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Kommentar Da waren es nur noch sechs

US-Präsident Trump würdigt den G7-Gipfel in Kanada nur mit einem Kurztrip. Sein Verhalten offenbart den tiefen Riss durch den Westen.
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US-Präsident Trump würdigt den G7-Gipfel nur mit einem Kurztrip Quelle: AP
Donald Trump

Die verbliebenen sechs der Siebenergruppe sind zwar in ihrem Zorn über Trump einig, aber doch ziemlich ratlos.

(Foto: AP)

Geschichte wiederholt sich in der Regel nicht, doch Donald Trumps Ankündigung, den G7-Gipfel nur mit einem Kurztrip zu würdigen, erinnert an einen denkwürdigen Novembertag 2014: Damals verließ Russlands Präsident Wladimir Putin vorzeitig den G20-Gipfel im australischen Brisbane, nachdem er von den anderen Staats-und Regierungschefs wegen der russischen Militärintervention in der Ukraine in die Mangel genommen worden war. Kurz zuvor hatte die G8 Russland bereits aus ihrem erlauchten Kreis ausgeschlossen.

Dass jetzt auch der US-Präsident bereits vor seiner Anreise seine vorzeitige Abreise beim G7-Treffen im kanadischen La Malbaie bei Québec ankündigt, verheißt nichts Gutes für die einmal als kleine Weltregierung apostrophierte Gruppe. Aus der G7 ist eine G6 gegen Amerika geworden, seitdem Trump dem Rest seiner Verbündeten den Handelskrieg erklärt hat.

Zuvor hatte der US-Präsident bereits mit Alleingängen in der Klimapolitik und durch die Aufkündigung des Iran-Deals für Unmut unter den früheren Freunden gesorgt. Insbesondere der französische Präsident Emmanuel Macron und der kanadische Gastgeber und Premierminister Justin Trudeau haben Trump bereits vorab signalisiert, dass sie in Quebec mit dem Bully der Weltpolitik Klartext reden wollen.

Trump schlug wie gewohnt mit der Twitter-Keule zurück, so dass man sich fragen muss, was die sieben Großen der Weltwirtschaft nach diesem Wortgefecht in Kanada überhaupt noch zu besprechen haben. Beim Weltwirtschaftsforum Anfang des Jahres in Davos hatte der US-Präsident noch beteuert, „America First“ bedeute nicht „America alone“. Jetzt sind die USA international so isoliert wie noch nie in ihrer Geschichte.

Die verbliebenen sechs sind zwar in ihrem Zorn über Trump einig, aber doch ziemlich ratlos. Niemand hat bislang eine überzeugende Antwort auf den wirtschaftlichen Nationalismus der Amerikaner. Die Kanadier sind tief verletzt, die Franzosen wollen Trump die Stirn bieten, und die Deutschen haben noch Hoffnung, dass am Ende doch noch irgendwie alles gut werden wird.

Zugleich werden hierzulande die Rufe lauter, man solle Russland wieder in den G7-Kreis aufnehmen. Amerika raus und Russland rein? Das wäre wohl die schlechteste Botschaft vom G7-Gipfel, die man sich vorstellen kann.

Vielleicht bietet der tiefe Riss durch die frühere Wertegemeinschaft, die einmal „den Westen“ darstellte, aber auch eine Chance. Eine Chance, nicht um Front gegen die USA zu machen. Die Tür muss offen bleiben. Trump ist nicht Amerika, und die nächsten Wahlen in den USA sind bereits im November.

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Dennoch könnte in La Malbaie die Erkenntnis wachsen, dass Kanada, Frankreich, Großbritannien, Italien, Deutschland und Japan die regelgebundene, multilaterale Weltwirtschaftsordnung verteidigen müssen. Ein solches Bekenntnis der sechs großen Wirtschaftsnationen wäre ein Signal auch für andere Teile der Welt.

Und es wäre eine Botschaft an Trump: dass Amerika in einer hypervernetzten Welt ohne Freunde ziemlich einsam wäre.

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