Kommentar Clearinghäuser können Finanzkrisen nicht verhindern

Die Neuordnung der Finanzbranche hat die Märkte sicherer gemacht, aber auch Risiken geschaffen. Clearinghäuser könnten im Krisenfall Teil des Problems werden.
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Ein norwegischer Energiehändler hat sich verspekuliert und damit ein über 100 Millionen Dollar großes Loch in den Sicherheitsfonds des Clearinghauses der US-Börse Nasdaq gerissen. Quelle: Reuters
Nasdaq-Schriftzug

Ein norwegischer Energiehändler hat sich verspekuliert und damit ein über 100 Millionen Dollar großes Loch in den Sicherheitsfonds des Clearinghauses der US-Börse Nasdaq gerissen.

(Foto: Reuters)

Es ist fast schon ein bisschen unheimlich. Exakt zum zehnjährigen Jubiläum der Lehman-Pleite erinnert eine schwere Panne an den Finanzmärkten daran, dass man Krisen nicht wegregulieren kann. Was ist passiert? Ein prominenter norwegischer Energiehändler hat sich kräftig verspekuliert und enorme Verluste angehäuft.

Die Schieflage hat ein über 100 Millionen Dollar großes Loch in den Sicherheitsfonds des Clearinghauses der US-Börse Nasdaq gerissen. Ein Loch, das die übrigen Marktteilnehmer jetzt dringend wieder stopfen müssen.

Und was hat dieser Unfall mit Lehman zu tun? Vor der Finanzkrise wurde der Löwenanteil der komplexeren Finanzinstrumente außerhalb der etablierten Börsen und Clearingsysteme gehandelt, „over the counter“, oder auf Deutsch: über den Tresen. Das Ergebnis waren Myriaden von Einzelgeschäften, verknüpft in einem wirren Netz, in dem niemand genau wusste, wie groß die Risiken waren und wo sie genau lagen.

Deshalb hat die Politik dafür gesorgt, dass viele Derivategeschäfte über Clearinghäuser abgewickelt werden müssen, die einspringen, wenn Käufer oder Verkäufer bei einem Deal ausfallen. Die Idee ist gut, und sie funktioniert auch, solange die Clearinghäuser nicht selbst in Probleme geraten.

Deshalb ist der Unfall am Nasdaq-Energiemarkt so erschreckend. Ein einzelner Händler, der sich verzockt, reicht, um zwei Drittel des Sicherungsfonds für diese Märkte aufzuzehren. Das Beispiel zeigt, dass man sich zwar gegen künftige Krisen wappnen kann, verhindern kann man sie jedoch nicht. All die neuen Regeln und Vorschriften machen die Märkte zwar ein Stück weit sicherer, aber eben nicht sicher.

Die Offensive der Politik hat dafür gesorgt, dass sich eine Krise wie die letzte (hoffentlich) nicht wiederholen wird. Aber die nächste Krise wird ohnehin ganz anders aussehen, und vielleicht werden die Clearinghäuser, die jetzt Teil der Lösung sind, dann plötzlich Teil des Problems sein.

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