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Kommentar Daimler und BMW sollten alle ihre Mobilitätsdienste verkaufen – außer Free Now

Weder Carsharing noch die Apps zum Parken, Laden oder Reisen sind überlebenswichtig für die Autobauer. Ein Mitfahrdienst für die Robotaxis der Zukunft dagegen sehr wohl.
17.11.2020 - 08:23 Uhr Kommentieren
Einst unter dem Namen MyTaxi gestartet, ist der Mobilitätsdienst längst mehr als ein reiner Chauffeurservice. Quelle: dpa
Taxi von Free Now

Einst unter dem Namen MyTaxi gestartet, ist der Mobilitätsdienst längst mehr als ein reiner Chauffeurservice.

(Foto: dpa)

Seit mehr als hundert Jahren kämpfen Daimler und BMW mit allen Tricks um die Krone des weltgrößten Premiumherstellers. Oft genug standen sich die Manager in Stuttgart und München in ihrer Historie geradezu feindselig gegenüber. Als die Autorivalen Anfang 2019 plötzlich paktierten und ihre Mobilitätsdienste fusionierten, schien das wie der Beginn einer neuen Ära.

Die Topkräfte beider Häuser aßen nun öfter Spätzle oder Weißwürste zusammen. Es menschelte. Dieter Zetsche und Harald Krüger, die damaligen Vorstandsvorsitzenden von Daimler und BMW, wirkten gar wie Freunde, die sich gerne gegenseitig auf die Schulter klopfen. Zusammen schienen die Partner keine Grenzen mehr zu kennen. „The sky is the limit“, bekundeten sie.

Kaum wechselten die Chefs, folgte Ernüchterung. Ola Källenius (Daimler) und Oliver Zipse (BMW) fokussieren ihre Konzerne nun wieder auf den Autobau, also das Kerngeschäft. Die fünf verlustreichen Gemeinschaftsfirmen, die ihre Vorgänger einst unter dem Dach der Your-Now-Holding gegründet haben, wollen die Manager zerschlagen. In Stuttgart und München laufen längst Planspiele, welche Mobilitätsdienste es überhaupt noch wert sind, weiter alimentiert zu werden.

Ein abschließendes Urteil haben Källenius und Zipse noch nicht gefällt, dabei läge es auf der Hand: Daimler und BMW sollten alle Mobilitätsdienste verkaufen – außer Free Now. Weder Carsharing noch Apps zum Parken, Laden oder Reiseplanen werden im Kampf gegen Tech-Konzerne wie Uber, Waymo oder Didi Chuxing überlebenswichtig sein. Ein Mitfahrdienst wie Free Now, über den sich irgendwann auch Robotaxis vermitteln lassen, hingegen sehr wohl.

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    Derzeit scheinen völlig autonom fahrende Autos, die uns von A nach B bringen, weit weg. „Das Lenkrad wird noch lange bleiben“, versicherte BMW-Entwicklungschef Frank Weber im Handelsblatt-Interview. Dennoch werden die Roboterflotten irgendwann kommen.

    IHS Markit rechnet aktuell mit den ersten drei Millionen autonomen Fahrzeugen im Jahr 2031. Tesla oder die Intel-Tochter Mobileye glauben dagegen, dass das Lenkrad schon weit früher zur unnötigen Sonderausstattung wird.

    Letztlich ist der genaue Zeitpunkt der autonomen Revolution zweitrangig. Wichtig ist vielmehr, dass Daimler und BMW für den Tag X gerüstet sind. Denn Robotaxis untergraben die Markenidentität der Premiumriesen.

    Weder Carsharing noch Apps zum Parken, Laden oder Reiseplanen werden im Kampf gegen Tech-Konzerne wie Uber, Waymo oder Didi Chuxing überlebenswichtig sein. Quelle: dpa
    Autos von ShareNow

    Weder Carsharing noch Apps zum Parken, Laden oder Reiseplanen werden im Kampf gegen Tech-Konzerne wie Uber, Waymo oder Didi Chuxing überlebenswichtig sein.

    (Foto: dpa)

    Für das Gros der Kunden wird es völlig unerheblich sein, ob sie in einem Shuttle mit Mercedes-Stern chauffiert werden oder in einem Vehikel, das die bayerischen Landesfarben im Emblem trägt. Hauptsache, sie kommen – dank der wegfallenden Kosten für den Fahrer – bequem und billig ans gewünschte Ziel.

    Damit drohen Daimler und BMW aber ihr zentrales Alleinstellungsmerkmal zu verlieren. Aus Weltmarken würden gesichtslose Hardwarezulieferer, die sich den Vorgaben der Plattformbetreiber unterwerfen müssten. In der zweiten Reihe lässt sich zwar immer noch gutes Geld verdienen, aber ihre Rolle als Integratoren der Technik wären die stolzen Autobauer los.

    Free Now will das Grundproblem der Mobilitätsdienste lösen

    Kampflos sollten sich Daimler und BMW keinesfalls vom Thron stoßen lassen. Zumal die Konzerne mit Free Now einen Mobilitätsdienst im Portfolio haben, der durchaus das Potenzial hat, den Führungsanspruch der Autobauer ins Plattformzeitalter zu übertragen.

    Einst unter dem Namen MyTaxi gestartet, ist Free Now längst mehr als ein reiner Chauffeurservice. Die 47 Millionen App-Nutzer können in immer mehr der 153 verfügbaren Städte nicht nur Taxis buchen, sondern auch Autos mieten und Elektroroller, Fahrräder oder E-Scooter ausleihen.

    Free Now versucht damit, das Grundproblem aller Mobilitätsdienste zu lösen: Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen. Bei Apps, die etwa nur Carsharing oder E-Scooter anbieten, sind stets entweder die Kunden unzufrieden oder die Anbieter.

    Ist die Flotte zu klein, kann sich nicht jeder Nutzer darauf verlassen, tatsächlich die geplante Fahrt zum Bahnhof oder Flughafen stressfrei antreten zu können. Stellen die Betreiber deutlich mehr Vehikel an den Straßenrand, sackt deren Auslastung allerdings so weit ab, dass daraus nie ein profitables Geschäft wird.

    Der Ansatz von Free Now, alle möglichen Verkehrsträger auf einer Plattform zusammenzubringen und so seinen Kunden in Summe jederzeit eine Auswahl an Optionen zu bieten, um ans Ziel zu kommen, ist prinzipiell richtig. Das heißt im Umkehrschluss aber auch: Es macht keinen Sinn, jeden einzelnen Service im Rahmen der Plattform selbst zu betreiben.

    Ein völliger Rückzug bei den Mobilitätsdiensten wäre kurzsichtig. Das sture Festhalten an strategisch irrelevanten Einheiten belastet parallel nur unnötig die Bilanz. Was es daher braucht, ist ein smarter Teil-Exit. Angebote wie Share Now (Carsharing), Park Now (Parken), Charge Now (Laden) und Reach Now (Reiseplanung) sollten Daimler und BMW veräußern. Mit den frei werdenden Mitteln könnte dann das Wachstum bei Free Now forciert werden.

    Mit einem Umsatz von zwei Milliarden Euro ist Free Now zwar derzeit fünf Mal kleiner als der große US-Konkurrent Uber, aber zumindest in Europa sind die Hamburger die Nummer eins. Darauf lässt sich aufbauen. Der Besitz eines lokalen Champions ist schließlich immer noch besser als die globale Unterwerfung gegenüber dem Silicon Valley.

    Mehr: BMW-Vorstand zum autonomen Fahren: „Das können wir genauso wie Tesla“

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