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Kommentar Corona dreht die Globalisierung im Autogeschäft zurück

Mitsubishi zieht sich aus Europa zurück, andere Automarken werden folgen. Das Coronavirus sorgt für eine weltumfassende Neuordnung im Autogeschäft.
06.08.2020 - 16:21 Uhr Kommentieren
Nicht jeder Autohersteller wird sich künftig den weltumspannenden Auftritt noch leisten können. Quelle: Kostas Koufogiorgos
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Nicht jeder Autohersteller wird sich künftig den weltumspannenden Auftritt noch leisten können.

(Foto: Kostas Koufogiorgos)

Die Ankündigung aus Japan kam in der vergangenen Woche auch für die deutschen Händler vollkommen überraschend: Der Autohersteller Mitsubishi Motors bringt keine neuen Modelle mehr nach Europa. Die aktuell verfügbaren Autos werden zwar weiterhin in Europa verkauft. Aber danach kommt nichts mehr hinterher. Mitsubishi leitet damit seinen Rückzug vom europäischen Automarkt ein.

Gerade bei den immer bedeutenderen Modellen mit Elektroantrieb ist von den Japanern überhaupt nichts mehr zu erwarten. Mitsubishi Motors hat schon länger Schwierigkeiten in Europa – und einige Jahre hätte es der japanische Autohersteller auf dem europäischen Markt sicherlich noch ausgehalten. Doch mit dem Coronavirus ist ein weiteres Problem dazugekommen, das die Autohersteller zu mehr Kostendenken und zu zusätzlicher Sparsamkeit zwingt.

Der Hersteller aus Japan dürfte auf absehbare Zeit nicht das letzte Unternehmen sein, das sich aus Europa verabschiedet. Die Coronakrise beschleunigt die Selektion. Schwächere Automarken werden mit großer Sicherheit aufgeben müssen, zugleich beginnt ein stärkerer Konzentrationsprozess.

Es gibt etliche Wackelkandidaten unter Autoherstellern und Marken. Der Rückzug aus einer Weltregion wie im Fall von Mitsubishi mit Europa ist der Versuch, das Schlimmste zu verhindern – nämlich das komplette Ende einer Marke.

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    Mitsubishi konzentriert sich auf die Regionen, wo der Verkauf eines Autos noch lohnt und wo die Rendite einigermaßen auskömmlich ist. In Europa war das schon länger nicht mehr der Fall, der Verkauf der Autos war zum Zuschussgeschäft geworden. Mitsubishi sichert seine Zukunft vor allem mit der Konzentration auf die japanische Heimat. Kurze Transportwege und die engere Bindung an eine vertraute Kundschaft machen das wirtschaftliche Überleben in Corona-Zeiten einfacher.

    Ein Blick auf die europäischen Zulassungszahlen zeigt, dass auch andere Autohersteller aus Asien darüber nachdenken müssen, ob sie noch länger in Europa bleiben können. Honda beispielsweise hat in der EU im vergangenen Jahr nur etwa 117.000 Autos verkauft, weniger als Mitsubishi. Subaru, ebenfalls aus Japan, wird heutzutage kaum noch wahrgenommen. Ssangyong ist schon lange keine koreanische Zukunftshoffnung mehr, sondern nur ein kleiner Spieler in der Nische.

    Autobauer brauchen in Europa Elektromodelle

    Der Selektionsprozess wird sich nicht allein auf die asiatischen Hersteller beschränken. Auch Marken aus Europa sind in unmittelbarer Gefahr. Lancia aus dem Hause Fiat ist außerhalb Italiens schon völlig aus den Verkaufsräumen verschwunden. Fiat muss sich die Frage stellen, wie lange diese Marke überhaupt noch weiterleben kann, wenn das Coronavirus im gesamten Konzern an der Rendite nagt. Ähnliches gilt für die Marke Alfa Romeo. Im vergangenen Jahr hat die Fiat-Tochter in Deutschland gerade einmal 4000 Autos verkauft. Bei einem Gesamtmarkt von 3,6 Millionen Fahrzeugen geht die Bedeutung gegen null.

    Unabhängig vom Coronavirus sorgt ein weiterer Faktor dafür, dass der Selektionsprozess unter den Automarken unvermeidlich fortschreitet. Seit diesem Jahr gelten in Europa die schärfsten Kohlendioxidgrenzen der Welt. Finanzschwache Autohersteller müssen sich sehr genau überlegen, ob sie sich den Auftritt in Europa in Zukunft überhaupt noch leisten können.

    Denn die neuen Emissionsgrenzen lassen sich mit konventionellen Antrieben mit Benzin- und Dieselmotor überhaupt nicht einhalten. Das geht nur mit dem Elektroantrieb. Die Autohersteller müssen also mindestens einige Plug-in-Hybride im Angebot haben, oder sie entwickeln gleich rein batteriegetriebene Fahrzeuge, mit denen sich die durchschnittlichen Kohlendioxidwerte der jeweiligen Herstellerflotten noch deutlicher drücken lassen.

    Die Coronakrise hat allerdings dazu geführt, dass die Forschungs- und Entwicklungsbudgets während der zurückliegenden Monate überall zusammengestrichen wurden. Wer bislang kaum oder nur wenige Elektromodelle in der Planung hatte, wird sich nach dem Corona-Einschlag möglicherweise komplett aus der Entwicklung solcher Fahrzeuge zurückziehen. Was dann allerdings auch zwangsläufig den Rückzug aus Europa nach sich zieht, weil sich kein Autohersteller die hohen Strafen der EU erlauben kann. Im ungünstigsten Fall werden es Milliardenbeträge sein, die die Brüsseler EU-Kommission verlangt.

    General Motors hat schon vor drei Jahren erkannt, dass das Autogeschäft in Europa immer schwieriger wird, und hat deshalb frühzeitig seine Rüsselsheimer Tochter an den französischen PSA-Konzern verkauft. Das war zugleich mit der Einsicht verbunden, dass ein großer Autohersteller wie GM nicht mehr in allen Regionen der Welt mit seinen eigenen Fahrzeugen vertreten sein muss.

    Was schon vor drei Jahren allein für General Motors gegolten hat, gilt in Corona-Zeiten erst recht für die gesamte Branche. Das Virus wird für eine De-Globalisierung im Fahrzeuggeschäft sorgen. Alle Autohersteller werden sich den weltumspannenden Auftritt nicht mehr leisten können. Vielleicht verschwindet die eine oder andere Marke auch komplett. Aber es gibt keine Alternative dazu, die wirtschaftlichen Fakten sprechen für sich.

    Mehr: Schließen, kürzen, verlagern: Die Not der Autobranche ist groß.

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