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Kommentar Corona-Verantwortung der WHO: Trump hat ausnahmsweise recht

Trumps Wutrede gegen die WHO ist stillos, hat aber einen wichtigen Kern: Die mutmaßliche Corona-Kungelei der Weltgesundheitsorganisation mit Peking muss dringend aufgeklärt werden.
15.04.2020 - 07:19 Uhr 8 Kommentare
Die Weltgesundheitsorganisation könnte mit den USA ihren größten Geldgeber verlieren. Quelle: AFP
WHO unter Druck

Die Weltgesundheitsorganisation könnte mit den USA ihren größten Geldgeber verlieren.

(Foto: AFP)

Washington Wie immer, wenn Donald Trump Entscheidungen verkündet, gibt er auch diesmal nicht viel auf Stilfragen. Dass die USA die Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorerst einstellen, gab der amerikanische Präsident während seines täglichen Corona-Briefings bekannt.

Trump weiß genau, wie viele Millionen Fernsehzuschauer er auf diesem Weg erreicht. Und dass für viele seiner Anhänger internationale Organisationen ohnehin unter dem Generalverdacht der unamerikanischen Umtriebe stehen.

Ob die USA den Geldkatheter dauerhaft zudrehen, will Trump nach einer Untersuchung über die Rolle der WHO in der Coronakrise entscheiden. „Mein Eindruck ist, dass sie zu sehr auf China fokussiert war“, nahm Trump das mutmaßliche Urteil gleich mal vorweg.

Die feine amerikanische Art wäre eine andere gewesen: erst die Missstände untersuchen, dann auf Veränderungen drängen. Und erst wenn das nicht fruchtet, die Zahlungen einstellen.

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    Die Haltungsnote für Trump fällt also wieder mal ungenügend aus, aber – und das ist ein großes Aber: Inhaltlich hat Trump ein Argument. Die WHO hat die Schwere der Corona-Pandemie zu spät erkannt.

    WHO soll auf Informationen aus Taiwan nicht reagiert haben

    Noch am 14. Januar hat die Organisation behauptet, es bestehe kein klarer Beleg dafür, dass sich das Coronavirus von Mensch zu Mensch übertrage. Offenbar haben sich die WHO-Experten zu sehr auf die Abwiegeleien der chinesischen Behörden verlassen.

    Der weiter gehende Verdacht ist es, der den eigentlichen Skandal ausgemacht: dass die WHO nämlich gleichzeitig Alarmbotschaften aus Taiwan negiert hat, um die mächtige chinesische Regierung nicht zu verärgern.

    Bereits am 31. Dezember 2019 will Taiwan der WHO Informationen über Corona-Infektionen von Mensch zu Mensch übermittelt haben – auf die die WHO aber nicht reagiert habe. Am selben Tag begann Taiwan, Flugpassagiere aus dem damaligen Corona-Hotspot Wuhan zu überwachen.

    Auch in den folgenden Wochen gehörte Taiwan zu den Vorreitern beim Kampf gegen Corona. Hätte die WHO frühzeitig Taiwans Weg als Vorbild für den Rest der Welt empfohlen, hätten womöglich Tausende von Menschenleben gerettet werden können.

    Trump stoppt WHO-Zahlungen: „Schlechte Handhabung und Vertuschung“

    Nach einem bloßen Betriebsunfall sieht das nicht aus. Die Machthaber in Peking betrachten Taiwan als abtrünniges Gebiet und verhindern systematisch, dass Taiwans demokratisch gewählte Regierung in internationalen Organisationen Einfluss nehmen kann. Taiwan ist kein WHO-Mitglied, aus den Vereinten Nationen wurde das Land auf Druck Pekings ausgeschlossen.

    Wissenschaft beruht auf dem freien Austausch von Informationen. Sollten in der WHO Erkenntnisse von Ärzten aus Taiwan tatsächlich aus politischen Gründen unter den Tisch gekehrt worden sein – dann ist aller Druck aus Washington gerechtfertigt, um diesen Skandal aufzuklären.

    Fraglich allerdings ist, ob Trumps Gepolter dem richtigen Ziel dient. Sollten sich die USA beleidigt aus der WHO zurückziehen, wird sich vor allem China über diesen Machtzuwachs freuen.

    Sinnvoller wäre es, wenn die USA gemeinsam mit den Europäern und dem WHO-Großspender und Microsoft-Mitgründer Bill Gates ihren Einfluss geltend machen, damit Taiwan zumindest eine eingeschränkte Mitgliedschaft in der Gesundheitsorganisation erhält.

    Mehr: Corona zwingt Trump zu einer Strategieänderung im US-Wahlkampf.

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    8 Kommentare zu "Kommentar: Corona-Verantwortung der WHO: Trump hat ausnahmsweise recht"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Sehr geehrter Herr Rickens! Ich schätze Ihre Kommentare und bin seit Jahren ein begeisterter und kritischer Leser des Handelsblatt. Diesmal muß ich Ihnen deutlich widersprechen und empfehle die - zugegebenermaßen unerfreuliche, aber schonungslose - Analyse von Prof. Dr. Vogt in der Schweizer Mittelständische Zeitung. Diese ist erschütternd und gleichzeitig überzeugend in Breite und Tiefe - und daher wahrlich lesenswert!
      https://www.mittellaendische.ch/2020/04/07/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zukünftigen-politischen-entscheidungen/
      Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag, Richard Kollisch

    • Ich denke auch, dass man es sich zu einfach macht, jetzt die Schuld auf die WHO zu schieben, auch wenn sie sicherlich nicht immer glücklich agiert hat. Insbesondere der Beitrag im HB vom 9.4.2020 von Jan Dirk Herbermann führt ja schön aus, dass die WHO bereits am 23.1.2020 alle Länder eindringlich angemahnt hat, sich auf die Ausbreitung des Erregers vorzubereiten und dass eine gründliche Überwachung der Gesundheitslage nötig sowie die Identifizierung und Isolierung der Infizierten unabdingbar sei. Die aller meisten Regierungen haben nicht reagiert. Und Trump war sicherlich einer von denen, der es am längsten ignoriert hat.

    • Ihr Kommentator mag Recht haben, was Taiwans Rolle angeht. Der kausale Zusammenhang zwischen WHO Meldungen und Trumps Reaktion ist aber falsch dargestellt. Die WHO hat am 31.01,2020 den neuen Virus zur gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite erklärt und die Notwendigkeit von Eindämmungsmaßnahmen angemahnt (WHO Website - Nachrichten vom 31.01.2020). Trump hat dagegen noch am 06.03.2020 erklärt, dass das neue Virus für die USA kein Problem darstelle (eigene Beobachtung mehrerer US Medien, berichtet u.a. auch in der FAZ desselben Tages).
      Insofern liegt Ihr Kommentator falsch. Trump hätte es bereits 5 Wochen vor dem 06.03. wissen müssen, dass die USA Maßhanmen ergreifen müssten, hat es abwer nicht getan. Der Aussage Ihres Titels ist schlicht und einfach falsch.

    • Vergessen wir mal nicht dass die WHO nebenbei auch noch eine Menge Gesundheitsprojekte auf der ganzen Welt anschiebt. Wenn dafür das Geld fehlt, springt bestimmt gerne US-AID und andere ein. Nur dass bei denen ausschließlich amerikanische Produkte und Technologien zum Einsatz kommen (statt freier Software zum Beispiel).
      Das ist US-Imperalismus mit anderen Mitteln. Insofern handelt Trump mal wieder konsequent....

    • Danke, Herr Rickens. Wie krass eigentlich die Brisanz dieser Thematik: Hätte man Anfang Januar bereits reagieren können, es hätte die Weltwirtschaft gerettet. Bei allem politischen Geschacher hin und her - hier geht's um massenhaft Menschenleben, so dass die WHO zumindest inoffiziell der Sache hätte nachgehen müssen.

      Es passt zur dubiosen Rolle der WHO, welche sie auch bei den vermeintlichen Schweine- und Vogelgrippen Pandemien eingenommen hat, die sich im Nachgang als aktionistische Panikmacherei entpuppten - aber seinerzeit die dauerhafte Sondererlaubnis zur genveränderten Impfstoff-Entwicklung für die Gates-Connection brachte.

    • Fest steht: Die WHO hat wieder einmal einen katastrophalen Job gemacht. Wie schon 2009 bei der Schweinegrippe. Damals, getrieben von der Pharmaindustrie, hat die WHO eine Riesenwelle der Angst gemacht, wegen am Ende: beinahe nichts. Nun 2020, auf Basis zurückgehaltener Informationen bzw. Fehlinformationen seitens China, die nicht kritisch hinterfragt sondern de facto ungeprüft weitergeben wurden: eine völlig falsche, viel zu geringe Risikoeinschätzung und Warnungen viel spät, mit einem katastrophalen Ergebnis für die Welt. Wäre die WHO ein Dienstleistungsunternehmen, würde sie von seinem Auftraggeber gekündigt und verklagt. Insofern ist Trump's Schritt richtig. Die USA, Europa und weitere Staaten sollten rasch eine Alternative zur WHO auf den Weg bringen oder zumindest massive Änderungen und Reformen bei der WHO. Die aktuelle Version ist obsolet geworden.

    • Please note that the information sent by Taiwan to WHO comes from Wuhan officials, and does not explicitly mention the fact that the new Coronavirus can be passed from person to person.
      (Taiwan has published the original mail)

    • Dass die WHO zu mehr als 75% von der Pharmaindustrie und Stiftungen(!) finanziert wird, kommt im Artikel leider zu kurz. Bei dem Prozentsatz muss man sich fragen, wer die WHO eigentlich steuert.

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