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Kommentar Daimler-Chef Zetsche hinterlässt Källenius ein vergiftetes Erbe

Daimler will die Betrugsvorwürfe im Dieselskandal notfalls vor Gericht entkräften. Der Preis dafür ist eine jahrelange Ungewissheit.
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Der künftige Daimler-Chef Källenius startet mit einer schweren Hypothek ins neue Mobilitätszeitalter. Quelle: dpa
Dieter Zetsche und Ola Källenius (rechts)

Der künftige Daimler-Chef Källenius startet mit einer schweren Hypothek ins neue Mobilitätszeitalter.

(Foto: dpa)

Er selbst ist mit sich „total im Frieden“, resümiert Dieter Zetsche nach 13 Jahren als Daimler-Chef. Ende Mai geht der Schnauzbartträger in Rente. In seiner Ära seien „sehr gute Grundlagen“ geschaffen worden, frohlockt Zetsche.

Und das Wichtigste: Seine Nachfolge tritt ein „exzellentes Team“ an – mit Entwicklungschef Ola Källenius an der Spitze. Was der Manager nicht sagt: Er hinterlässt diesem Team neben einem soliden Fundament auch ein vergiftetes Erbe.

Daimler hat sich unter Zetsches Führung auf die letztmögliche Verteidigungslinie im Dieselskandal zurückgezogen: Den Vorwurf, manipuliert zu haben, wollen die Stuttgarter notfalls vor Gericht entkräften. Es gilt die Maxime: Daimler ist nicht Volkswagen.

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sieht hingegen durchaus Parallelen zwischen Wolfsburg und Stuttgart. Die Flensburger Beamten sind überzeugt, dass auch Daimler unzulässige Abschalteinrichtungen genutzt hat, um Stickoxidwerte auf dem Prüfstand zu schönen.

Im vergangenen Jahr wurde Daimler bereits dazu verdonnert, mehr als 700.000 Dieselfahrzeuge in die Werkstätten zu beordern. Nun droht ein weiterer Massenrückruf. Das KBA glaubt erneut eine illegale Softwarefunktion bei einem SUV der Marke mit dem Stern gefunden zu haben. Daimler widerspricht, will von Betrug nichts wissen. Es steht Aussage gegen Aussage. Die Sache ist komplex, eine Beurteilung schwierig.

Vielleicht gewinnt Daimler am Ende sogar vor Gericht, wer weiß das schon. Klar ist aber: Es wäre ein Pyrrhussieg. Denn für die jahrelange Ungewissheit zahlen die Schwaben einen hohen Preis. Schon heute dümpelt die Daimler-Aktie.

Über allen Erfolgen von Mercedes liegt ein Schleier aus Dieselabgasen, der Investoren verschreckt und intern Kräfte bindet, die eigentlich dringend andernorts benötigt würden. Der künftige Daimler-Chef Källenius startet mit einer schweren Hypothek ins neue Mobilitätszeitalter.

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