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Kommentar China hat das Potenzial, die Geldpolitik zu revolutionieren

Wenn sich Digitalwährungen durchsetzen, können sie die Geld- und Wirtschaftspolitik verändern. Notenbanken könnten dann schneller reagieren.
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Wenn sich sämtliche Transaktionen in der Volkswirtschaft in Echtzeit erfassen lassen, könnte der Staat die Bürger auf eine ganz andere Weise überwachen. Quelle: ddp/Zhang guorong - Imaginechina/Sip
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Wenn sich sämtliche Transaktionen in der Volkswirtschaft in Echtzeit erfassen lassen, könnte der Staat die Bürger auf eine ganz andere Weise überwachen.

(Foto: ddp/Zhang guorong - Imaginechina/Sip)

Frankfurt China könnte bald eine eigene Digitalwährung auflegen. Der erste Schritt wird vermutlich klein ausfallen, denn es ist ein langer Weg, bis die Technologie ausgereift ist. Dennoch sollte man die Bedeutung nicht unterschätzen: Wenn sich die staatliche Digitalwährung durchsetzt, hat sie das Potenzial, die Geld- und Wirtschaftspolitik zu revolutionieren.

Ohne Zweifel sind mit dem Schritt enorme Risiken verbunden. Wenn sich sämtliche Transaktionen in der Volkswirtschaft in Echtzeit erfassen lassen, könnte der Staat die Bürger auf eine ganz andere Weise überwachen. Gerade in einem nicht demokratischen Land wie China ist das eine beängstigende Vorstellung. Auch Gefahren durch Hackerangriffe und Ähnliches sind enorm.

Andererseits ließe sich die Wirtschaft ganz anders steuern. Ein großes Problem für Ökonomen ist bisher, dass es sehr lange dauert, bis wirtschaftliche Daten erfasst sind und sie die Lage bewerten können. Umgekehrt dauert es, bis Maßnahmen wie eine Zinssenkung oder ein Konjunkturprogramm wirken.

Das führt oft dazu, dass Notenbanken und Regierungen nicht rechtzeitig gegensteuern. Hier bietet eine Digitalwährung neue Möglichkeiten: Sind alle Transaktionen in Echtzeit abrufbar, lassen sich viel schneller Rückschlüsse ziehen – und die Notenbanken können schneller reagieren.

Das könnte auch bei anderen Problemen helfen. Zum Beispiel haben Notenbanken und andere Regulierer oft keinen guten Überblick über bestimmte Teile der Wirtschaft wie Schattenbanken, also bankenähnliche Akteure, die nicht der traditionellen Regulierung des Bankensektors unterliegen. Wenn sie dort sämtliche Transaktionen kennen, könnten sie die Risiken besser einschätzen.

Digitalwährung macht Negativzinsen effektiver

Auch die Effekte der Geldpolitik ließen sich genauer schätzen. Schon heute fußen Entscheidungen von Notenbanken sehr stark darauf, dass sie anhand von Modellen berechnen, wie bestimmte Maßnahmen wirken. Die Modelle unterliegen aber erheblicher Unsicherheit, weil die Notenbanken auf viele Daten nicht oder nur mit zeitlicher Verzögerung zugreifen können.

Schließlich würde eine staatliche Digitalwährung es ermöglichen, die Zinsen stärker in den negativen Bereich zu senken. Solange es Bargeld gibt, ist dies nicht möglich. Denn für Sparer lohnt es sich irgendwann, Geldscheine zu horten, um so wenigstens einen Nullzins zu erhalten. Anders sieht es aus, wenn Zahlungen vor allem elektronisch erfolgen – in dem Fall kann sich kein Kunde mehr wirksam dem Minustrend entziehen.

All die diskutierten Möglichkeiten sind extrem umstritten. Als nicht demokratisches Land hat es China leichter, hierbei vorzupreschen. Die Folgen dürften aber weltweit zu spüren sein.

Mehr: Weil Geldhäuser und Notenbanken das Geldsystem nicht in die digitale Welt transferiert haben, macht es nun Facebook. Sie können froh sein, dass der Angriff erst jetzt kommt, meint Handelsblatt-Kolumnist Dr. Holger Schmidt.

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