmahersteller das Portal für die Impfstofflogistik. Wenn Unternehmen den Vertrieb ausbauen, ist jedoch Salesforce die erste Wahl.

Und bei vielen anderen Projekten kann sich Microsoft mit einer breiten Produktpalette (und einem weitreichenden Vertrieb) als Partner andienen. Der deutsche Konzern muss aufpassen, dass ihn die Kunden nicht zum Buchhalter degradieren, der bei strategischen Diskussionen außen vor bleibt.

Neues Angebot „Rise with SAP“

Das SAP-Management um Christian Klein hat bereits auf diese Gefahr reagiert. Es forciert die Integration der verschiedenen Einzellösungen zu einem einheitlichen Programmpaket, veröffentlicht Produktpläne mit mehr Details und Verbindlichkeit und zeigt sich auch sonst lernfähig. All das ist gut und richtig, dauert aber. Immerhin, die Kundenzufriedenheit – gemessen an der Weiterempfehlungsbereitschaft – liegt wieder im positiven Bereich.

Die jüngsten Bemühungen bündelt das Management um Klein nun mit dem Paket „Rise with SAP“, das Kunden die Einführung von S/4 Hana Cloud massiv erleichtern soll und mithilfe von Signavio eine kontinuierliche Verbesserung der Geschäftsprozesse in Aussicht stellt. Sein erster Milliardendeal soll also das Kerngeschäft stärken.

Nach der Präsentation bleiben viele Fragen indes weiter offen. Wie viel kostet das neue Produkt, was muss eine Organisation für den Umstieg einplanen? Wann stehen die Neuerungen zur Verfügung, welche großen Referenzkunden bezeugen das Potenzial der Software? Und wie gut gelingt die Integration der neuen Firma? Die Vision ist klar – aber jetzt muss SAP liefern, und zwar möglichst schnell.

Mehr: SAP stärkt Cloud-Geschäft mit einem Milliardendeal

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1 Kommentar zu "Kommentar: CEO Klein besinnt sich auf die SAP-Wurzeln und verfolgt damit die richtige Strategie"

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  • Wenn sich jetzt SAP auch noch aus der Entwicklung des Rohrkrepierers Corona-Warn-App zurückzieht, wäre das ein weiterer Beitrag auf das Kerngeschäft und zur Rückkehr der Seriösität!

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