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Kommentar China erobert den europäischen Tourismus nach gewohntem Muster – nur geräuschloser

Durch Milliardeninvestitionen chinesischer Investoren entsteht in aller Stille eine zweite Seidenstraße. Firmen drohen dadurch ihrer Zukunftschancen beraubt zu werden.
20.01.2020 - 16:44 Uhr Kommentieren
China erobert den europäischen Tourismus nach gewohntem Muster Quelle: Bloomberg/Getty Images
Chinesische Touristen in Griechenland

Investoren der Volksrepublik waren zuletzt auf Einkaufstour in der europäischen Tourismusbranche.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Von Ausverkauf der deutschen Industrie war die Rede, von Geheimnisverrat und Sicherheitsrisiken. Erst zwei Jahren ist es her, da hielt die Einkaufstour chinesischer Investoren die Bundesregierung noch nachhaltig in Atem.

Lautstark beklagte das Wirtschaftsministerium den Verkauf der Industrieperle Kuka an den chinesischen Haushaltsgerätehersteller Midea, den man zunächst aufzuhalten versuchte. Kurz danach verhinderte Berlin den Einstieg der Chinesen beim Stromnetzbetreiber 50 Hertz, und auch dem Umformtechniker Leifeld untersagt die Regierung den geplanten Verkauf ins Reich der Mitte. Er hätte sich dort, fürchtete die Politik, am Bau der Atombombe beteiligen können.

Seither sind die Warnungen leiser geworden, die Klagen dafür umso lauter. Kaum ein deutsches Industrieunternehmen weckt seither noch das Interesse der Chinesen, Investitionen gehen so an der heimischen Wirtschaft vorbei. Nicht einmal die „Neue Seidenstraße“, das gigantische Infrastrukturprogramm, mit dem Peking seine Verkehrswege nach Europa zu verlängern trachtet, bringt den erwarteten Konjunkturimpuls. Nur äußerst wenige EU-Unternehmen profitierten von Aufträgen, klagte am Wochenende die Europäische Handelskammer in China.

Bei alldem Lamento über die womöglich selbst verschuldete Flaute übersehen Europas Politiker, dass längst eine zweite Seidenstraße zwischen China und dem heimischen Kontinent entsteht. Und zwar in aller Stille. Die Milliarden, die Chinas Investoren in letzter Zeit für Übernahmen spendieren, fließen in die Touristik.

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    Hotelkonzerne wie Steigenberger, Radisson und Teile des französischen Giganten Accor („Ibis“, „Mercure“) sind längst unter chinesischer Kontrolle, die Marke des einst weltweit zweitgrößten Reiseveranstalters Thomas Cook gehört nun Eigentümern in Schanghai, und selbst an europäischen Fluglinien wie der tschechischen CSA ist das Reich der Mitte beteiligt.

    Eine Atombombe konstruieren lässt sich damit nicht, sehr wohl aber können dadurch Europas Tourismusfirmen ihrer Zukunftschancen beraubt werden. Denn die Erlöse des seit 2012 amtierenden Reiseweltmeisters gehen damit zunehmend an ihnen vorbei. Allein 2019 reisten mehr Chinesen ins Ausland, als Deutschland und Frankreich zusammen an Einwohnern zählen. Bis 2030 dürfte die Zahl um weitere 40 Prozent steigen.

    Überlässt man die Umsätze mit chinesischen Touristen weltweit den Investoren aus der eigenen Heimat, fließen die Erträge nicht mehr an Tui, Alltours und Co. Sondern unmittelbar zurück ins Reich der Mitte – über eine Seidenstraße 2.0, die weder Schienen noch Seefahrtswege braucht.

    Mehr: Pauschalreisende bleiben auch im Jahr nach dem spektakulären Aus von Thomas Cook bei Megapleiten ungeschützt. Der Grund: Die Regierung greift nicht durch, meint Handelsblatt-Reporter Christoph Schlautmann.

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