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Kommentar Corporate Governance: Das „Cooling off“ von 24 Monaten ist noch immer eine gute Idee

Bei Daimler zeigt sich, dass die zweijährige Sperre bis zum Wechsel eines Vorstands in den Aufsichtsrat durchaus sinnvoll ist.
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Der Fall Daimler zeigt, dass es manchem Unternehmen sehr gut täte, einen Branchenfremden in den Aufsichtsrat zu holen. Quelle: dpa
Dieter Zetsche

Der Fall Daimler zeigt, dass es manchem Unternehmen sehr gut täte, einen Branchenfremden in den Aufsichtsrat zu holen.

(Foto: dpa)

Es sind zwar noch fast zwei Jahre, bis der geplante Wechsel des langjährigen Daimlerchefs Dieter Zetsche in den Aufsichtsrat mit anschließender Wahl zum Vorsitzenden stattfinden soll. Aber schon jetzt regt sich Widerstand. Namhafte Aktionäre wie Union Investment opponieren gegen solche Überlegungen. Angesichts von zwei Gewinnwarnungen in den wenigen Wochen nach Zetsches Abgang Ende Mai ist es nur verständlich, wenn die Eigentümer des Unternehmens Bedenken haben, den Ex-Vorstandsvorsitzenden auch zum Chefkontrolleur zu küren.

Zehn Jahre ist es her, dass die Bundesregierung das „Cooling-off“ von zwei Jahren eingeführt hat. Und seit zehn Jahren wird darüber gestritten. Männer wie BASF-Chefaufseher Jürgen Hambrecht drängen darauf, die Zwangspause wieder abzuschaffen. Ihr Kernargument lautet: In zwei Jahren gehe zu viel Know-how über die Branche und erst recht über das zu kontrollierende Unternehmen verloren.

Zwei Jahre, das stimmt, sind in der digitalen Ära eine extrem lange Zeit. So schnell wie heute haben sich Produkte, Märkte und Produktionsmethoden wohl noch nie geändert. Wer da nicht up to date ist, der sollte besser keinen Konzern beaufsichtigen, an dem das Schicksal Tausender Menschen hängt. Bei Daimler sind es sogar 300.000.

Der Stuttgarter Autokonzern erweist sich allerdings eher als Referenz dafür, wie richtig es ist, den nahtlosen Umzug vom Büro des Vorstandsvorsitzenden in das des Aufsichtsratschefs zu verbieten. Dabei geht es jetzt nicht um die Frage, wie viel Verantwortung Zetsche für das Desaster des Automobilkonzerns hat. Vielleicht arbeitet sein Nachfolger Ola Källenius ja auch nach dem altbekannten Managerprinzip, alle Grausamkeiten sofort und ohne Rücksichten am Beginn der Dienstzeit zu begehen. Um hernach umso strahlender aufzutreten.

Nein, der Fall Daimler macht deutlich, dass 24 Monate eine gute Bedenkzeit sind, um in Ruhe abzuwägen, ob ein Dieter Zetsche der Richtige an der Spitze des Aufsichtsrats in Zeiten des radikalen Umbruchs ist. Selbst ohne Gewinnwarnungen sollte sich in jedem Unternehmen diese Frage stellen. Ist ein Vorstand, der viele Jahre erfolgreich geführt haben mag, die erste Wahl für den Aufsichtsrat? Die Antwort kann doch nur lauten: Nicht immer.

Deshalb ist es gut, dass der Gesetzgeber den Automatismus – tausche Vorstands- gegen Aufsichtsratsposten – ausgesetzt hat. Der Fall Daimler zeigt obendrein, dass es manchem Unternehmen sogar sehr gut täte, einen Branchenfremden in den Kontrollrat zu holen. Einen, der nicht betriebsblind ist und beispielsweise die Richtungsänderung zur emissionsfreien Mobilität rechtzeitig erkennt.

Mehr: Lesen Sie hier, warum die schwächelnde Konjunktur zum Ende des langjährigen Booms in der Autoindustrie führt.

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