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Kommentar China muss sich vom Wachstumsfetisch lösen

Chinas BIP wächst überraschend stark. Auf Dauer wird es aber nicht funktionieren, mit aller Macht das Wachstum anzutreiben. Echte Reformen wären besser.
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China strebt nach festen Wachstumszielen – das ist ein Fehler Quelle: AFP
Chinesische Arbeiter trocknen Gingko-Blätter

Die chinesische Wirtschaft soll sich innerhalb von 10 Jahren verdoppeln.

(Foto: AFP)

Zuerst die gute Nachricht: Die chinesische Wirtschaft ist im ersten Quartal 2019 um 6,4 Prozent und damit überraschend stark gewachsen. Der Handelsstreit mit den USA hat der zweitgrößten Volkswirtschaft offenbar nicht nachhaltig zugesetzt. Peking fällt damit nicht als globaler Wachstumsmotor aus.

Jetzt die schlechte Nachricht: Die hohe Dynamik wurde staatlich erkauft. Statt nötige Reformen voranzutreiben, griff die Regierung massiv in die Wirtschaft ein. Steuern wurden gesenkt, Banken wurden angewiesen, wieder mehr Kredite zu vergeben, und der Staat fuhr seine Ausgaben für Infrastruktur hoch.

Präsident Xi Jinping kann negative Nachrichten über die wirtschaftliche Entwicklung nicht gebrauchen. Schon gar nicht in diesem Jahr. Am 1. Oktober will die Kommunistische Partei den 70. Jahrestag ihrer Führung in der Volksrepublik feiern. Ihre Legitimation stützt die Partei auf eine schnell wachsende Wirtschaft. Die Kader garantieren besseren Wohlstand für die Massen und fordern dafür Unterordnung ein.

Deshalb ergreift Peking Maßnahmen, die eine Abkühlung der Konjunktur verhindern sollen. Doch damit wiederholt die Zentralregierung alte Fehler.

Das Wachstum wird mit Krediten erkauft. Das britische Magazin „Economist“ weist für die beiden Kernmethoden der Kreditvergabe über Banken und Anleihen einen Anstieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 40 Prozent auf 8,2 Billionen Yuan (rund 1,1 Billionen Euro) aus.

Präsident Xi Jinping hat von seinen Vorgängern das Ziel geerbt, das Bruttoinlandsprodukt des Jahres 2010 innerhalb einer Dekade zu verdoppeln. Um das zu erreichen, muss Peking die Wachstumsrate im Durchschnitt bei 6,5 Prozent halten. Für dieses Jahr hat die Zentralregierung dem Land einen Wachstumskorridor von 6,0 bis 6,5 Prozent vorgegeben.

Eigentlich müsste der Staat jetzt sehr vorsichtig mit seinen Ausgaben haushalten. Aber über die ambitionierten Ziele fordert Peking die Funktionäre im Land indirekt auf, alles für hohe Wachstumsraten zu unternehmen. So kann der dringend nötige Umbau des Wirtschaftsmodells nicht gelingen.

China muss sich vom Wachstumsfetisch lösen. Feste Ziele für die Konjunkturentwicklung sind falsch. Die Staatsführung muss flexibel auf Herausforderungen reagieren können. Sie sollte sich nicht unnötig mit starren Vorgaben einengen. Nur so kann Peking umsteuern. Schon jetzt ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Ein so hohes prozentuales Wachstum kann nicht ewig gut gehen. Daher sollte Peking umsteuern. Davon würde das Land selbst und auch die gesamte Weltwirtschaft profitieren.

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1 Kommentar zu "Kommentar: China muss sich vom Wachstumsfetisch lösen"

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  • Sehr geehrter Herr Scheuer,

    welchen wirtschafts- und finanzpolitischen Kurs Sie von der chinesischen Staatsführung erwarten, interessiert mich schon. Interessieren würde mich auch die Begründung dafür.

    Aber Ihre Überlegungen müssen Sie schon ausführen. Nur von "Reformen" zu reden und deren Inhalt im Dunkeln lassen, kann doch wohl nicht angehen.