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Kommentar Clemens Tönnies muss sich jetzt als Anti-Rassist beweisen

Sein Geltungsdrang hat den Schalke-Aufseher im grotesk überhöhten Fußballgeschäft auf Abwege gebracht. Nun muss er dem Engagement seines Klubs neue Glaubwürdigkeit verleihen.
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Der Schalke-Manager hat sich abfällig über Afrikaner geäußert. Quelle: dpa
Clemens Tönnies

Der Schalke-Manager hat sich abfällig über Afrikaner geäußert.

(Foto: dpa)

Es gibt Sätze, die haben eine enorme Langzeitwirkung. Sätze wie der des seinerzeitigen Deutsche-Bank-Chefs Rolf-E. Breuer, der seinem Kunden Leo Kirch die Kreditwürdigkeit absprach. Oder die Aussage von Gloria von Thurn und Taxis, Afrika habe ein Aids-Problem, „weil der Schwarze gerne schnackselt“.

In diese Kategorie bedeutungsschwerer Aussagen fällt auch, was Clemens Tönnies zu dem von ihm angeregten Bau von Kraftwerken in Afrika emittierte: „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn‘s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“

Dieser Satz wird seit Tagen diskutiert, als hätte Angela Merkel ihren sofortigen Abschied aus der Politik verkündet. Um es gleich vorweg zu sagen: Die Phrase des Fleisch- und Fußball-Allgewaltigen ist so dumm wie anmaßend, so töricht wie rassistisch.

Dass der FC Schalke 04 seinen rhetorisch marodierenden Aufsichtsratschef nun wegen eines Verstoßes gegen das interne Diskriminierungsverbot tadelt und nicht wegen der rassistischen Äußerung, ist eindeutig ein Fehlpass.

Doch bei aller Aufregung über die Verirrung des Clemens Tönnies, der drei Monate pausieren muss: Es ist andererseits auch dringend Entspannung angezeigt.

Haben wir keine anderen Probleme? Der Delinquent hat sich sofort entschuldigt, er ist definitiv keiner für die Reihen der AfD. Als Rassist ist er nie aufgefallen, sondern nur einer, der Aufmerksamkeit sucht und dafür auf das Lockmittel lockerer Sprüche setzt.

Das hat Tönnies zum gesuchten Gesprächspartner für viele gemacht, für Wladimir Putin genauso wie für den dunkelhäutigen Ex-Profi Gerald Asamoah. Das hat ihn aber auch vor Unternehmern beim „Tag des Handwerks“ in Paderborn verleitet, auf billigste Art Applaus erhaschen zu wollen.

Mit seinem Afrika-Aussetzer hat er sich benommen wie ein Blogger, der provoziert, weil er dringend mehr Reichweite braucht, und dabei weit übers Ziel hinausschießt. Das ist der ganze Fall.

Der manische Plauderer Clemens Tönnies sollte also im Amt beweisen können, dass er es als Anti-Rassist ernst meint — zum Beispiel mit einem Projekt in Afrika. Die Kampagne seines Klubs Schalke 04 für Vielfalt und Toleranz im Sport braucht glaubwürdige Vertreter.

Feststellen muss man aber auch: Die geradezu groteske Selbst- und Fremderhöhung des Fußballs ist eine Verirrung. Es handelt sich am Ende doch nur um ein faszinierendes Spiel, das immer mehr Investoren anzieht, auch fragwürdige, das aber kein Ersatz von Religion, Parteien oder Gewerkschaften ist, die in diesem Zusammenhang gerne genannt werden.

Eine Veltins-Arena ist kein Parlament und ein Fußballfunktionär kein Philosoph. Also: weniger wichtig nehmen. Luft rauslassen.

Mehr: Für drei Monate wird Clemens Tönnies sein Amt ruhen lassen. Zu einem Rücktritt soll der Fleischfabrikant nicht bereit gewesen sein.

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