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Kommentar Corona-Krisenmanagement in Europa: Zweite Welle, alte Fehler

Die Pandemie lebt wieder auf. Es ist höchste Zeit, aus Fehlern zu lernen. Statt Grenzschließungen sind einheitliche Standards nötig.
08.09.2020 - 17:34 Uhr Kommentieren
Corona-Pandemie: Aus den Fehlern der ersten Welle lernen Quelle: dpa
Fiebermessung an der deutsch-polnischen Grenze

Die Nachverfolgung von infizierten Personen ist ein äußerst wirksamer Ansatz, um die Pandemie einzuschränken. Dennoch mangelt es an Personal dafür.

(Foto: dpa)

Wenn es 2020 die Unbeschwertheit des Sommers überhaupt gegeben hat, ist sie endgültig vorbei. Mit dem Herbst rückt die zweite Welle der Corona-Pandemie näher. Mancherorts hat es sie längst gegeben. In Frankreichs zweitgrößter Stadt Marseille waren Anfang der Woche bis auf drei Stück alle Intensivbetten mit Corona-Patienten belegt.

Sind die europäischen Staaten auf die erneute Verschärfung der Krise vorbereitet? Haben sie aus den Fehlern im Frühjahr gelernt?

Der Verdacht kommt auf, dass dies nur begrenzt der Fall ist. Sowohl innerstaatlich als auch auf der Ebene der EU sind wir noch von einer wirklich wirksamen Politik entfernt. Häufig sehen wir Aktionismus und Ersatzhandlungen statt rationales Handeln.

Beispiel Bayern, wo „testen, testen, testen“ als Leitlinie ausgegeben wird, die aber mangels Personals und Vorbereitung nicht eingehalten werden kann. Man sieht es in Paris, wo man selbst um zwei Uhr nachts auf menschenleeren Straßen nur mit Maske unterwegs sein darf, während gleichzeitig die – offiziell geschlossenen – Diskotheken zu Bars umgewidmet werden und dort massenweise ohne jeden Schutz gefeiert wird.

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Standort erkennen

    In Restaurants und Terrassen, wo eigentlich strikte Abstandsregeln gelten, rückt man sich wieder genauso eng auf die Pelle wie vor Corona. Aber sobald das Restaurant verlassen wird, an der frischen Luft, heißt es: Maske auf.

    Besonders bedenklich ist, dass die Bekämpfung des Virus wieder mit nationalen Grenzen und ihrer Kontrolle vermischt wird. Großregionen und ganze Länder zu Risikogebieten zu erklären und deren Bürger vom freien Personenverkehr auszuschließen, das haben die Regierungen schon im Frühjahr praktiziert.

    Reaktion des Corona-Krisenmanagments. Bild: Mohr
    Karikatur

    Reaktion des Corona-Krisenmanagments.

    Bild: Mohr

    Gebracht hat es nicht viel, außer Menschen in falscher Sicherheit zu wiegen und vor allem an der deutsch-französischen und deutsch-luxemburgischen Grenze alte Feindbilder wiederzubeleben.

    So gut man verstehen kann, dass staatliche Stellen versuchen, administrativ gegenzusteuern, und ihre Energie darauf verwenden, Hotspots und Risikogebiete zu definieren: Der Ansatz Grenzschließung führt in die Irre. Das Virus lässt sich nicht aussperren. Grenzen sind der falsche Ort für einen Kampf gegen Corona.

    Beispiel Spanien: Dort ist die Hauptstadt Madrid der Schwerpunkt des Infektionsgeschehens. Die konservative Chefin der autonomen Gemeinschaft Madrid hat monatelang, während die Ansteckungen ständig zunahmen, steif und fest behauptet, das Übel komme aus dem Ausland. Der Flughafen war für sie die Einflugschneise für Covid-19. Am Ende wiesen die Medien ihr nach, dass weniger als ein Prozent der Fälle mit dem Flughafen in Verbindung stehen.

    Nirgends so sicher, wie an der frischen Luft oder einsamen Strand

    Auch in Deutschland glaubt man, das Virus an den Flughäfen erwischen zu können. Ohne PCR-Test ist keine Einreise aus einem Risikogebiet wie der französischen Hauptstadt oder mittlerweile ganz Spanien möglich. Ganz anders ist es allerdings, wenn man mit der Bahn oder dem Auto fährt: Dann kommt man ohne Probleme rein – noch. Mit anwachsender zweiter Welle dürften auch auf dem Landwege wieder die Kontrollen und Sperren drohen.

    Bei allem Verständnis für Politiker, die einfach strukturierte Anweisungen suchen: Ihr Raster ist zu grob. Es ist völlig unsinnig, die kompletten Kanarischen Inseln zum Risikogebiet zu erklären, aus dem kommend man in 14-tägige Quarantäne muss. In diesen Zeiten ist man nirgendwo so sicher wie an der frischen Luft und an einem einsamen Strand.

    Wer einheitliche Richtlinien sucht, auf nationaler oder europäischer Ebene, ist lange beschäftigt. Beispielsweise ist die Nachverfolgung von infizierten Personen und deren Kontakten ein äußerst wirksamer Ansatz, um die Pandemie einzuschränken. Dennoch mangelt es in Spanien und teilweise auch in Frankreich an Personal dafür. Warum hat man sich in Brüssel nicht auf Mindeststandards geeinigt?

    Keine einheitliche Definition von Quarantäne

    Ähnliches gilt für die Bekämpfung der schlimmsten Infektionsherde wie Schlachthöfe und Erntebetriebe mit viel Personal: Unsere Auto- und Luftfahrtindustrie, viele Handwerksbetriebe haben wir durch Corona-Auflagen zusammengeprügelt. Aber die schlimmsten Finger aus der Grauzone der Wirtschaft durften weitermachen.

    Abwegig ist auch, dass Quarantäne, eigentlich ein klar definierter Begriff, in verschiedenen EU-Ländern längst nicht dasselbe bedeutet. In der Bundesrepublik ist es ein zwangsweiser Aufenthalt während 14 Tagen in einem abgeschlossenen Raum ohne Kontakt zur Außenwelt.

    Die Anweisung des Gesundheitsamts ist verpflichtend, es drohen hohe Bußgelder. In Frankreich verkürzt die Regierung auf sieben Tage – übrigens mit vernünftigen Argumenten. Statt einer Verpflichtung ist hier die Quarantäne aber lediglich eine Art freundliche Empfehlung.

    Es gibt viele sinnvolle Ansätze zum Kampf gegen Corona. Gehen wir sie an, ohne wieder in den Irrtum der Grenzschließungen zu verfallen.       

    Mehr: EU-Parlamentarier können frei nach Belgien ein- und ausreisen. Für ihre Mitarbeiter gilt das allerdings nicht.

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