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Kommentar Daimlers Abgasdesaster allein reicht nicht als Grund für die Gewinnwarnung

Es ist nicht nur der Dieselskandal, der Daimlers Gewinne erodieren lässt. Die operativen Probleme sind eklatant. Der neue Chef Källenius muss sparen.
4 Kommentare
Gewinnwarnung bei Daimler: Fehlstart für Ola Källenius – Kommentar Quelle: dpa
Daimler-Chef Ola Källenius

Der neue Chef startet mit einer Gewinnwarnung – zum Ärger der Aktionäre.

(Foto: dpa)

München Kaum einen Monat im Amt muss Daimler-Chef Ola Källenius schon die Gewinnziele seines Konzerns kassieren. Statt steigenden Erträgen erwartet der Stuttgarter Autobauer nur noch ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern in der Größenordnung des Vorjahres, also etwa elf Milliarden Euro. Es ist ein Fehlstart für den gebürtigen Schweden Källenius und seinen neuen Finanzchef Harald Wilhelm, der das ohnehin geringe Vertrauen in den Mercedes-Hersteller weiter erschüttert.

Begründet wird die Ergebniskorrektur vor allem mit dem Dieselskandal. Wegen eines neuen Rückrufs muss Daimler Rückstellungen bilden, der Gewinn im zweiten Quartal werde so durch einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ belastet. Das alleine taugt aber mitnichten als Begründung.

Denn amtlich ist bisher nur, dass das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) 60.000 Mercedes-SUV vom Typ GLK wegen mutmaßlich illegalen Abschalteinrichtungen zurück in die Werkstätten beordert. Auch wenn weitere Modelle folgen könnten: 60.000 Fahrzeuge sind zunächst keine große Anzahl. 

Das Abgasdesaster ist zwar fraglos eine schwere Hypothek, die Källenius von seinem Vorgänger und Mentor Dieter Zetsche geerbt hat. Mindestens ebenso beunruhigend sind allerdings die schlechten Absatzzahlen von Mercedes.

In den ersten fünf Monaten verkaufte die Marke mit dem Stern fast fünf Prozent weniger Autos als noch im Vorjahr. Ein Grund für die Absatzflaute sind Lieferengpässe in Folge von erheblichen Anlaufproblemen in mehreren Werken.

Tausende Fahrzeuge warten auf Auslieferung

Seit Monaten hakt es etwa bei der Produktion des GLE im amerikanischen Tuscaloosa. Der SUV ist eigentlich ein Renditegarant für Daimler, doch die Schwaben kämpfen in ihrem Mammutwerk in Übersee mit Qualitätsproblemen. Drei Zulieferer bereiten Ärger. Die Lage ist so vertrackt, dass Mercedes sogar Tausende Fahrzeuge auf Freiflächen in Alabama zwischenparken musste. Mitte Mai berichtete die US-Lokalpresse über Anwohner, die sich über die Flut an GLE-Modellen wunderten.

Kaum besser läuft es im neu gebauten Sprinter-Werk im amerikanischen Charleston. Die Fabrik wurde im September 2018 eröffnet und hat eine halbe Milliarde Dollar gekostet. Der Sprinter ist ein Besteller, steht für etwa die Hälfte des Absatzes in der Transportersparte.

Doch im neuen Werk kämpft Mercedes mit Qualitätsproblemen, die offenbar so eklatant sind, dass der Konzern seine Ergebniserwartung in der Division bereits bei der Vorlage des Zwischenberichts zum ersten Quartal korrigierte. Und nun folgt die nächste Gewinnwarnung in der Sparte: Daimler erwartet 2019 Verluste bei den Vans, rechnet konkret mit einer Umsatzrendite von minus zwei bis minus vier Prozent.

Daimler ist am Kapitalmarkt alles andere als gut gelitten. Die Aktie dümpelt dahin. Mit der dritten Gewinnwarnung binnen eines Jahres steigt der Druck. Konzernchef Källenius und sein Finanzer Wilhelm werden nun bei Investoren jede Menge Überzeugungsarbeit leisten müssen.

Als ersten Schritt, um die Gemüter zu besänftigen, wollen die Anteilseigner endlich Details zu dem bereits im Februar angekündigten Sparprogramm sehen. Daimler muss nun ein überzeugendes Konzept vorlegen. Källenius darf vor harten Einschnitten nicht zurückschrecken. Er wird massiv sparen müssen – Dieselskandal hin oder her.

Mehr: Daimler muss seine Rückstellungen infolge eines Rückrufs im Dieselskandal erhöhen. Die Ergebnisprognose ist nicht zu halten. Ein Schock für die Aktionäre.

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4 Kommentare zu "Kommentar: Daimlers Abgasdesaster allein reicht nicht als Grund für die Gewinnwarnung"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das Handelsblatt präsentiert am vor vier Tagen gesamt 14 globale Autokonzerne unter dem Titel:
    Das sind die rentabelsten Autohersteller der Welt.

    Platz 1: Daimler
    Die Krone der profitabelsten Autohersteller geht nach Deutschland.

    Daimler hat in den letzten 15 Jahren meines Wissens keine Kapitalerhöhung gefordert und erreicht eine Dividendenrendite von mehr als 6%. Das ist eine wirklich stolze Leistung, die manche andere DAX Werte miserabel aussehen lassen.

  • @Hubik:
    Immer schön NEGATIV, wenn es um die deutsche Automobilindustrie geht.
    (Tesla wird von HB Autoren in höchsten Tönen gelobt.)
    Das nenne ich (sarkastisch) ausdifferenzierte Berichterstattung!

  • Sehr geehrte Frau Kah, das Ranking bezog sich auf die Vergangenheit und kann für dieses Jahr schon anders aussehen. Als Ingenieur störe ich mich an Ihrer Formulierung " n u r selbst zu verantwortende Qualitäts- und Lieferprobleme hat". Woher wissen Sie, dass diese Probleme in wenigen Monaten behoben sind. Ich stimme Ihnen aber zu, dass Daimler nicht am Abgrund steht...doch der Gegenwind ist da und ist wegen der allgemeinen Umbruchsituation in der Autowelt stärker. Gut so...erst beim Gegenwind wird klar, wo die Substanz steckt.

  • Sehr geehrter Herr Hubik,

    niemand wirft Ihnen fake news vor. Aber es wäre schön, wenn Sie differenzieren und Zusammenhänge herstellen könnten.

    Beginnen wir mit dem Thema Absatzschwäche. Es ist ein Riesenunterschied, ob die Kunden sich für Fahrzeuge der Konkurrenz entscheiden. Oder die Firma nur selbst zu verantwortende Qualitäts- und Lieferprobleme hat. Letztere sind relativ rasch in den Griff zu kriegen, sie dürften nur wenige Monate auf die Bilanz ausstrahlen.

    Das zweite Thema sind die Gewinne. Hierzu stellte Ihr Blatt vor wenigen Tagen eine ausführliche Studie von Ernst & Young vor. Untersucht wurden 16 internationale Konzerne aus Europa, den USA und Asien. Wenn ich mich richtig entsinne, sind im 1.Quartal 2019 die Gewinne bei allen Autofirmen sehr deutlich zurückgegangen, im Mittel um etwa ein Viertel.

    Aber das ranking zeigt, dass Daimler immer noch die bestverdienendste Autofirma der Welt ist. Das hob auch Ihr Redaktionärskollege in der Überschrift seines Artikels hervor. Aber vielleicht fragen Sie sich selbst einmal, ob das dür 2019 prognostizierte ebit nicht eine Traumzahl und Anlaß für eine große Feierstunde ist.

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