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Kommentar Das bröckelnde Klassenzimmer

Die Kassen sind voll, die Schulen marode: Dabei ist für die Zukunft der Republik nichts wichtiger als Investitionen in Bildung.
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Es ist ärgerlich, wenn Straßen Löcher haben. Es ist nervig, wenn Autofahrer wegen kaputter Brücken stundenlang im Stau stehen. Es ist traurig, wenn Hallenbäder wegen fehlender Gelder geschlossen werden. Doch dort, wo die Grundlage für den Wohlstand von morgen geschaffen wird, sind die Probleme eines: fatal. Dort bröckelt Putz von den Decken, Kabel liegen frei, die Toiletten sind unbenutzbar, Sporthallen einsturzgefährdet. Was wie die Beschreibung einer Baracke klingt, ist der Normalzustand in den Schulen dieser Republik.

Nichts gefährdet die Zukunftsfähigkeit unseres Landes so sehr wie mangelnde Investitionen in die Schulen. Und nichts wird von der Politik derart vernachlässigt. 48 Milliarden Euro Überschuss hat der Staat in den ersten sechs Monaten erzielt. Genauso viel würde es kosten, alle Schulen zu renovieren und zu sanieren, zeigen Zahlen der Förderbank KfW. So groß ist der Investitionsstau in keinem anderen Bereich, nicht einmal im Straßenbau. Aber Schlaglöcher bekommen eben mehr Aufmerksamkeit als Schüler, die in provisorischen Containern sitzen.

Dabei ist für unsere Volkswirtschaft nichts wichtiger als Investitionen in Bildung. Wenn Politiker über dieses Thema sprechen, dann geht es um Inklusion und um Ganztagsschulen. Was in den Sonntagsreden nicht vorkommt: kaputte Heizungen, undichte Dächer, fehlende Wärmedämmung. Denn damit lassen sich keine Wahlen gewinnen.

Sanierungsfall Schule

Viel lieber redet die Politik doch über Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Und in den Schulen? Wird noch mit Kreide auf Tafeln geschrieben – so wie unsere Vorfahren schon an Höhlenwände gemalt haben. Kann es so gelingen, die Schüler für eine Welt auszubilden, die sich zusehends digital vernetzt?

Solche Fälle soll es auch geben: Kommunen, die für ihre Schulen Smartboards, Computer und Dokumentenkameras anschaffen. Nicht selten stehen dann aber die Lehrkräfte so überfordert davor, wie ihre Schüler vor den binomischen Formeln. Falls es die Lehrer überhaupt gibt: 10.000 Stellen sind zu Beginn dieses Schuljahres unbesetzt, schätzt der Lehrerverband.

Um den Sanierungsfall Schule zu beheben, muss Deutschland dringend sein Kompetenzwirrwarr in den Griff bekommen: Denn das Grundgesetz verbietet es dem Bund, die Schulen dauerhaft zu finanzieren. Die Länder sind ihrerseits für Lehrergehälter und Bücher zuständig. Tische, Stühle und Vorhänge sind Sache der Kommunen. Und die sind mangels Geld völlig überfordert.

Die Not schien so groß, dass Bund und Länder im vergangenen Herbst sogar von ihrem Kooperationsverbot abwichen: 3,5 Milliarden Euro stellte die Bundesregierung für die Renovierung der Schulen bereit. Das Ergebnis ist so ernüchternd wie erschreckend. Kein einziger Cent davon ist bislang investiert worden.

Dabei, und das hat schon der frühere US-Präsident John F. Kennedy erkannt: „Es gibt nur eins, was auf Dauer teurer ist als Bildung: keine Bildung.“ Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass Schüler unter vernünftigen Bedingungen bessere Lernergebnisse erzielen. Umgekehrt heißt das: Marode Schulen können für ein Land extrem teuer werden. Die Bundesregierung hat das noch nicht verstanden. Sie lässt stattdessen die Zukunft der Republik verrotten.

Dieser Artikel ist Teil einer Kommentarserie unserer jungen Autoren. Sie haben zwölf radikale Vorschläge, wie sie die 48 Milliarden Euro Haushaltsüberschuss investieren wollen.

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