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Kommentar City-Maut – mit Vollgas am Ziel vorbei

Eine City-Maut mag die kommunale Kasse füllen und die Verkehrspolitik um eine schlechte Idee bereichern. Ein überzeugendes Konzept bietet sie leider nicht.
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Viele Pendler fahren noch kleine Strecken mit dem Auto, um beim Ticket für den Nahverkehr zu sparen. Quelle: imago/photothek
Viel Verkehr auf Berliner Autobahn

Viele Pendler fahren noch kleine Strecken mit dem Auto, um beim Ticket für den Nahverkehr zu sparen.

(Foto: imago/photothek)

Sorgt eine City-Maut für weniger Verkehr? Leistet sie einen Beitrag zum Klimaschutz? In der ökonomischen Theorie steuert der Preis Verhalten. Bei Fragen der Mobilität gilt dies leider nicht. Deshalb fällt es dort so schwer, kluge Konzepte zu entwickeln, die umweltgerecht, wirtschaftlich und sozial ausgewogen sind sowie obendrein noch die individuelle Freiheit erhalten. Leider lenkt dieses Zielquadrat nur wenige öffentliche Diskutanten, geht es ihnen doch eher um Ideologie und Partikularinteressen. Dabei wäre eine gemeinwohlorientierte Diskussion dringend nötig.

Bei der City-Maut, so die Idee, lassen viele Menschen ihr Auto zu Hause stehen. Beispiel gefällig, warum dies so leicht nicht ist? Ein Brandenburger etwa muss für eine Jahreskarte im Nahverkehr fast 1000 Euro und damit 215 Euro mehr zahlen als nur im Berliner Stadtgebiet. Also fahren Pendler über die Stadtgrenze und steigen dort in die S-Bahn (wenn sie nicht gleich durchfahren). Sie parken die Stadtränder voll, während das flächenreiche Umland vergeblich auf parkende Nahverkehrskunden wartet.

Warum also gibt es dort keine kostenfreien Parkplätze, auf denen ihnen die Differenz zum Nahverkehrspreis der Stadt erstattet wird – als Dank, wenn sie dort in die Bahn steigen? Natürlich finanziert von der Stadt Berlin, wäre doch sie von einfahrenden und parkenden Einpendlern entlastet. Diese hätten einen ersten Komfort, der ihnen den Umstieg erleichtert, vielleicht sogar noch einen Express-Shuttle zur nächsten Haltestelle.

Unterstellt, dies gelänge, dann entstünde gleichwohl das nächste Problem: In den Metropolen sind Busse und Bahnen schon heute zu Stoßzeiten voll, sie würden noch voller werden. All jene, die übervolle S-Bahnen mit kränkelnden oder muffelnden Passagieren abstoßend finden, hätten guten Grund, doch weiter das Auto zu nehmen und den Stau in Ruhe zu genießen. Sie ließen sich von einer Maut nicht in die Busse zwängen.

Es ist nur ein Beispiel, zeigt aber, dass die Wahl des Verkehrsmittels sich bei der Frage entscheidet: Wie komme ich am günstigsten von A nach B? Weil das so ist, bedarf es intelligenter Alternativen zur individuellen Fahrt, die langfristig angelegt sein müssen angesichts der Investitionszyklen in Infrastrukturen und Fahrzeuge. Es gilt, Ziele zu definieren und diese langfristig mit Maßnahmen zu untermauern.

Dazu können sogar autofreie Innenstädte gehören, die die Lebensqualität erhöhen und Stadt als sozialen Raum begreifen, sichere Radwege, ein nachfrageorientierter Nahverkehr, ja, sogar Kooperationen von Städten und Umland etwa bei Unternehmensansiedlungen. Das sind nur einige Beispiele, über die es lohnt nachzudenken und die Überlegungen zur Wegelagerei überflüssig machen.

Mehr: Welche Pläne zur City-Maut vorgelegt wurden.

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1 Kommentar zu "Kommentar: City-Maut – mit Vollgas am Ziel vorbei"

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  • "In der ökonomischen Theorie steuert der Preis Verhalten. Bei Fragen der Mobilität gilt dies leider nicht."

    Woher kommt diese apodiktische Aussage?

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